ALL WILL KNOW - Deeper Into Time

(Noizgate Records)

 

Als Mitbegründer des Bandnetzwerks "New Wave Of German Metal" schreibt sich das Metal Core Hexagon aus Darmstadt, das seit 2010 präsent ist, einen derart genreübergreifenden Stilmix auf die Fahnen, dass es eine helle Freude ist. Hier wird mit handwerklichem Geschick aus den Vollen geschöpft. Metal Core meetsMelodic Death meets Power Metalmeets Hardrock!!! Das Ganze unterfüttert von mehr oder weniger dezenten Keyboardpassagen. Anspruchsvoll komponiert, abwechslungsreich gestaltet, facettenreich ausgeschmückt, authentisch rübergebracht, technisch versiert und nicht zuletzt dadurch enorm eigenständig. Wirklich tolle Kompositionen, die sich aufgrund der immensen musikalischen Dichte erst nach einigen Durchgängen so richtig zu entfalten beginnen. Man entdeckt mit jedem neuen Durchgang etwas Neues. Harte Riffs, fette Drums, vergleichsweise sachte, bisweilen gar epische Ausschweifungen, die mich beim dritten Track "Still, Coldand Lost" ein wenig an VINTERSORG erinnern, wissen von Anfang an zu begeistern. Das pumpende, druckvolle Schlagwerk, an dem sich Drummer Lukas Gröhl austoben darf, pusht den Sound endfett nach vorne und verleiht ihm eine kaum von der Hand zu weisende stilistische Vielfalt. Rockiger, bisweilen gar rauchiger Klargesang wechselt sich mit überwiegenden Core, beziehungsweise Death Growls und Shouts ab, die durchaus das Potential dazu besitzen, deftig zuzubeißen, an den Hörnern zu packen und kräftig durchzuschütteln. Auch hier wurde Hard und Low mit der Feinwaage justiert. Die elektronischen Einschübe sind gut arrangiert und fein dosiert. Es klingt schon extrem fortschrittlich und durchaus innovativ, was das hessische Sextett hier abliefert. Jegliche Gesanglinien, die alle vorgenannten Stile in sich vereinen, sind durch die Bank weg als ausgereift zu bezeichnen. Schon die beiden ersten Tracks "Home" und "DeeperInto Time" untermalen diese Aussagen eindrucksvoll. Das Ganze klingt wie eine Mixtur aus SCHEITAN, IN FLAMES, CHILDREN OF BODOM, DARKANE, CALLENISH CIRCLE, VINTERSORG und BLIND GUARDIAN. Vor allem Metal Core und Melodic Death stehen hier an vorderster Front und stellen das musikalische Grundgerüst, mit dem man sich kaum mehr hinter den vorgenannten Bands verstecken kann. Von daher wäre es auch nicht unbedingt vermessen, den sechsten Track "ResetThatClock" als eine Art BLIND GUARDIAN meets NIGHTRAGE/AT THE GATES zu bezeichnen. Sollte es mit ALL WILL KNOW so weitergehen, kann man den Südhessen schon heute eine großartige (internationale) Zukunft voraussagen. Spätestens bei der Vorbereitung zum nächsten Output würde ich mal kräftig beim deutschen Überlabel Nuclear Blast anklopfen! Produziert wurde die knapp 47 Minuten drehende, druckvolle Langrille von Kristian Kohlmannslehner im Kohlekeller Studio (Powerwolf, Agathodaimon, Eskimo Callboy, Crematory), das dem eingefleischten Metaller durchaus ein Begriff sein dürfte. Der finale Mix kommt in den Höhen und der Breite etwas komprimiert und steril daher, was zwar kaum nennenswert, da auf guter Anlage kaum hörbar, aber dennoch minimal präsent ist. Das ist mir bei Produktionen von Kristian Kohlmannslehner schon öfters aufgefallen. Ob dies so beabsichtigt war, kann ich nicht sagen. Schade eigentlich, denn musikalisch ist das wirklich allererste Sahne, was die Südhessen mit ihrem zweiten Output "DeeperInto Time" abliefern. Die musikalische Architektur, die fließend ineinander übergehenden Wechsel, der verschiedenen Gangarten, sind wirklich auf allen Ebenen als gelungen zu bezeichnen und machen den gewissen Reiz von "DeeperInto Time“ aus. Ganz großes Kino, was uns das Metal Core Sextett zu bieten hat. Hier passiert so viel, dass man es kaum in Worte fassen kann. Schon fast unheimlich, was die jungen, aufstrebenden MetalCoreler hier an den Tag legen. Die Tracks sind einfach perfekt in Szene gesetzt! Man kann es nicht anders sagen. Auch steht der Gesang immer dann im Vordergrund, wenn es angebracht ist. Die einzelnen Tonspuren wurden astrein aneinander angepasst und verschiedene Gesangsspuren schon mal übereinandergelegt. Musikalisch gesehen ist "DeeperInto Time" ein sehr deutsches Produkt mit "skandinavischem Akzent" geworden, das auch nach dem x-ten Durchgang nicht langweilig wird. Nicht wirklich an Charts orientierte Tracks, mit starken, catchy Refrains, die non-kitsch-orientiert arrangiert wurden, zeichnen diese durchaus ernstzunehmende Musik aus. Toll umgesetzte Ideen entziehen dem musikalischen Feind "Langeweile" jegliche Substanz. Diese Jungs sollte man unbedingt im Auge behalten, denn sicherlich wird auch diese Darmstädter Truppe demnächst in die erste (Metal) Liga aufsteigen, wenn sie dort nicht bereits angekommen ist! Als Anspieltipps seien noch " TowardsDeliverance", das oberfette "ExceedAndRefine" und das extrem variable "Solitude In Fear" genannt.

 

www.allwillknow.de

 

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