ANAAL NATHRAKH - Interview zu „The Whole Of The Law“ mit Dave Hunt aka V.I.T.R.I.O.L. vom 24.01.2017

 

– von einem Haustierteile-Adventkalender, COLDPLAY und irgendeinem Flachwichser, einer Metamorphose in den ANAAL NATHRAKH Stil und einem 1 x 2 Meter messenden Schrank für die Gesangsaufnahmen –

 

Mit einer furchteinflößenden und ziemlich kranken Mixtur aus harten Inustrialklängen, psychotischem Black Metal, vereinzelten, nekrotischen Grindcore Einschüben, verstörende Horrofilmsamples, Hardcore Technobeats, verzerrten, psychopathischen, ketzerischem bis diabolischem Kreischgesang, einem ultimativem Splatterdrumgemetzel und gelegentlichem Klargesang im Power Metal Knuspermantel sorgen ANAAL NATHRAKH für enorme Kurzweil, die ihresgleichen sucht. Die Black/Industrial Metaller aus dem vereinigten Königreich haben mit ihrem neuesten Album „The Whole Of The Law“ (VÖ: 28.10.2016) ein wahrhaft extrovertiertes Meisterwerk der Extreme und Extravaganz geschaffen. Der dystopische, unbarmherzigen und inbrünstigen ANAAL NATHRAKH Sound ist zermürbend, dreckig, fies und böse. Ein total geistesgestörtes, hirnzersetzendes Gemetzel eben, aber auch ein gewisses Novum im Extrem Metalbereich, das der geneigten Hörerschaft Anarchie in Reinform verspricht. Der intelligente Querdenker Dave Hunt aka V.I.T.R.I.O.L., der unter anderem auch bei BENEDICTION in Mikro brüllt, gab dem Totentanz Magazin Ende Januar ein stellenweise durchgeknalltes, aber definitiv aufschlussreiches und höchst interessantes Interview.

 

Streetdate: 28.10.2016 / Metal Blade
Streetdate: 28.10.2016 / Metal Blade

Janko: Hallo Dave, erst einmal möchte ich euch zu eurem neuen Output „The Whole Of The Law“ beglückwünschen. Ich war total geflasht und bin es noch immer. Für mich ist es eines der Top Five Alben des gesamten letzten Jahres.

 

Dave: Danke, ich bin froh, dass es dir gefallen hat.

 

Janko: Was kannst du mir hinsichtlich der Reaktionen zu eurem neuen Output erzählen?

 

Dave: Nicht allzu viel, zumal wir nicht auf die Suche nach Reviews oder ähnlichem gehen. Im Grunde genommen denke ich, dass das auch nicht sonderlich sinnvoll ist, denn entweder sind die Reviews toll und du bekommst eine völlig aufgeblasene Fehleinschätzung deiner eigenen Erhabenheit oder du findest negative Kommentare und bist total angepisst. Das ist völlig normal. Die meisten Leute, die keine durchgeknallten Narzissten darstellen, hören den einen negativen Kommentar aus hunderten von Kommentaren weit lauter heraus, als die vielen weiteren positiven Kommentare. So ist nun mal die menschliche Natur. Reviews etc. sind für andere Leute sicherlich nützlich, aber am besten widmet man den Reaktionen anderer, hinsichtlich der Sachen die man selbst gemacht hat, nicht allzu viel Aufmerksamkeit.

 

Janko: Gibt es für „The Whole Of The Law“ bereits Charteinstiege zu verzeichnen…oder interessiert euch das einen Dreck?

 

Dave: Nein, da scheißen wir drauf. Wenn wir in einem bizarren Parallel Universum an der Spitze der gesamten Charts stehen würden, wäre das offensichtlich etwas, das wir zur Kenntnis nehmen würden. Das wäre ziemlich lustig. Aber das wird nicht passieren. Und stell dir vor, du musst dich die ganze Zeit mit irgendwelchen abgefuckten Idioten, die überhaupt keinen Plan haben im TV Nachmittagsprogramm unterhalten und all so ne Scheiße. Dann sitzt du da neben COLDPLAY und irgendeinem Flachwichser, der ein Scheiß Buch geschrieben hat auf einem Sofa und unterhältst dich mit einem Volltrottel. Nein Danke.

 

Photo Credit: Laura Johnson
Photo Credit: Laura Johnson

Janko: Erzähl mir, was dir durch den Kopf ging, bevor und nachdem „The Whole Of The Law“ veröffentlicht wurde.

 

Dave: Wie vor jedem Album Release hoffen wir, dass nichts durchsickert. Denn das könnte zum Beispiel die Verkaufszahlen drücken. Aber das ist nicht der eigentliche Grund - es geht eher darum, dass ein Release Date ein ganz besonderer Anlass ist. Das Leben wird durch solche Erfahrungen akzentuiert.

Das ist wichtig für uns. Noch wichtiger ist es aber für unsere Fans. Da macht sich eine gewisse Spannung breit, die sich am Release-Tag auszahlt. Lecks zerstören das alles. Ich kann ja verstehen, wenn Leute es kaum noch erwarten können, an neue Dinge heranzukommen. Es gibt auch eine ganze Menge Sachen auf die ich mich freue und ich finde es cool wenn es Leute gibt, die sich genauso darauf freuen können, endlich unser neues Material zu hören. Wenn gewisse Dinge, erst ab einem bestimmten Datum verfügbar sind, kann sie dies unter Umständen zu etwas ganz besonderem machen. Nach der Veröffentlichung -vorausgesetzt es gibt eine Menge kleiner Details und individuelle Berührungspunkte in der Art wie wir die Musik zusammensetzen- finde ich es cool, dass die Leute Spaß daran haben, etwas dabei für sich zu entdecken. Etwa in der Art, wie wenn ein Kind einen Adventkalender bekommt und hinter jedem Türchen ein völlig überraschendes und entzückendes Teil eines seiner Haustiere vorfindet.

 

Janko: Welche Schritte sind für euch während des Songwritings, der Aufnahmen und der gesamten Produktion unumgänglich? Ich habe gelesen, dass du das Licht ausmachst, um so wenig wie möglich abgelenkt zu werden und um das Rauschmittel deiner Wahl zur vollen Entfaltung zu bringen. Erzähl mir wie das abgelaufen ist.

 

Photo Credit: Laura Johnson
Photo Credit: Laura Johnson

Dave: Ich persönlich möchte in der richtigen Stimmung sein, und ich kann keine Ablenkung gebrauchen. Also Licht aus, die richtige Menge an Drinks, so mag ich das mal liebsten. Es ist ein seltsames Level, auf das du dich einpendeln musst - entspannt, aber gleichzeitig auch nicht entspannt. Du willst ja nicht total gechillt, aber unkonzentriert sein, also musst du ganz relaxt in deine Tätigkeit abtauchen. So dass du dich, ohne dir selbst bewusst oder in irgendeiner Weise gehemmt zu sein, fokussieren kannst. Während den Aufnahmen habe ich am liebsten in einem 1 x 2 Meter großen Schrank gestanden, mit einer Schiene an der man sich festhalten kann, ohne Licht und bei geschlossenen Türen. Ich glaube nicht, dass man so etwas machen kann, wenn man versucht es zu erzwingen oder versucht sich von äußeren Einflüssen motivieren zu lassen. Es muss aus einem selbst kommen und sich seinen Weg von innen nach außen bahnen. Es besteht erstaunlicherweise ein großer Unterschied zwischen „weil es so schien, als wäre es das Richtige“ oder „weil es sich so anfühlte, als wäre es das Richtige“. Ich denke, Mick und mir ist schon allein durch die Tatsache geholfen, dass wir Spaß bei den Aufnahmen haben. Es gibt viel zu lachen, zu plaudern, zu trinken und so weiter. Das soll jetzt nicht heißen, dass wir die Sache nicht ernst nehmen, sondern eher dass das Material so wie es ist ernst genug ist und eine entspannte Atmosphäre dabei hilft, ein kreatives, engagiertes Gefühl zu tragen. Strikte Professionalität und Effizienz würden sich kontraproduktiv zum kreativen Prozess verhalten und das Ganze somit paradoxerweise unprofessionell werden lassen.

 

Janko: Das Coverartwork ist ein echter Hingucker und in Ansätzen auch durchaus kontrovers. Es ist ein Ausschnitt der Zeichnung "Dante und Virgil in der Hölle" von William Bouguereau. Welche Art von Beziehung hast du zu Dantes "Die Göttliche Komödie"? Sie ist nicht einfach sie zu lesen...hast du es schon versucht?

 

Photo Credit: Laura Johnson
Photo Credit: Laura Johnson

Dave: Eigentlich habe ich nur Teile davon gelesen. Aber trotzdem finde ich sie faszinierend, weil es den Anschein mach, dass sie Archetypen umfasst, die in ähnlicher Weise in der antiken griechischen Mythologie vorkommen. Und darin ist so viel Ikonisches verpackt. Die Doré Stiche; Gemälde ähnlich denen Bouguereaus; Phrasen, die in unsere Kultur eingegangen sind, wie "alle Hoffnung aufgeben ...". Ich denke, in gewisser Weise bietet „Die Göttliche Komödie“ eher vielseitige Inspirationsmöglichkeiten, als dass sie eine wirkliche Aussage trifft. Es gibt einige Erfahrungen, die jeder gemacht haben sollte. Zumindest in der westlichen Welt. Ein bisschen wie die Bedeutung von „liberal“ in der Phrase "liberale Künste". Wenn man bedenkt, wie gewöhnlich solch seltsame Phrasen wie "liberale Medien" heutzutage sind, lohnt es sich darauf hinzuweisen, dass die liberalen Künste nicht das repräsentieren, was viele Leute hineininterpretieren. Es lohnt sich, das nachzuschlagen. Davon mal ganz abgesehen, sollte jeder „1984“ (von George Orwell/Anm: d. Verf.) gelesen haben, jeder sollte die wichtigen Teile der Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kennen. Diese Art der Dinge eben. Ich meine mit “sollte”, in dem Sinne, dass die Welt wahrscheinlich ein besserer Ort wäre, wenn dies jeder täte. Und der Glaube daran reizt, dass ein Gewahrsein hinsichtlich der Göttlichen Komödie auf dieser Liste stehen könnte.

 

Janko: Warum habt ihr euch dazu entschieden, IRON MAIDENs "Powerslave" und THE SPECIALS "Man At C&A" als Bonus-Tracks zu covern? Ist der zweite Bonus-Track nicht eine Single, die bereits 2011 erschienen ist? Wurde der Track denn neu aufgenommen?

 

Photo Credit: Laura Johnson
Photo Credit: Laura Johnson

Dave: Gerade als wir mit den Gesangsaufnahmen für das Album begannen, erhielten wir eine E-Mail, in der man uns bat ein Cover eines IRON MAIDEN Songs für Kerrang -eine Zeitschrift hier in Großbritannien- aufzunehmen. Sie stellten eine Cover-CD als Zeitschriftenbeilage zusammen, um sie mit dem Themenbereich einiger Shows zu verbinden, die MAIDEN gespielt hatten. Das Magazin deckt Sparten heftiger Musik ab, aber es ist hauptsächlich Mainstream, und hat -von dem was ich sagen kann- eine vergleichsweise junge Leserschaft. Somit war es schon lustig, dass man uns gefragt hat und auch dass wir zwischen TRIVIUM oder etwas, in das Corey Taylor (SLIPKNOT, STONE SOUR, aber auch arbeiten mit ANTHRAX, KORN, APOCALYPTICA, DREAM THEATER, DAMAGE PLAN, STEEL PANTHER, SOULFLY und VELVET REVOLVER; Anm. d. Verf.) involviert ist, auftauchen würden, wenn wir es täten. Und es war zu einer Zeit, da konnten wir es locker an die Aufnahmen dranhängen, mit denen wir ohnehin gerade beschäftigt waren. Wir dachten uns „Fuck it, warum nicht?“ Dann ging es nur noch darum ein Lied auszuwählen, das noch keine der anderen Bands ausgesucht hatte und „Powerslave“ fanden wir am reifsten für eine Metamorphose in unseren Stil. Und ich denke es hat gut funktioniert. Das Hauptriff klingt wie etwas, dass wir selbst schreiben würden. Aber offensichtlich war die Kerrang-CD nur Leuten in Groß-Britannien vorbehalten, die sich auch das Magazin gekauft haben, also dachten wir uns dass es doch cool wäre, wenn wir den Track als Bonus auf das neue Album packen würden. „Man At C&A” haben wir mit rein genommen, weil es Leftfield (Musik Genre; Anm. d. Verf.) ist. Etwas, das man wohl von einer Band wie der unseren keinesfalls erwarten würde, aber auch etwas von dem wir wussten, dass es mit uns korrespondieren und definitiv funktionieren würde. Die Thematik des Songs war perfekt für uns und der Sound hat diese großartige, bildhafte und gespenstische Atmosphäre. Er war ursprünglich für die „Flexidisc Serie“ des Decibel Magazins gedacht, obwohl ich glaube, dass das eine etwas andere Version war. Aber auch hier dachten wir erneut daran, dass es cool wäre den Song als Bonus-Track zu nutzen, damit Leute, die das Original nicht bekommen hatten, es trotzdem hören konnten. Ich finde es hört sich super an.

 

Janko: Eure Texte handeln oftmals von Misanthropie, Armageddon und Nihilismus. Wie siehst du die Gesamtsituation der Menschheit in der heutigen Zeit und wie verarbeitet ihr das in euren Texten?

 

Dave: Ich denke, dass sich die Welt im Moment eher wie in den 1980er Jahren ausnimmt. Es gibt dieses unterschwellige Gefühl von Gefahr. Ich meine, dass gab es in den 1990ern und 2000ern nicht. Einer meiner Lieblingsfilme ist eine „1984“ Mockumentary, ein Gedankenexperiment namens „Threads“. Es geht darum sich vorzustellen was passieren würde, wenn eine Atombombe über einer britischen Stadt gezündet würde. Wenn man das 2002 veröffentlicht hätte, wäre es eine kleine B-Movie Produktion gewesen. Aber im Jahr 1984 war das schlimm, weil es wesentlich näher an die potentielle Realität heran reichte. Es fühlte sich so an, als gäbe es eine reelle Bedrohung, dass die Sache wirklich aus dem Ruder laufen könnte. Die Ängste mögen heute vielleicht eine etwas andere Gewichtung haben, aber ich denke es gibt wieder ein erhöhtes Bewusstsein dafür, dass die Dinge schrecklich schief gehen könnten. Ich möchte die Horrorszenarien, die es in den „ruhigeren“ Jahren gab keinesfalls herunterspielen – in vielerlei Hinsicht waren diese Jahre wohl auch nicht ruhig – und tatsächlich gibt es da Berührungspunkte mit dem Album wie zum Beispiel bei „So We Can Die Happy”. Aber in Bezug auf das Gesamtbewusstsein dieser Welt meine ich, dass wir eine neue Phase erreicht haben.

 

Janko: Es ist ein extremer und intensiver Stil und ich schrieb in meinem Review, dass 99,9% der Allgemeinheit euren Stil nicht mehr als Musik (an-)erkennen würden. Aber ich bin froh, zu den 1‰ zu gehören, die das etwas anders sehen und eure Musik in gewisser Weise sogar als melodisch bezeichnen würden. Was denkst du, wenn du den ersten Satz dieser Frage liest (ich habe nur ein oder zwei Freunde, die mit eurem Stil fertig werden könnten, der Rest würde daran zerbrechen)?

 

Dave: Natürlich ist dies nicht gerade Musik für jedermann. Eine Sache, die ich an meiner verstorbenen Großmutter so sehr liebte war die Tatsache, dass sie einfach nicht verstehen konnte, dass ich in einer vergleichsweise erfolgreichen Band war, aber noch nie auf „Top Of The Pops“ erschienen war, wie zum Beispiel Cliff Richard. Bei Micks Oma wäre es das gleiche gewesen. Dennoch sind 1‰ der Menschheit immer noch fast 75 Millionen. Wenn alle eine Kopie unseres Albums kaufen würden, wären wir verdammt glücklich darüber, haha! Eine Sache die mich sehr verwundert ist, dass anderen Musikstilen, die den gleichen Effekt auf bestimmte Menschgruppen ausüben, wesentlich mehr Respekt von außerhalb dieser speziellen Nischen entgegengebracht wird, als das beim Extrem Metal der Fall ist. Bei einigen Arten von Jazz zum Beispiel. Aber das nur mal so nebenbei. Es ist nicht jedermanns Sache und das ist o.k. für uns. Wir versuchen nicht allen zu gefallen und für uns ist es irrelevant, ob Leute denken, dass das was wir spielen melodisch oder überhaupt noch Musik ist. Solange ich nicht dazu gezwungen bin, mir die verdammte Kacke anhören zu müssen, die den meisten Leuten gefällt, juckt’s mich nicht wenn die Leute unser Material nicht hören wollen. Es ist ihre Entscheidung. Und es gibt viele andere, die uns hören.

 

Photo Credit: Laura Johnson
Photo Credit: Laura Johnson

Janko: Ihr nutzt Drumcomputer und Programme für euren Schlagzeugsound. Wie sieht es mit einer leibhaftigen Lebensform als permanentem Drummer aus? Könnte es überhaupt ein Erdenmensch bewerkstelligen, mit eurem wütenden Hochgeschwindigkeits-Drumming klarzukommen oder würdet ihr einen Kraken benötigen? Oder kommt so etwas gar nicht erst in Frage?

 

Dave: Als wir mit ANAAL NATHRAKH anfingen, haben wir um ehrlich zu sein nicht wirklich erwartet jemanden zu finden, der unsere Musik tatsächlich spielen könnte. Die Dinge haben sich mittlerweile etwas verlagert, aber damals gab es nicht so viele Schlagzeuger, die mit Blastbeats etc. aufgewachsen sind. Aber offensichtlich ist ein Mensch dazu fähig unsere Sachen zu spielen, denn wir spielen bei Live-Shows schließlich mit einem Schlagzeuger. In der Tat haben wir seit kurzem einen neuen Live-Drummer, und es hat Spaß gemacht mit ihm zu spielen, so wie es vorher auch mit Steve Spaß gemacht hat. Aber es gibt einfach keinen Grund, die Sachen jetzt anders zu machen. Gute Musik zu machen ist der ausschlaggebende Punkt und sich keinem Stereotyp anzubiedern, indem man das macht, was manche Leute gerne hätten, dass man es macht.

 

Janko: In meinem Review schrieb ich, dass deine Stimme (während du dir die Seele aus dem Leib schreist) klingt, als ob du in ein Korsett aus glühenden Kohlen gepackt wurdest und bei lebendigem Leib verbrennen würdest. Wo nimmst du nur all diese Energie her? Ist das lebenslange Übung oder ist das angeboren?

 

Dave: Das ist angeboren. Da ist etwas in meinem Kopf, das sich sehr stark nach dem Schreien anhört, das ich auf die Aufnahmen banne und der Gesang den ich fabriziere, ist oftmals ein Versuch, die Sache in meinem Kopf auszudrücken und wiederzugeben. Ich weiß nicht warum es da ist und manchmal ist das nicht sonderlich spaßig. Aber genau dort kommen diese Impulse her.

 

Photo Credit: Laura Johnson
Photo Credit: Laura Johnson

Janko: Ihr seid jetzt seit eurem letzten Album "Desideratum" bei Metal Blade. Erzähl mir von der Arbeit mit ihnen und was sich gegenüber den vorherigen Labels geändert hat.

 

Dave: Sie sind ein größeres Label als die, mit denen wir in der Vergangenheit zusammengearbeitet haben, aber im Prinzip ist unsere Beziehung zu ihnen weitestgehend die gleiche. Wir sind nicht die Art von Band, die permanent an die Hand genommen werden muss oder die ihr Plattenlabel als Management ansieht. Es gibt eben viel mehr Ansprechpartner als das bei einem kleineren Label der Fall wäre, aber ansonsten ist es eigentlich ziemlich genau das Gleiche. Metal Blade wissen was sie tun und haben einige gute Leute die für sie arbeiten, sodass es vor allem aus unserer Sicht bislang eine positive Erfahrung war.

 

Janko: Was gibt’s neues von BENEDICTION?

 

Dave: Das alte Biest kommt momentan nur schwer in die Gänge, dafür strotzt es aber vor Kraft. Die Sachen, die ich kürzlich von Daz und Rewy gehört habe, sind sehr zielgerichtet gewesen, also gehe ich davon aus, dass wir bald etwas bekanntgeben können.

 

Janko: Gibt es bereits Pläne für eine neue Tour oder vielleicht schon ein paar Festival Dates?

 

Dave: Ja, wir haben ein paar Dinge in Planung für 2017. Es gibt da ein britisches Festival und im April das „Inferno“ in Norwegen und nebenbei noch eine Menge anderer Geschichten. Darunter ein oder zwei besonders interessante Sachen. Durch die Art und Weise wie das mit dem Booking läuft, kann ich dir leider nichts darüber sagen, aber schau doch ab und an mal auf unserer Facebook-Seite vorbei, um neue Ankündigungen zu lesen, sobald wir diese rausgeben können.

 

Janko: Mit der kürzlich absolvierten Japan Tour dürfte ein Traum für euch wahr geworden sein, denke ich. Erzähl mir über die Shows und eure Eindrücke. Wart ihr denn von den drei Taifunen, die du kürzlich in einem Interview erwähnt hattest, direkt betroffen?

 

Dave: Das war fantastisch. Wir wurden enthusiastisch empfangen und die Resonanzen der Leute dort waren wirklich sehr herzlich. Und natürlich war es eine wunderbare Gelegenheit, einen Teil der Welt zu besuchen, den die meisten von uns noch nie zuvor gesehen hatten. Von der Megaregion um Tokio, bis hin zum ruhigen, aber konzentrierten Betrachten des Mount Fuji. Wir aßen einige seltsame Dinge, trafen einige coole Leute, und alles lief völlig reibungslos. Mehr kann man nicht erwarten. Obwohl doch, am letzten Tag als wir dort waren, hatten wir ein bisschen Sightseeing geplant und das Wetter begann plötzlich zu toben. Die Tokyo-Metro wurde fast überall geschlossen, der Himmel war schwarz und bestand nur noch aus heulenden Winden. Unser Live-Gitarrist und ich trotzten mutig den Elementen, schafften es eine Zeit lang hinaus und mitten hinein in den Sturm zu gehen, somit haben wir noch das Beste aus der Situation gemacht. Hoffentlich können wir in nicht allzu ferner Zukunft wieder dorthin zurück und das erneut ausprobieren, haha!

 

Janko: Was haben wir von ANAAL NATHRAKH in der Zukunft zu erwarten?

 

Dave: Ooh, ich werde diese Überraschungen hier jetzt nicht spoilern...

 

Janko: Hab vielen Dank für das Interview und die Zeit, die du dir für das Beantworten unserer Fragen genommen hast. Habt eine gute Zeit Jungs, viel Glück und viel Spaß auf eurer Tour!!!

 

Dave: Danke für den Support.

 

Nun ja, da sieht man es mal wieder: Die extremsten Metaller werden häufig vollkommen unterschätzt, sind sie doch oftmals die nettesten, humorvollsten und smartesten Menschen, die man sich nur vorstellen kann. Der Exzentriker Dave Hunt ist zweifelsohne eines der schillerndsten Exemplare dieser ganz speziellen Spezies.