ANAAL NATHRAKH - The Whole Of The Law

(Metal Blade

 

Extrem Metal erfreut sich dieser Tage anscheinend größter Beliebtheit, jedenfalls werden zur Zeit etliche Outputs aus diesem bislang doch recht kleinen Nischenbereich auf den Markt gefeuert. ANAAL NATHRAKHs „The Whole Of The Law” stellt sich dabei als der Über-Output und ultimative Soundtrack zur Apokalypse dar! Was für eine geile, kranke Scheiße die Briten hier abliefern!!! Vergesst alles, was ihr bislang über verstörende Musik gehört habt. Gegen den unbarmherzigen und inbrünstigen ANAAL NATHRAKH Sound war das alles bis dato sowieso der reinste Kindergeburtstag! Das neunte Extrem-Eisen, der aus Birmingham/England stammenden und seit 1998 gemeinsam musizierenden Industrial Black Metal/Grindcoreler ANAAL NATHRAKH ist Anarchie pur! Die Krankheit und die Plage, die dich hinterrücks befällt und nicht mehr los lässt. Diese bittere Pille wirkt am besten laut, über fette Boxen direkt auf den adrenalingesättigten Körper ein. 

 

Bedrohliche und verstörende Horrorfilmsamples, die erste Konfusion macht sich breit, dazu diese extreme Klangdichte, die das Herz schneller schlagen lässt, dann setzt krass verzerrter, psychopathischer, ketzerischer bis diabolischer Kreischgesang ein, der einen schier in den Wahnsinn treibt, hinzu gesellt sich ein ultimatives Splatterdrumgemetzel, das einem die Kehle zuschnürt, dann ein krasser, kurzer Wechsel zu Klargesang im Powermetal Knuspermantel, um durchatmen zu können und schnell wieder zurück zum derben Extreme Black Metal. Das war so kurz die Umschreibung des direkt ineinander verschmelzenden Intros „The Nameless Dread“ mit dem darauffolgenden Stück „Depravity Favours the Bold“. „Is it what you wanted? Is it what you need?“, um mal kurz den anschließenden dritten, psychopathisch dystopischen Track „Hold Your Children Close and Pray for Oblivion” zu zitieren. Da mischen sich schon mal Hardcore Technobeats (harte verzerrte Bassdrum) und chorale Hintergrundgesänge, die die ganze Sache zusätzlich verstörend gestalten unter die dreckig bösen Soundstrukturen. Auch werden immer wieder passende, verzerrte Industrial Elemente über die völlig irren und geistesgestörten, brachialen Industrial Black Klangdimensionen gelegt. Teilweise ist das so richtig assig perverse Scheiße, dass ich aus dem Schwitzen kaum noch raus komme. „The Whole Of The Law“ klingt wie die finale Schlachtung, bei der die klägliche und vollkommen degenerierte Menschheit unter die Mühlräder Gottes gerät, um endlich von der Erde gefegt zu werden. Der langgezogene extreme Kreischgesang von Dave „V.I.T.R.I.O.L.“ Hunt, der u.a. auch bei BENEDICTION ins Mikro brüllt, wechselt häufig mit klar gesungener, absolut genial präsentierter Stimme, wobei hier die Sequenzen nicht minder krank daherkommen. 

 

Man könnte meinen, dass man Dave Hunt in ein Korsett aus glühenden Kohlen gezwängt hätte und er sich bei lebendigem Leib verbrennend, in seinem eigenen Fegefeuer wälze. 99,9 % der Menschheit wird dieses hirnzersetzende Gemetzel sicherlich nicht mehr als Musik identifizieren können. Da zähle ich mich in diesem Falle allerdings ganz klar zu den 1‰, die Gefallen an solch kranker Scheiße finden. Ich würde sogar soweit gehen, die Musik, trotz ihrer zerstörerischen Ausrichtung, als durchaus melodisch zu betrachten. Innerhalb dieser musikalischen Supernova bleibt der rote Faden und die damit verbundene, klare musikalische Linie prinzipiell erkennbar, wird aber ab und an von völlig geisteskranken Darbietung ausgehebelt. Man könnte ANAAL NATHRAKH auch als die, bis zur Unkenntlichkeit zerhackten STRAPPING YOUNG LAD des psychopathischen, völlig durchgeknallten, misanthropischen Brutal Black Metal benennen und „The Whole Of The Law“ als das vertonte Gemetzel ihrer unvermeidbaren Chaosbestimmung. 

In den Texten bezieht man sich häufig auf Themen über Armageddon, Misanthropie und Nihilismus. Aufgenommen wurde das neue Album unter Zuhilfenahme eines Drumcomputers. Mit seinen (in der Normalversion) elf Tracks und 42:07 Minuten birgt das neue Meisterwerk extrem wankelmütige und wechselhafte Strukturen, die immer wieder die ultimativen Extreme ansteuern und sich wie ein frisch geborener Pulsar verhalten. Die reinste Urenergie der puren Antimaterie! Nicht nur der mehr als passend betitelte achte Track „Extravaganza“ macht seinem Namen alle Ehre und ist ein schier erbarmungsloser Hexenkessel mit seinem psychopathischen Hexengesang direkt aus dem Sanatorium für geistig divergente und völlig derangierte Individuen. Diese musikalisch, wie produktionstechnisch 1A inszeniert Megaexplosion stimuliert dermaßen das Gehirn, dass man einem als Extrem Metaller das Grinsen schon aus dem Gesicht schneiden müsste. Mit dem knapp sieben minütigen, unbeschreiblich sinisteren und übelst geil gesungenen IRON MAIDEN Cover „Powerslave” und dem etwas über vier Minuten knüppelnden, krank symphonischen „Man at C&A” hat man noch zwei richtig starke Bonus Tracks als Extraschmankerl produziert. Laut dem Sprachwissenschaftler Michael Everson soll ANAAL NATHRAKH „Atem der Schlange“ bedeuten. Den etwas sonderbaren Bandnamen hat man dem Film „Excalibur“ von John Boorman entlehnt. Es ist die erste Zeile eines Zauberspruches des mythischen Zauberers Merlin. Auf dem, inklusive Bonustracks 52:15 Minuten brutal auf das zentrale Nervensystem einwirkenden „The Whole Of The Law” gibt es derart viel zu entdecken, dass man das Teil direkt im Anschluss noch einmal hören muss, wenn man denn kann!!!

 

www.facebook.com/Anaalnathrakhofficial 

 

Meine Wertung: 89/100

 

ANAAL NATHRAKH in der aktuellen Besetzung: 

Dave „V.I.T.R.I.O.L.“ Hunt – Vocals

Mick „Irrumator“ Kenney – Bass, Guitar, Programming

 

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