AntropomorphiA Interview zu “Sermon Ov Wrath” mit Ferry Damen vom 23.01.2017

 

– vom vielseitigsten Album, das sie je gemacht haben, weiblicher Nekrophilie und der Bruderschaft, die sie verbindet –

 

Die niederländischen Brutal Death Metaller ANTROPOMORPHIA stehen kurz vor der Veröffentlichung ihres, offiziell als drittes Album bezeichneten und technisch hochwertigen, Extrem Eisens „Sermon Ov Wrath“. Mit ihrer Zornespredigt hat die Todesschwadron aus Tilburg einmal mehr ein kompromissloses und böses Stück Todesblei vertont. Der völlige Verzicht auf Keyboardpassagen, melodiöse Bridges und Breaks oder gar einer wohligen Atmosphäre, macht die Triade zu einem der authentischsten Vertreter ihres Genres. Entsprechend düster, rabiat und morbide geht man auf „Sermon Ov Wrath“ zu Werke. Mitte Januar schob ich Hassprediger Ferry Damen ein paar Fragen rüber, die er mir wie folgt beantwortete:

 

Streetdate: 24.02.2017 / Metal Blade
Streetdate: 24.02.2017 / Metal Blade

Janko: Hi Ferry,

zuerst einmal möchte ich euch zu eurem neuen Output “Sermon Ov Wrath” gratulieren. Es ist ein technisches Meisterwerk, das so einige coole Tracks parat hält. Auf der anderen Seite ist es in seiner Gesamtheit gesehen aber auch ein wenig eingleisig, sodass es eventuell langweilig werden könnte, wenn man es zu oft hintereinander weg hört. Vielleicht meine ich das aber auch nur, weil das Album extrem dunkel, hart und völlig kompromisslos ist!?! Wie siehst du diesen Aspekt und was kannst du mir über das neue Album sagen?

 

Ferry: Jeder hat das Recht auf seine Meinung ... In diesem Fall eine, mit der ich nicht einverstanden bin. Das Album mag dunkel und kompromisslos sein, aber es ist das vielseitigste Album, das wir je gemacht haben und weit, weit entfernt von langweilig...

 

Janko: Erzähl mir, was euch so alles in den Sinn kam, als es auf den Songwriting Prozess zu "Sermon Ov Wrath" hinauslief.

 

Ferry: Wir hatten da nichts geplant. Ich meine natürlich versuchst du immer ein besseres Album als das vorherige zu schreiben, aber es gab nie einen vorgefertigten Plan. Ich setze mich nicht hin und sage: „Lasst uns eine bestimmte Art von Song schreiben.“ Die Kreativität muss sozusagen den Weg zu mir finden und wenn du dann auf einmal einige Ideen hast, die eine gewisse Grundstruktur entstehen lassen, baust du darauf auf und erweiterst sie. Wir sind keine Band, die, obwohl wir tief in der Death Metal Tradition verwurzelt sind, das Gefühl hat, an gewisse Erwartungen gebunden zu sein, also machen wir uns nichts aus irgendwelchen Einschränkungen, sondern lassen uns von unseren Emotionen und unserer Kreativität leiten.

 

Photo Credit: Dennis Wassenburg
Photo Credit: Dennis Wassenburg

Janko: Ich glaube, es ist jetzt das dritte Mal in Folge, dass ihr euer Album in Marcos Home Studio aufgenommen und es in Schweden von Tore Stjerna im Necromorbus Studio habt mastern lassen. Erzähl mir über die Vorteile dieser Vorgehensweisen.

 

Ferry: Gewohnte Umgebungen sind für uns sehr wichtig. Genauso wichtig wie mit Leuten zu arbeiten, die wissen wie die Band klingen soll und wie alle Elemente dieser Einheit ineinandergreifen. Dort, wo die Aufnahmen entstanden sind, fühlt es sich für uns wie ein zweites Zuhause an. In dieser Weise können wir optimal performen, ohne dass uns äußere Einflüsse während des Aufnahmeprozesses beeinträchtigen würden. Nach so vielen Jahren wissen wir was wir wollen und wie sich die Sachen anhören müssen. Marco ist ein Teil dieser Einheit, also sind zumeist auch keine Worte dafür nötigt, wie wir verfahren wollen.

 

Janko: Was macht Marco in seinem Studio, wenn er nicht mit Produktionen für ANTROPOMORPHIA beschäftigt ist? Produziert er auch für andere Bands oder Musik für Filme, Spiele oder etwas gänzlich anderes?

 

Ferry: Er hat einige andere Sachen am Laufen, wie zum Beispiel Gesangsaufnahmen für SOULBURN. Ein bisschen abmischen und aufnehmen für befreundete Bands, aber alles in einem kleinen Rahmen. Das Studio wurde für ANTROPOMORPHIA eingerichtet. Somit ist es einmal mehr unsere Welt und wir haben eigentlich kein großes Interesse daran, andere in diese Welt hinein zu lassen.

 

Janko: Wo liegen deiner Meinung nach die Hauptunterschiede zwischen dem 2014er "Rites Ov Perversion" Album und "Sermon Ov Wrath" und worin siehst die hauptsächlichen Entwicklungen?

 

Ferry: Es gibt mehr Vielfalt und Kohärenz im gesamten Album.

 

Janko: Erzählt das Album denn eine bestimmte Geschichte?

 

Ferry: Einige Songs sind von der Story her miteinander verbunden, aber es gibt kein Hauptthema, das sie zu einem Konzept verbinden würde.

 

Janko: Die beiden Frauen, die Liebe von oder mit den Toten waren schon immer Thema in euren Texten und auf euren Covern. Was ist deiner Meinung nach so faszinierend an der Nekrophilie?

 

Ferry: Auch wenn der Anteil der Texte zu diesen Themen abgenommen hat

(auf diesem Album gibt es nur zwei Songs, die sich auf das Thema beziehen), sind diese Texte nicht mit den visuellen Charakteristika verknüpft, die auf dem Albumcover zu sehen sind. Sie sind eher eine Weiterführung der Vision, die sich in unseren Anfangstagen herausgebildet hat. Die meisten Texte wurden aus einer weiblichen Perspektive geschrieben; weibliche Nekrophilie, weibliche Serien Killer etc. Wir verwendeten die Gore Death Metal Texte und Traditionen, um die Bilder hervorzurufen, die die Charaktere in diesen Texten bilden. Wir wollen diese Tradition einfach nur weiterführen. Lyrisch wird da noch einiges mehr geboten.

 

Photo Credit: Dennis Wassenburg
Photo Credit: Dennis Wassenburg

Janko: Wer ANTROPOMORPHIA noch nicht kennt - und ich hoffe, dass es nur noch ein paar wenige, elende Feiglinge gibt - wie würdest du ihm oder ihr eure Band und euren Sound beschreiben?

 

Ferry: Ich würde ihm oder ihr eine CD oder einen Link geben, um sich die Musik selbst zu Gemüte zu führen. Eine Beschreibung der Musik wird niemals dem reellen Stellenwert gerecht werden. Ich kann damit argumentieren, dass es brutal, dunkel, aber auch eingängig ist...blablabla...aber das sagt immer noch einen Scheißdreck aus, denn was sieht die Person als dunkel, brutal oder eingängig an?

 

Janko: Was kannst du mir zum “Pure” Album (von 1998) sagen? Ich muss allerdings zugeben, dass ich es selbst noch nicht gehört habe. Was ist denn so abgefuckt an diesem Album, dass ihr es nicht zu euren Releases zählt und warum habt ihr es dann eigentlich veröffentlicht?

 

Ferry: Da gibt‘s nicht so viel zu erzählen. Es ist wie das FIELDS OF THE NEPHILIM Album "Fallen". Es gibt keine totale Abneigung gegen das Album, aber lass es mich so erklären, dass wir eine bestimmte Vision für das Album hatten, uns der Weg aber vom Label anders beschieden wurde.

 

Janko: Wird es jemals einen ATROPOMORPHIA Track in niederländischer Sprache geben oder glaubst du, dass sich die Sprache nicht für brutalen Death Metal eignen würde?

 

Ferry: Das wird nie geschehen. Ich weiß nicht, ob sich niederländisch für Death Metal eignet, aber ich weiß, dass die Sprache nicht für ATROPOMORPHIA taugt.

 

Janko: Seid ihr mit der Arbeit zufrieden, die Metal Blade für eure Band macht?

 

Ferry: Wir hätten keinen neuen Vertrag mit ihnen abgeschlossen, wenn wir es nicht wären. Ich meine außer der Tatsache, dass sich im Laufe der Jahre viele Dinge geändert haben, was die Labels und die Musik anbetrifft, sind sie immer noch sehr engagiert in dem, was sie tun und unterstützen uns bei unserer Mission.

 

Photo Credit: Dennis Wassenburg
Photo Credit: Dennis Wassenburg

Janko: Ich habe einmal in einem Interview gelesen, dass die erste Metal Platte, die du gekauft hast, das "Scream Bloody Gore" Album von DEATH war und dass du den Track "Baptized In Blood" jeden Morgen zum Aufwachen als Alarm genutzt hast. Es war auch mein allererstes Metal Album und ich höre es heute noch sehr gerne. Vor ein wenig mehr als einem halben Jahr gab es eine Neuauflage und ich habe ein Review dazu verfasst. Es wurde das längste Review, das ich je geschrieben habe. Was ist für dich persönlich das Besondere an diesem Album?

 

Ferry: Es war nicht die erste Metal Platte, die ich gekauft hatte. Das war IRON MAIDEN gewesen, als ich 10 oder 11 war, tatsächlich war es die erste Death Metal Platte, die ich bei einem Freund zu Hause hörte und nachdem ich sie gehört hatte, stürmte ich sofort zum Plattenladen um sie zu kaufen. Als der Thrash Metal aufkam, standen die meisten meiner Freunde total darauf und ja „Pleasure To Kill“ (KREATOR), „In The Sign Of Evil“ (SODOM), „Hell Awaits“ (SLAYER), „Eternal Devastation“ (DESTRUCTION) - um nur ein paar zu nennen - sind alles verdammt geile Alben, dennoch hatten sie nicht den Gesang und die Atmosphäre, die "Scream Bloody Gore" innewohnte.

 

Janko: Marco, Marc und du, ihr seid die Gründungsmitglieder von ANTROPOMORPHIA und immer noch gemeinsam in der Band. Das ist wirklich extrem selten über solch einen langen Zeitraum. Was macht diese Dreieinigkeit so besonders?

 

Ferry: Ich denke, das ist die Bruderschaft, die uns verbindet. Ich kenne Marco bereits den größten Teil meines Lebens und wir waren bereits Freunde, lange bevor wir diese Band gründeten. Fuck, wir haben damals nicht mal ein Instrument gespielt. Wir drei haben die gleichen Visionen und hegen dasselbe Engagement für diese Band und das ist es wohl, was das alles am Laufen hält.

 

Janko: Ihr habt im Jahre 1989 angefangen. Was kannst du mir über fast 30 Jahre ANTROPOMORPHIA erzählen? Was bedeutet der Band Name für euch als Band, warum habt ihr ihn damals gewählt und was bedeutet er heute für euch?

 

Ferry: Das war ein verdammt langer Weg, viel harte Arbeit und es braucht schon wirklich ein besonderes Engagement. Der Name stammt aus dem ersten Song („Malleus Malificarum/Antropomorphia“) vom ersten PESTILENCE Album. Wir wählten ihn wegen seiner Bedeutung. In den Old School Tagen haben sich die meisten Bands nach Songs anderer Bands benannt. Hauptsächlich um diesen Bands einen gewissen Tribut zu zollen. Ich denke, „Malleus Malificarum“ ist das beste Thrash/Death Album, das je aus den Niederlanden kam. Für mich hat der Name heute seine eigene Bedeutung. Er ist ein Teil dessen was und wer ich bin.

 

Janko: Was ist mit der Band FLESH MADE SIN, in der Marco Stubbe und Marc van Stiphout sind? Ihre Arbeit wurde, soweit ich informiert bin, im Jahre 2009 auf Eis gelegt. Gibt es denn momentan irgendwelche Aktivitäten eurerseits in anderen Bands?

 

Photo Credit: Dennis Wassenburg
Photo Credit: Dennis Wassenburg

Ferry: FLESH MADE SIN sind nicht mehr aktiv. Twan, der Sänger ist Teil von LEGION OF THE DAMNED und Frontmann von SOULBURN. Ich bin Teil eines Projekte, das sich DEATHTEMPLE nennt, eine primitive Death Metal Band mit dem oben genannten Twan van Geel und Manuel Tinnemans (vor allem für seine Grafiken bekannt), aber das ist eher ein gelegentliches Projekt.

ANTROPOMORPHIA hat für uns (Marco, Marc und mich) die einzige Priorität.

 

Janko: Wie sieht es mit Tour- und Festivalplänen aus und was habt ihr mit ANTROPOMORPHIA für die Zukunft geplant?

 

Ferry: Es gibt da diverse Sachen an denen wir momentan arbeiten und wir wurden bereits für ein paar größere Festivals gebucht, aber mehr darf ich im Moment noch nicht verraten.

 

Janko: Hab‘ vielen Dank, dass du dir Zeit für uns und unsere Fragen genommen hast. Ich wünsche euch ne tolle Zeit und viel Glück weiterhin mit ANTROPOMORPHIA!

 

Ferry: Danke Totentanz, für das Interview.

AVE

F

 

Wenn man den beiden straff gespielten Sechssaitern von Jos van den Brand und Brüllwürfel Ferry Damen, dem vielseitigen Marco Stubbe, der sich an der Schießbude austoben darf und dem niederfrequenten Tieftöner von Marc van Stiphout lauscht, erkennt man sofort das kapitale technische Niveau der Holländer, aber die stramme Zusammensetzung des neuen Albums geht auch ein wenig zu Lasten einer breiten Aufstellung. Das muss aber auch nicht zwingend sein, denn dafür ist „Sermon Ov Wrath“ nunmal pure fucking Old School Death Metal, mit einer wohldosierten Prise Groove im Blut!

 

www.antropomorphia-official.com

 

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