Ethan Bayce - Mount Maroon

 

Mysteriöse Begebenheiten unter mysteriösen Umständen. Menschen sterben oder verschwinden einfach spurlos nach Durchführung eines Experiments am Mount Maroon. Ein Projekt fernab jedweder Öffentlichkeit, auf höchster Geheimhaltungsstufe, droht hier mächtig aus dem Ruder zu laufen. Ein Mann erwacht aus dem Koma und ist wohl nicht mehr der, der er meint zu sein. Sein gesamtes Leben scheint auf den Kopf gestellt. Seine Erinnerungen passen nicht zu dem was vor sich geht. Die Frau, mit der er verheiratet war, lebt mit einem anderen Mann zusammen. Die Stadt, in der er mit ihr gewohnt hat, sieht völlig anders aus. Selbst er scheint nicht (mehr) zu existieren, denn nach seiner Recherche starb er vor vierunddreißig Jahren, als Sechsjähriger gemeinsam mit seinen Eltern bei einem Autounfall. Dermaßen dem Boden unter den Füßen entzogen, versucht der Protagonist Peter Saunders sein aus den Fugen geratenes Leben zu ordnen. Ein Mann ohne nachweisbare Existenz, dessen Erinnerungen zum Teil vollkommen falsch zu sein scheinen, so wird er allmählich in den Wahnsinn getrieben. Das hier etwas nicht stimmen kann, wird einem schnell klar. Leider in etwa auch, was es damit auf sich hat. Die Story erinnert dabei auch ein wenig an die angeblichen Vorkommnisse zum Philadelphia Experiment, welches auch später im Buch Erwähnung findet. Der Vergleich mit "Der Schwarm" von Frank Schätzing hingegen hinkt schon deshalb gewaltig, weil Thorsten Lensing, der unter dem Pseudonym Ethan Bayce schreibt und im Ruhrgebiet geboren ist, einfach noch nicht die schriftstellerische Klasse eines Frank Schätzing besitzt. Seine Erzählweise ist eher faktisch als bildlich. Zu viele Gedankengänge, zu viel Konversation, zu wenige Ausschmückungen der örtlichen Gegebenheiten. Dennoch handelt es sich bei „Mount Maroon“ um eine sehr interessant und spannend vorgetragene Story. Recht wage gehaltene Andeutungen, halten den Spannungsbogen stets aufrecht. Ohne jedoch zu maßlosen Übertreibungen zu neigen, kommt aber auch Ethan Bayce nicht aus und Charakterzeichnungen scheinen nun wirklich keine seiner hervorhebenswerten Stärken zu sein. Der Erzählstil und die jeweiligen Perspektivwechsel sind für das interessante, allerdings hoch komplexe Thema teilweise etwas sprunghaft und dadurch zu holprig ausgefallen. Ethan Bayce schreibt ein wenig zu aufgeregt, ein wenig mehr Ruhe wäre der an sich guten Story sicherlich zuträglich gewesen. Ebenso unsinnig sind ab und an beschriebene, absurde Situationen, die bis ins Mark zelebriert und seziert werden. Gerade zum Schluss hin hemmt dies den Lesefluss, kappt die Spannung und wird gar zeitweise regelrecht anstrengend. Das hätte alles nicht sein müssen, denn das Potential dieser Story ist immens. Es scheint dem Autor allerdings nicht leicht gefallen zu sein, Fakten der Wissenschaft mit Trivialliteratur zu vermischen. Beispielsweise dienen die Erklärungen der Wissenschaftler untereinander dem potentiellen Leser zwar als Verständnishilfe, da diese aber mehr oder minder zur Allgemeinbildung zählen, wirken sie ein wenig befremdlich. Will sagen, dass sich gestandene Wissenschaftler die Hausaufgaben ihres ersten Studienjahres oder gar noch ihrer Schulzeit sicherlich nicht ausgiebig zu erklären brauchen. Der Plot hat enorm viel Potential, leider wurde er aber ein Tick zu sachlich heruntergerasselt.

 

 

Meine Wertung: 81/100