CARNAL DECAY - Interview zur kosmischen Urgewalt "You Owe You Pay"  

mit Sänger Michael Kern vom 06.03.2017

 

 

- von einer entspannten Atmosphäre im Kohlekeller, dem Fremdwort „Stress“ im Odenwald, davon Oma zum Beatdown Konzert auszuführen und Todesängsten in der Tundra -

 


 

Mit einer enorm wuchtigen Intensität und einem immensen Durchsetzungsvermögen, haut uns das Schweizer Groove- und Blastbeat-Monster CARNAL DECAY seinen hardcorelastigen Deathcore, in Form des neuesten Brachialwerks „You Owe You Pay“ um die Ohren. Mit seinem vierten Studio-Kreissägeblatt -einer Mischung aus Death, Grindcore, Hardcore und Deathcore- drückt uns das Brutal Death Metal Quartett gleich mal beide blauen Augen zu. Durch das obergeile Material auf „You Owe You Pay“, das von dem deftigen Cover (by Daemorph) auf kompetente Art und Weise wiederspiegelt wird, haben sich die drei Jungs und das Mädel in mein metallenes Herz gespielt. Was lag da also näher, als auf elektronischem Wege bei den Alpenbewohnern anzuklopfen und um Beantwortung folgender Fragen zu bitten...

 

Janko: Zuerst einmal möchte ich euch mitteilen, dass ihr mir bis dato völlig unbekannt wart, was ja in gewisser Weise eine Schande ist und dass mir euer neues Material „You Owe You Pay“ brutal geil gefällt. Ihr habt da ein paar wirklich fiese, brachiale Sounds eingefangen und einen richtig coolen Flow entwickelt!

 

Michael: Vielen Dank! Freut mich sehr, dass wir da einen neuen Hörer gewonnen haben!

 

Streetdate: 10.02.2017 / Rising Nemesis Records
Streetdate: 10.02.2017 / Rising Nemesis Records

Janko: Euer neues Album „You Owe You Pay“ wird oder wurde die Tage veröffentlicht. Was kannst du mir bezüglich der Herangehensweise an das neue Material, zur Produktion und den ersten Reaktionen auf das Album sagen?

 

Michael: Wir haben bei diesem Album probiert mal weg von der Idee zu kommen, alles selbst zu machen. Studios werden bzw. wurden günstiger als am Anfang des Jahrtausends und die do-it-yourself Manie bei den CD’s kann einen den Focus auf die Songs kosten.

Wir haben trotzdem eine Vorproduktion im eigenen Proberaum gemacht bzw. die Drums im Hardbeat Studio (Proberaum der anderen Band unseres Drummers Markus). Das heißt, das komplette Album wurde schon mal aufgenommen, damit wir die Songs schon ausarbeiten konnten und dann mit einer fertigen Idee ins Kohlekeller Studio kamen.

Das war sehr hilfreich und auch relaxed, so aufzunehmen.

Die Vorproduktion nimmt einem zum einen „die Angst vor dem roten Knopf“ also die Aufregung, die man vor dem nächsten Take hat. Und zum anderen hat man verschiedene Varianten, wie etwas gespielt oder gesungen wird schon mal „kostenfrei“ in den eigenen 4 Wänden ausprobiert und evtl. schon ausgeschlossen. Das macht dann den Aufnahmeprozess etwas flüssiger.

 

Janko: Hat „You Owe You Pay“ eine spezielle Aussage für dich/euch?

 

Michael: Ja, es geht hier eigentlich einfach um Fairness, wer etwas will, soll dafür bezahlen. Wer sich etwas nimmt, schuldet eine Gegenleistung. Auge um Auge... ;-)

 

Janko: Wie kamt ihr ausgerechnet auf das Kohlekeller Studio in Seeheim bei Darmstadt und warum habt ihr euch entschieden genau dort euer Album aufzunehmen? Gibt es in eurer Gegend keine vernünftigen Studios? 

Davon mal ganz abgesehen, dass sich Kristian „Kohle“ Kohlmannslehner mittlerweile einen großen Namen erarbeitet hat und seine Produktionen in der Regel wuchtig und mängelfrei sind...

 

Michael: Anno 2013 haben wir am Eisenwahn Festival mit unseren Kollegen von Benighted gespielt, direkt nach unserem Set kam Julien (Sänger von Benighted) zu mir und fragte mich, ob ich auf ihrer Scheibe Carnivore Sublime einen Gastauftritt machen würde. Natürlich habe ich ja gesagt und stand eine knappe Woche später auf der Matte im Kohlekeller Studio um dort für den Song „June and the laconic Solstice“ noch ein paar Zeilen einzuträllern.

Ich konnte den Song vorher noch nicht anhören und habe somit eigentlich schön drauf los improvisiert. Dieser Aufnahmeprozess und die entspannte Atmosphäre war für mich so geil, dass ich unbedingt unser nächstes Album auch in so entspannter Atmosphäre aufnehmen wollte.

Wenn man dann noch die Ergebnisse hört, die den Kohlekeller verlassen, dann muss ich wohl nichts mehr dazu sagen.

 

© Gorka
© Gorka

Janko: Wie ist es mit Kristian zu arbeiten?

 

Michael: Genial! Er ist ein sehr kreativer Lebemann! Stets gut drauf und motivierend.

Stress ist im Odenwald ein Fremdwort! Das gleiche gilt auch für Kai, Kohle’s Sidekick im Kohlekeller. Wir haben Drums mit Kohle aufgenommen und sind dann rüber in den Small Room zu Kai gerutscht für die Aufnahmen von Gitarre, Bass und Vocals.

Mit den Beiden versteht man sich auf Anhieb und kann gleich in gutem Groove in die Arbeit eintauchen.

 

Janko: Mit Melchior Borg (ABYSMAL TORMENT), Wille Kurr (JEHACKTET) und Julien Truchan (BENIGHTED) habt ihr einige Gastgesangsperformances auf eurem neuen Album. Wie kamt ihr auf die Idee und haben die Jungs sofort zugesagt?

 

Michael: Die Ideen sind relativ spontan entstanden und wurden zum Glück auch von allen Gästen sofort gerne angenommen. Ich habe dann grobe Vorlagen an die Gäste geschickt und sie haben ihre Parts bei befreundeten Studios aufgenommen und diese zurück in den Kohlekeller geschickt. Kohle hat das Ganze dann so zusammengesetzt, dass es passt.

Geniale Ergebnisse!!!! Ich liebe die Gastauftritte von jedem Einzelnen, das sind sehr starke Stimmen und jeder kann seine Range bei uns auch mal ausspielen :-)

 

Janko: In meinem Review schrieb ich: „Das richtig geile und wie die Faust in deine zerplatzenden Augenhöhlen boxende Cover Artwork von Daemorph spiegelt diese kosmische Urgewalt wieder, die zur Formung von CARNAL DECAY und damit auch zur Entstehung von „You Owe You Pay“ beigetragen hat.“ Wer hatte die Idee zum Cover oder habt ihr Daemorph einfach machen lassen?

 

Michael: Wir haben ihn einfach mal machen lassen und das Ergebnis kann sich echt sehen lassen! Ich weiß gar nicht mehr, was die Vorgaben waren aber hauptsächlich wollten wir etwas aggressives mit Bewegung haben, das die Musik wiederspiegelt. Nagel auf den Kopf getroffen!

 

Janko: Wenn du meine Oma treffen würdest, wie würdest du ihr euren musikalischen Stil erklären und wie würdest du ihn ihr schmackhaft machen, damit sie mich auf eines eurer Konzerte begleitet?

 

Michael: Hahaha der war gut, meine Oma fragt mich immer „Wie tanzt man denn zu sowas?“. Die Antwort „Man schubst sich einfach gegenseitig rum“ ist dann für sie nicht ganz befriedigend. Jetzt stell dir mal vor du willst sie zu einem Beatdown Konzert ausführen „Ja Oma, die latschen sich da gegenseitig in die Fresse“ :-D Die Idee alleine ist schon zu geil, hahaha.

Um nun doch noch auf deine Frage zurück zu kommen würde ich deiner Oma aber sagen: „Stell dir mal deinen alten Plattenspieler vor und dann die guten alten Connie Francis Platten... Nun stellst den aus Versehen mal auf 78rpm... et voilà: Carnal Decay.... Stupid Cupid ;-) kommste mit Oma? Gibt auch noch ne Bratwurst und n Weizn und die Gesellschaft von deinem Enkel kostenfrei obendrauf, das allein muss doch schon ein Argument sein oder?!?

 

Janko: Obwohl die Musik, so wie sie ist gut ist, würde mich ein zweite(r) Gitarrist/in, der gerne messerscharfe und vor allem schön schräge Riffs (in höheren Tonlagen) spielen dürfte durchaus reizen. Habt ihr darüber schon mal nachgedacht oder kommt das für euch nicht in Frage?

 

Michael: Nachgedacht ja, wir hatten mal nen zweiten Gitarristen, der hatte aber keinen Bock mehr mit uns abzuhängen und ist dann ausgestiegen.

Ehrlich gesagt gefallen mir „At the Gates“ und „The Crown“ und alle gut gespielten Sachen auch aber die Kollegen lassen wir mal in Schweden. Unser Sound soll nicht melodiös, verspielt oder harmonisch sein, sondern einfach ballern, daher sparen wir uns den zusätzlichen Sprit, den der Van versäuft mit noch so ner Saufnase im Bus, hehe.

Außerdem ist unser Bassist schon etwas schwerer als normale Menschen, Belastungsgrenze der meisten Aufzüge ist leider schon erreicht :-D

 

Janko: Ich habe gelesen, ihr wart bislang in neunzehn verschiedenen Ländern unterwegs, darunter Mexiko, USA und Russland. Kriegst du die anderen auch noch zusammen und welche Eigenschaften würdest du jedem Land und seinen Metalfans zuschreiben?

 

Michael: Italien: Pasta, Pizza, gute Laune, Deutschland: Bratwurst, Weizen, geile Leute, Österreich: Palatschinken, Kellergigs, verstehe meist kein Wort. Frankreich: mais ouiiiiiiii, tres gentille!!!, Belgien: Pommes, Pommes, Mayo, Pommes, Pommes, keine Kinder an den Konzerten, wie kommts? Holland: hab ich vergessen, Schweden: Geil, auch das Bier!!! Israel: schon mal gewesen? TU ES!!! Genial!!!! Malta: puh war das heiiiiiiiiiissssss und die Stimmung noch heisser!!!! Ukraine: wenn was krank is dann das! Komplettverstrahlung mit Ukrainischem Vodka shiiiit und die Leute verkloppen sich da richtig, das ist nicht mehr so n Kindergarten wie bei Asking Alexandria :-). Schweiz: schade gibt’s das Mountains of Death Open Air nicht mehr aber wir haben Nachwuchs-Festivals und Organisatoren, die echt nah an der Marke kratzen! Russland: ich sag nix, ich sag nix, Väterchen Russland hat uns brutale Fans und geniale Aussichten geliefert aber auch Todesängste bei der Fahrt durch die Tundra oder wie auch immer die Schneewüste in der Ecke hieß. Mexico: Wer da nicht noch n paar Ferien und Feier-Tage ranhängt hats echt nicht verdient dort zu spielen. Unser Ex-Drummer hat sich dort sein neues zu Hause gebettet, dem hats so sehr gefallen. USA: Ich hab 4kg in 2,5 Wochen zugenommen, alles klar? Dänemark: geile Party!, England: mein Favorit, ich liebe das Essen, Land und Leute und der Englische Humor! YESSSSSS, Liechtenstein: Wie die Schweiz, nur noch kleiner aber auch mehr Party!!! Tschechei: Pils oder Lager? Slovakei: du denkst du kannst saufen? So ich glaub das waren sie alle :-) ach so ja, die Metalfans wolltest du ja noch wissen… :-) Nun, Faustregel: wo weniger Konzerte stattfinden, gehen die Metalfans mehr ab (meistens; Ausnahmen bestätigen die Regel).

 

Janko: Wie kam es eigentlich zu solch eloquenten Gelegenheiten in Russland und sogar in Übersee spielen zu können?

 

Michael: Wir sind einfach so nette Leute, das spricht sich rum, jeder möchte gerne mit uns Zeit verbringen. So werden wir überall hin eingeladen und nehmen die meisten Einladungen auch sehr gerne an, wenns Arbeit und Kasse zulassen.

 

Janko: Wie sieht es generell mit euren Tour und Festival-Plänen für die nähere und fernere Zukunft aus? Wann können wir Hessen mit einem CARNAL DECAY Überfall rechnen?

 

Michael: Hessen? Hmmmm, das ist ne gute Frage, wir haben bis dato für 2017 in Deutschland eigentlich nur das Ranger-Rock Festival bestätigt, 26. und 27. Mai in Brand, nicht ganz Hessen aber Bayern und das Deathfeast in Andernach (Rheinland-Pfalz) is doch gleich um die Ecke, oder?

Ansonsten:

Las Vegas Deathfest (USA), Belusa Festival (Slovakei), Deserted Valley Metalday (Geschinen, Schweiz), und diverse Clubshows in der Schweiz. Plus ist da noch eine EU-Tour in Entstehung aber psssst das ist noch geheimmmmmm.

Wir hätten also ab und an noch Zeit weitere Konzerte zu spielen wenn wer was buchen will ;-)

 

Janko: Was haben wir sonst noch von CARNAL DECAY zu erwarten?

 

Michael: Neues Merchandise, neue Scheibe in physikalischer Form, Poster, Kleber und weiß der Deibl was noch alles. News gibt’s immer auf einem unserer „Portale“ in dieser Welt...

 

Janko: Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt, meine Fragen zu beantworten!!! Ich wünsche euch weiterhin viel Erfolg, harte Mucke, viele Konzerte, noch eloquentere Venues/Festivals zum Auftreten und vielleicht sieht man sich ja mal auf einem eurer Konzerte!!!

 

Michael: Wir haben zu danken für das Interesse an unserer Band!!! Ich hoffe drauf, dass wir uns mal persönlich anprosten können!!!

Vielen Dank!

 

www.facebook.com/carnaldecayband

 

CARNAL DECAY in der aktuellen Besetzung:

Michael Kern – Vocals

Isabelle Iten – Guitar

Nasar Skripitskij – Bass

Markus Röthlisberger – Drums

 

Hier geht's zum "You Owe You Pay" Review:


Lyric Video zu „No Sequel“ 2016 (tsuntsun Productions):

 

Live Video zu „I Crush Your Dreams“ 2016 Mehsuff Metal Festival (by Lumbago Productions):

Live Video Berlin Deathfest 2013 „Shotgun Facelift“: