DEATH - Scream Bloody Gore (2-CD Reissue)

(Relapse Records)

 

Zurück zur Geburtsstunde des Death Metal!!! Nachdem bereits jegliche Folgealben wiederveröffentlicht wurden, hat sich Relapse Records zu guter Letzt auch noch die „Scream Bloody Gore”, das Debüt der Death Metal Götter DEATH aus dem Jahre 1987 vorgenommen und veröffentlicht dieses nun ebenfalls als Reissue in den verschiedensten Formaten und Ausführungen. Erscheinen wird das Ganze nämlich als LP, 2-CD, 2-LP Boxset, Deluxe 3-CD, als Kassette (!!!) und als digitaler Download. Die Ankündigung dieses „letzten Kapitels“ hat im Vorfeld derart Wellen geschlagen, dass bereits während der Pre-Order Phase u.a. das Deluxe 2-LP Boxset und die Musikkassette (!!!) ausverkauft waren. Zur Besprechung liegen mir hier die Downloaddateien der 2-CD Version vor. CD 1 beinhaltet das komplette "Scream Bloody Gore" Album, inklusive der beiden CD-Bonustracks "Beyond The Unholy Grave" und "Land Of No Return“, in einer, von Alan Douches (Death, Mastodon, Nile) remasterten, recht basslastigen Version, der man seine originäre Verrohung und Wildheit immer noch deutlich anhört. Zum Remastern griff Douches auf die Bänder der Originalaufnahmen zurück. Das weckt natürlich alte Gefühle und wirkt wie eine XXL Packung Viagra auf das zentrale Nervensystem des gemeinen Death Metal Fans. Der Kopf beginnt zu wippen, das Blut gerät in Wallungen, die Muskeln der Arme zucken, spannen sich an, die Beine wollen oder können den Körper nur mehr in eine aufrechte, halbwegs gerade Position bringen und dann wird nur noch geheadbangt. Dass das Ausnahmetalent Charles Michael „Chuck“ Schuldiner, der im Jahre 2001 im Alter von gerade mal 34 Jahren an einem Hirntumor starb, den Grundstein für ein ganzes Genre legen sollte, das sich bis heute problemlos durchgesetzt hat und etlichen etablierten Bands, wie auch unzähligen Newcomern als Vorbild und Quell der Inspiration galt, konnte man Ende der 80er Jahre noch nicht wirklich erahnen. Schnell, effektiv und schnörkellos brachten es DEATH auf den Punkt, denn sie spielten so ziemlich als erste Band diese harten, sägenden Riffs, spielten mit abrupten Geschwindigkeitswechseln und grunteten und kotzten sich dabei die Seele aus dem Leib. Die Einleitungen, wie auch die Zwischenparts begannen, gerade im Florida Death Metal, oftmals düsterer und schwerfälliger als beim Thrash Metal. Mit tiefer gestimmten Bass- und Gitarrenäxten, ließ man den Song immer wieder kommen, um dann das Tempo über Blastbeatattacken und pfeilschnelle Gitarrenangriffe, häufig auch von harten, verzerrten, undurchdringlichen und disharmonischen Gitarrenwänden getragen, mächtig anzuheben. Dazu gesellten sich die gutturalen, dunklen Growls, Grunts - und wie im Falle von DEATH auch die hellen Screams - die sich in den anderen Genres nahezu verboten. Nihilistische, antikirchliche, pessimistische, misanthropische, antipolitische, zumeist morbide oder gar satanische Texte kamen häufig zum Einsatz. Aber auch philosophische, ideologische oder gar spirituelle Lyrics fanden Verwendung. Der Bass wurde ebenso heruntergetunt, mal clean oder um mehr Volumen zu erhalten häufig auch verzerrt eingesetzt. Dazu gesellte sich neben martialischen, progressiven Melodien auch ein etwas anderer Drumsound, der ganz anders mit den Tempi, Breaks und Rhythmen umging. Viel Doublebass, häufige Blastbeatattacken, oft wurden auch die Ride-Becken, High-Hats oder die Snares als kurzfristige „Taktgeber“ eingesetzt. DEATH sind schon immer mit einer nie wieder erreichten Präzision innerhalb der Songs vorgegangen. Der charismatische Sänger Chuck überschlug sich ab und an absichtlich bei seinen Vokills und kotzte dem geneigten Hörer gehörig vor die Füße. Man höre nur das brachiale, Powerbündel „Zombie Ritual“, den immer wieder ins Midtempo abdriftenden vierten, Track „Sacrificial“ das geniale, facettenreiche und düster böse „Baptized In Blood“, das schwer aufdrehende „Torn To Pieces“ oder den genialen Titelsong „Scream Bloody Gore“. Diese schwermütige Manier, dieser Biss, diese faszinierende Präzision mit einfachen, aber effektiven Mitteln nach vorne zu preschen. Das waren ganz neue Töne, die da aus Florida zu uns rüberschwappten. Death Metal in seiner ursprünglichsten Form. Überhaupt wird der Florida Death Metal als Geburtswiege dieses Genres bezeichnet. Ich war damals gleich hin und weg. Genau auf diesen Sound hatte ich gewartet. Das war cool. Alle rannten weg, wenn ich DEATH aufdrehte. Welch eine enorme Power sich doch über Musik ausdrücken ließ und welcher Frust sich entlud. Meine Mutter kam einmal in mein Zimmer und sagte zu mir: „Wer solche Musik hört, der frisst auch kleine Kinder!“ Über mehr als einen Kinderteller bin ich allerdings nie hinausgekommen. Aber zurück zum Album: Alleine schon das Cover von Ed Repka übte eine magische Anziehungskraft auf mich aus. Der einäugige Tod und seine Wein trinkenden Jünger. Ich musste wissen, was sich musikalisch dahinter verbarg. Beim Anspielen im Plattenparadies in Dieburg war ich einfach nur begeistert. Ich musste dieses Album haben. Das „Scream Bloody Gore“-Cover zierte dann auch später das Backpatch meiner damals "unverzichtbaren" Kutte. Chuck, Sohn jüdischer Einwanderer aus Österreich, prägte den Death Metal aus dem später etliche Subgenres entstanden entscheidend mit. Im Juli 1986 begannen die Aufnahmen zum Debüt in einem Studio in Florida. Da es während den Aufnahmen zu technischen Problemen kam, zog man kurzerhand nach Hollywood, in die, von Randy Burns geführten Music Grinder Studios um. Heraus kam ein bis dato weitreichendes Intermezzo an genialen Tracks, mitverantwortlich für ein immer wieder aufblühendes und nicht totzukriegendes Genre!

Der zweite Silberling beinhaltet unbearbeitete und bislang unveröffentlichte Takes der original „Scream Bloody Gore“ Florida recording sessions. Hierbei handelt es sich um sieben vergleichsweise dumpfe und etwas knarzige Originalaufnahmen der Instrumentalsektion. Daneben befinden sich noch zehn qualitativ recht grenzwertige Aufnahmen aus den Proberäumen vom 20.08.1986. Die typischen, schlecht aufgenommenen Proberaumaufnahmen oder um es nice auszudrücken, die Aufnahmen, welche diesen typischen Proberaum Charme versprühen, sind vielleicht für den Hardcore DEATH Fan ein Muss, für alle anderen sicherlich verzichtbares Material. Hier darf freilich jeder für sich selbst votieren. Die Ansagen, Zwischenrufe oder auch die, immer mal wieder etwas andere Auslegung der einzelnen Tracks ist durchaus interessant, die angesprochene, leider doch sehr zu Wünschen übrig lassende Qualität, macht das Ganze wieder ein wenig zunichte. Death Metal Fans der ersten Stunde werden, wenn sie denn nicht ohnehin im Besitz des Originals sind, ohne zugreifen zu müssen wohl kaum an diesem Output vorbeischlüpfen können. Dieser letzte Step ist nun der krönende Abschluss einer Reihe und zugleich ein schönes Andenken, an einen Mitbegründer, wenn nicht den Begründer des namensgebenden DEATH Metal. Chuck wäre am 13.05. dieses Jahres 49 Jahre alt geworden. R.I.P.!!!

 

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Meine Wertung (nur CD 1): 92/100