Streetdate: 25.08.2017 / Nuclear Blast
Streetdate: 25.08.2017 / Nuclear Blast

DIE APOKALYPTISCHEN REITER - Der Rote Reiter

(Nuclear Blast)

 

Ganze 22 Jahre ist es her, da stiegen vier apokalyptische Reiter Namens Volkmar, Pest, Eumel und Skeletton vom Himmel, um die Menschheit mit ihren Geißeln heimzusuchen. „Der Rote Reiter“ ist in der Offenbarung des Johannes der zweite Reiter der Apokalypse, der mit einem Schwert bewaffnet auf seinem blutroten Pferd vom Himmel steigt, um der Erde den Frieden zu nehmen, auf dass sich die Menschen gegenseitig abschlachten. Da haben die ostdeutschen Heavy/Death/Folk/Crossover Metaller DIE APOKALYPTISCHEN REITER, mit ihrem zehnten Feuereisen in gewisser Weise ins Schwarze getroffen und ein brandheißes Zeichen der Zeit erwählt.

 

Der galoppierende Melodic Folk Piratengroove des Eröffnungsstücks „Wir sind zurück“ ist ganz klar auf den Mainstream ausgerichtet und leider noch nicht viel mehr als Fastfood für die breite Masse. Anstatt aus sich herauszugehen klingen Fuchs’ Vocals im Opener noch arg gepresst und unterdrückt, was ich als echt fieses Manko empfinde. Zum Glück setzt bereits im Folge- und Titeltrack „Der rote Reiter“ sein gutturaler Gesang ein und das Album erlangt allmählich den nötigen Tiefgang. Lediglich in der Bridge wechselt der APO Fronter zum Klargesang. Im Prinzip ein thrashiger Viking Death Metal Track mit Gothic Elementen, der mich von der Machart her ein wenig an AMON AMARTH erinnert und somit den ersten Höhepunkt des Albums darstellt. Das darauffolgende „Auf und nieder“ ist eine zugängliche, folkige Nummer, die gegenüber dem ersten Track nicht minder massenkompatibel rüberkommt, jedoch von Anfang an ins Ohr geht und einen Refrain mit empathischen, lustigen Texten, sowie einen enormem Mitgröhlfaktor für die Bühne bereithält. „Folgt uns“ hingegen ist eine sehr thrashlastige Folk Mixtur, die ebenfalls astrein arrangiert wurde.

Photo Credit: Nicole Volz
Photo Credit: Nicole Volz

Man merkt den Songs die weit über zwei Dekaden reichende Erfahrung nur allzu deutlich an, was sich auch auf den anschließenden sehr abwechslungsreichen und weiteren ultimativen Höhepunkt „Hört mich an“ überträgt. Eine starke Nummer, die sich irgendwo in der Schnittmenge zwischen Death, Alternative, Industrial, NDH, Gothic und Metalcore bewegt. Auch diese Nummer wird live der Knaller und für so einige schwingende Mähnen sorgen! 

 

Mit ihren überwiegend deutschsprachige Texten hat die, mittlerweile zum Quintett avancierte Weimarer Reitermania wieder einmal einen starken melodiösen Crossover am Start. Engstirnigkeit ist hier fehl am Platz und wird sich kaum mit „Der Rote Reiter“ in Einklang bringen lassen oder im selben Wortlaut als Kausalzusammenhang gereichen. DIE APO REITER lieben die Kunst, die Freiheit und die Musik, aber über allem die künstlerische Freiheit innerhalb ihrer Musik. Bei dem deftigen Thrash Geballer „The Great Experience of Ecstasy“ frönen DIE REITER ihrem Faible für das andersirdische und nehmen sich neben dem Indischen auch erstmals der Englischen Sprache als Stilmittel ihres interessanten und wohldurchdachten, teils richtig schön schrägen Stilmixes an. Die Band hat sich über die Jahre immens weiterentwickelt und so ziemlich jeden Stil mitgenommen, der sich ihnen auf ihrem Weg angeboten hat. Bei dem schwermetallischen Fünfer-Bund musste und muss man einfach mit allem rechnen. Über allen Dingen aber mit ihrer Unvorhersehbarkeit. 

Photo Credit: Christian Thiele
Photo Credit: Christian Thiele

Das Trinklied „Franz Weiss“ schreit zwar förmlich „hoch die Tassen“, ist mir allerdings zu gewöhnlich und austauschbar. „Die Freiheit ist eine Pflicht“ schlägt jedoch wieder heftig in die Kerbe Thrash, mit einer leicht verdaulichen Folk Metal Garnitur und einem starken, leider viel zu kurzem Solo. Der neunte Song „Herz in Flammen“ erhält durch die starke Gitarrenarbeit einen leicht orientalischen Anstrich und ist an Catchyness kaum noch zu übertreffen.

 

Das letzte Drittel eröffnet die Hymne „Brüder auf Leben und Tod“. Eine weitere Piraten Nummer, die sich für die Playlist beim Liveset nahezu aufdrängt. „Ich bin weg“ begibt sich auf punkig, deutschrockige Gefilde, ist mir aber etwas zu unscheinbar. „Ich nehm dir deine Welt“ mit gesprochener Einleitung und Zwischenpart, hat eine leicht spooky wirkende Keyboardséance und ist eine ziemlich coole Gothic Metal Nummer geworden. Den Abschluss bereitet die rockige und einfühlsame Liebesode „Ich werd bleiben“, das ruhigste der 13 Stücke und der perfekte Abschluss eines rundum gelungenen Albums, dem Eike Freese (DARK AGE) und Alexander Dietz (HEAVEN SHALL BURN) in den Chameleon Recording Studios, sowie den Chemical Burn Studios Leben einhauchten. In der limited Edition erhält die potentielle Käuferschar die 150 Minuten rotierende Blu-ray „Das letzte Abendmahl” dazu, die mir zur Besprechung leider nicht vorliegt. Ansonsten ist „Der Rote Reiter“ mit seinen 54:21 Minuten Rotationszeit das umfangreichste Album in der über zwei Dekaden andauernden Historie der Reitermania. So darf die Apokalypse gerne weiterreiten. Glück auf!

Photo Credit: Christian Thiele
Photo Credit: Christian Thiele

www.reitermania.de

www.facebook.com/reitermania

 

Meine Wertung: 86/100

 

DIE APOKALYPTISCHEN REITER in der aktuellen Besetzung:

Fuchs – Vocals

Ady – Guitars

Volk-Man – Bass

Dr.Pest – Keyboards

Sir G. – Drums, Percussion

 

Tracklist:

01. Wir sind zurück (03:57)  

02. Der rote Reiter (04:50)    

03. Auf und nieder (02:55)      

04. Folgt uns (03:56)   

05. Hört mich an (04:33)       

06. The Great Experience of Ecstasy (03:37)    

07. Franz Weiss (03:30)        

08. Die Freiheit ist eine Pflicht (03:27)     

09. Herz in Flammen (04:54) 

10. Brüder auf Leben und Tod (03:56)     

11. Ich bin weg (03:50)

12. Ich nehm dir deine Welt (06:07)

13. Ich werd bleiben (04:49)

 

TT: 54:21 Minuten

 

Anspieltipps: Hört mich an, Der rote Reiter, Auf und nieder, The Great Experience of Ecstasy, Ich nehm dir deine Welt, Ich werd bleiben

 

Die aktuellen DIE APOKALYPTISCHEN REITER Tourdates findet ihr hier: Klick!

 

Das sagen DIE APO REITER zu ihren neuen Videos:

 

"Auf Und Nieder" unzensierte Version: 

"Angesicht der täglich zur Schau gestellten Gewalt in sozialen Medien ist die Hysterie angesichts von nackter Haut für uns nicht nachvollziehbar. Wie man sehen kann, hatten wir großen Spaß beim Dreh und hoffen, dass der positive Drive des Songs auch für unsere Fans elektrisierend sein wird. Wie heißt es so schön im Refrain: 'Auf und nieder, immer wieder, das Leben ist Musik, es braucht neue Lieder'. Wir wünschen Ohren und Augen viel Spaß mit diesem Song!"

 

"Der Rote Reiter":

"DER ROTE REITER treibt die Leiber allesamt zum Meer. Dort wartet der Tod auf Euch, es gibt keine Wiederkehr. Er trennt vom Knochen all das Fleisch, was übrigbleibt und schenkt der Welt ein blutrotes Kleid."

 

"Wir Sind Zurück":

"Nach ausgedehnten Reisen durch Thailand, Kambodscha und Japan trafen wir uns im Sommer 2016 das erste Mal wieder. Nach einer ausgelassenen Party standen wir irgendwann mitten in der Nacht im Proberaum, um gemeinsam zu jammen. Es war pure Magie. "Wir sind zurück" entstand in dieser unglaublichen Session und von dem Tage an war uns klar, dass es ein neues Album geben würde. Der Song hat alles, was einen echten Reiter-Song ausmacht: Spielfreude, Leidenschaft und Tempo. Er ist der erste Song, den wir für DER ROTE REITER geschrieben haben und es konnte keinen anderen Opener als ihn geben. Wir lieben diesen Song, er bedeutet uns sehr viel."

 

"Die Freiheit Ist Eine Pflicht":

„Es hat eine schöne Tradition, dass wir mit unseren Familien und Freunden stets einige Wochen vor dem offiziellen Albumrelease eine kleine Feier zelebrieren, wobei wir das neue Album präsentieren und einfach eine gute Zeit haben. Dieses Mal hatten wir für unsere Gäste eine ganz besondere Überraschung vorbereit: sie sollten mit uns gemeinsam Hauptdarsteller im neuen Video 'Die Freiheit Ist Eine Pflicht' werden.

 

Im Proberaum in Weimar hatten wir ein kleines Filmset aufgebaut. Nachdem bei unseren Freunden der erste "Schock" über unseren Plan verdaut war, wurden fleißig Texte gelernt und dann ging es auch schon los. Es entwickelte sich eine unglaubliche Eigendynamik - Videodreh und Feier gingen Hand in Hand. Nach 'Wir Reiten' (2011) ist es nun schon das zweite Video, das wir komplett in Eigenregie (Kamera, Schnitt) aufgenommen haben. Wir möchten uns nochmal sehr bei allen bedanken, die vor und hinter der Kamera dazu beigetragen haben, diese Idee umzusetzen.“

 

"Auf Und Nieder" unzensierte Version:

 

"Der Rote Reiter":

 

"Wir Sind Zurück":

 

"Die Freiheit Ist Eine Pflicht":