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Streetdate: 06.12.2019 / Einheit Produktionen / Winter Solitude / Kernkraftritter Records
Streetdate: 06.12.2019 / Einheit Produktionen / Winter Solitude / Kernkraftritter Records

EDEN WEINT IM GRAB - Tragikomödien aus dem Mordarchiv

(Einheit Produktionen / Winter Solitude / Kernkraftritter Records)

 

Das sechsköpfige Moritatenensemble EDEN WEINT IM GRAB (kurz: EWIG), welches seit dem Jahre 2014 aus einer Frau und fünf Männern besteht, entschloss sich bereits 2004 Musik zu Ehren des Todes und der jenseitigen Welt zu kreieren. Damals von Bandkopf Alexander Paul Blake noch als Ein-Mann-Projekt geführt, entwickelte EWIG alsbald seine eigene Dynamik, welche im Jahre des Herrn 2011 im Zusammenschluss zu einer vollwertigen Band mündete. Gegenüber dem Vorgängeralbum "Na(c)htodreise" haben die Berliner Dark Metaller auf ihrem neuen Longplayer "Tragikomödien aus dem Mordarchiv" in Sachen Härte noch mal eine ordentliche Schippe nachgelegt. Das mag eventuell an Luke Ace, dem neuen und versierten Mann hinter der Schießbude liegen. Selbiger bedient das Drumkit meisterlich und deckt dabei sämtliche Geschwindigkeitsbereiche ab.

 

Mit ihrer achten Ode an den Schnitter sind EDEN WEINT IM GRAB also noch metallhaltiger geworden. Finstere, düstere Klänge werden begleitet von schwerem, der jeweiligen Situation angepasstem Riffing. So ergießen sich geheimnisumwobene, basslastige, ja fast schon geisterhaft geflüsterte Passagen in bombastischen Horror Metal. EWIG mischen auf ihre wundersam unkonventionelle Art metallische Klänge mit Moritaten, wobei hier der unabdingbare Leierkasten, melancholische Violinen, atmosphärische Keyboardsoundlayer, Zitter, Bratsche, Cello und Piano natürlich nicht fehlen dürfen. Mit seinem jenseitig-dramaturgischen, leidenschaftlich-melancholischen Klargesang erzählt Alexander Paul Blake in elf atmosphärisch dichten und eingängigen "Tragikomödien aus dem Mordarchiv" mysteriöse, teils erfundene, teils historisch belegte Geschichten, Erzählungen, Mythen, Märchen und Sagen von Lieben, Leiden, Mord und Totschlag. Auf seinem 45:53 Minuten zirkulierenden Konzeptalbum nimmt das Sextett aus der Bundeshauptstadt den Tod auch gerne mal auf die Schippe, so finden sich in den extravaganten Nachrichten aus der Anderswelt auch gerne mal sarkastische Metaphern wieder. 

Photo Credit: Amber Laguz
Photo Credit: Amber Laguz

Die sinfonischen, poetischen Gothic Sequenzen aus dem Totenreich sind gespickt mit plakativen Refrains, die, wie bereits erwähnt, auch einen spöttischen Umgang mit dem Sensenmann nicht scheuen. Dabei ist der doch so passende, ab und an eingesetzte Kreischgesang leider fast gänzlich aus dem Repertoire der Totenmusiker verschwunden. Die schwermetallische Kammermusik des Schreckens ist daher vielleicht am ehesten mit einem Hybriden aus EWIGHEIM und DAS ICH vergleichbar. Ich muss aber auch anmerken, dass die "Tragikomödien aus dem Mordarchiv" zur Mitte hin ein wenig an Klasse, Glanz und Gloria verlieren, denn leider haben EDEN WEINT IM GRAB mit "Der Mörder im Mond", "Michel mit dem Messer" (mit seinem, in meinen Ohren etwas nervigen Refrain), sowie "Soundtrack für den Massenmord" drei direkt aufeinanderfolgende, etwas weniger inspiriert wirkende Songs mit an Bord. Von daher muss ich schon zugeben, dass mir der Vorgänger "Na(c)htodreise" durchaus ein Stück weit besser reinlief. Aber das ist wie immer Jammern auf hohem Niveau, denn ansonsten kann die Prosa und Dichtkunst der druckvollen Jahrmarktmusik, mit ihrem cineastischen Theater- oder Kammerspielcharakter, durchaus als hochinteressantes Alleinstellungsmerkmal in der deutschen Musiklandschaft angesehen werden. Sie greift das Grauen und die düstere Romantik des 18., wie auch des 19. Jahrhunderts auf und entwirft hieraus eine authentisch-verruchte, melodramatische Momentaufnahme der damaligen Zeit, in modernem Anstrich und bedrohlicher Atmosphäre.

EDEN WEINT IM GRAB - Tour mit WISBORG
EDEN WEINT IM GRAB - Tour mit WISBORG

Der einzig und allein mit deutschen Texten versehene Dark/Horror Metal wildert ausschließlich im Herrschaftsgebiet von Schlafes Bruder. Jeder einzelne Song behandelt einen bestimmten Mordfall, den Mörder an sich und dessen Vorgehen, der von Song- und Textschreiber Alexander Paul Blake gesanglich individuell interpretiert wird. "Tragikomödien aus dem Mordarchiv" ist ein zeitgemäßes Mordalbum geworden, dass unter anderem  Edgar Allan Poe's "Rue Morgue", Sherlock Holmes, Jack The Ripper oder die Fälle von Giftmörder Dr. William Palmer (1824-1856) und Mädchenmörder Martin Dumollarde (auch der Werwolf von der Bresse genannt; 1810-1862) musikalisch aufarbeitet. Produziert, gemischt und gemastert wurde das wuchtige und soundtechnisch ausgewogene „Tragikomödien aus dem Mordarchiv“ einmal mehr von Sänger und Instrumental-Virtuose Alexander Paul Blake himself in dem von ihm geführten Berliner Winter Solitude Studio. Auch das finster-kalte Artwork stammt vom Sänger der Band höchstselbst und besteht aus überwiegend in London entstandenen Schwarz-Weiß-Fotografien. "Tragikomödien aus dem Mordarchiv" ist ein augenzwinkerndes, makaberes Album geworden, das vielleicht nicht in jeglicher Hinsicht sofort zündet, dafür aber umso gehaltvoller nachwirkt!

www.edenweintimgrab.de

www.facebook.com/edenweintimgrab

 

Meine Wertung: 83/100

 

EDEN WEINT IM GRAB in der "Tragikomödien aus dem Mordarchiv" Besetzung:

Alexander Paul Blake – Gesang, Bass, Gitarre, Keyboard, Piano

Dr. Eckstein – Lead-Gitarre

Ivar Rabenfeder – Rhythmus-Gitarre

Luke Ace – Schlagzeug

Meyster M. Melicus – Cello

Kalila Karussell – Violine, Bratsche

 

Tracklist:

01. Der Meysterdetektiv (04:18)

02. Lazarus und die Tücken der Einsamkeit (04:03)

03. Der Giftmischer (in der Kammer des Grauens) (03:43)

04. Himmelsstürmer (04:40)

05. Der Mörder im Mond (02:55)

06. Michel mit dem Messer (04:16)

07. Soundtrack für den Massenmord (05:13)

08. Menschenfeuer (03:40)

09. Das Phantom von Whitechapel (03:48)

10. Letztes Morgenrot (04:58)

11. Annabel (03:53)

 

TT: 45:53 Minuten

 

Anspieltipps: Der Meysterdetektiv; Der Giftmischer (in der Kammer des Grauens); Himmelsstürmer; Lazarus und die Tücken der Einsamkeit; Menschenfeuer

 

Der Giftmischer (In der Kammer des Grauens):

 

Letztes Morgenrot: