Streetdate: 08.06.2018 / Massacre Records
Streetdate: 08.06.2018 / Massacre Records

EISREGEN - Satan Liebt Dich (Mini-Album)

(Massacre Records)

 

Ich habe die Hoffnung ja immer noch nicht aufgegeben, dass sich EISREGEN noch mal fangen werden und sich einigermaßen ihrer Ursprünge besinnen. Aber ist ihnen das mit „Satan Liebt Dich“, dem 7-Track Mini-Album und Vorläufer des, am 26.10.2018 erscheinenden „Fegefeuer“ nun auch wirklich gelungen? Ich würde sagen unbedingt! Eine Ankündigung dahin gab es zwar nicht und auch EISREGEN laufen selbstredend unter künstlerischer Freiheit, die sie stets vollends ausgekostet haben, dennoch bin ich ob der jüngsten Entwicklung im Fleischhaus positiv überrascht. Denn was sich die Thüringer mit dem Vorgängeralbum „Fleischfilm“ (was als Hommage an das wilde, italienische Kino der 1970er und frühen 1980er Jahre gedacht war) leisteten, war für EISREGEN Verhältnisse schon unter aller Kanone. Die Arrangements waren schwer verdaulich, die Ernsthaftigkeit stand oftmals auf der Kippe, sogar einen gewissen Hang zum Kitsch ließ sich kaum von der Hand weisen. Da geht „Satan Liebt Dich“ ganz andere Wege. Es ist ein richtig schön aggressives, durchdringendes und beeindruckendes Mini-Album geworden.

 

Im 23. Jahr seiner Bandgeschichte angekommen, hat sich der schwarze Tod aus Tambach-Dietharz viel vorgenommen, denn das 7-Track Mini-Album „Satan Liebt Dich“ ist erst der Einheizer zum sehnlichst erwarteten 13. EISREGEN Schlachtwerk „Fegefeuer“. Der enorm abwechslungsreiche Gothic/Black/Elektro/Death des Thüringer Quartetts geht anno 2018 wieder vermehrt auf Jagd in sämtlichen Facetten der Bandgeschichte. Man pflegt nach wie vor eine unorthodoxe, experimentelle Einstellung, die nicht nur die instrumentale Seite des Liedguts angeht. Denn auch textlich, wie gesanglich treibt man es mal wieder auf die Spitze. Das meine ich im Falle der 7-Track EP aber eher positiv als negativ, da ich mit Michael „Blutkehle“ Roths‘ ungelenkem Klargesang in der Vergangenheit so meine Schwierigkeiten hatte. 

Photo Credit: Sebastian Spelda
Photo Credit: Sebastian Spelda

Es geht jedenfalls wieder in die richtige Richtung, denn bereits mit dem Opener „Fahlmondmörder“ legt man sich mächtig in die Ketten und kratzt neben der furiosen Geschwindigkeit eine richtig schön düstere und kraftvolle Atmosphäre aus den Instrumenten. Das Gepresste im Gesang ist hierbei völlig verschwunden, was ich äußerst wohlwollend zur Kenntnis genommen habe. Blutkehles‘ knarzige Black Vocals machen ihrem Namen alle Ehre und sind so richtig schön authentisch abgefuckt. Der intensive und kompromisslose Track hätte sich perfekt in die „Krebskolonie“ oder „Leichenlager“ Szenerie eingefügt. Die schwarzmelancholische Ballade „Satan liebt dich“, die auch als Titel für die EP herhalten musste, geht wiederum andere, nämlich eher elektronisch unterstützte Wege und kann mit Michaels‘ verschwörerisch debilem Klargesang/Geflüster auf ganzer Linie überzeugen. Auch die Refrains sind klasse gewählt, keinesfalls auf Charterfolge abgestimmt (diese werden sich ohnehin einstellen...das ist so sicher, wie das Hail in der Kirche Satans!), aber dennoch äußerst eingängig. 

 

Die nächsten beiden Tracks „Onkel Fritze“ und „Menschenmetzger Fritz (Transilvanian Beef Club)“ erzählen ihre Geschichte vom Serienmörder Fritz Haarmann (1879-1925) auf ganz eigentümliche Weise. Zum einen in der Version von Blutkehle, zum anderen in der Interpretation von Yantit. Rein instrumental gesehen, handelt es sich um den gleichen Track, jedoch haben sich die beiden EISREGEN Masterminds jeweils freie Wahl bei der Gestaltung des Textes, sowie der Gesangsperformance gelassen. Ein gelungenes Experiment, das aus einem Song zwei völlig unterschiedliche macht. Das Ganze ist so herrlich bekloppt und keinesfalls ernst zu nehmen, dass man es einfach geil finden muss! Zugegebener Maßen hat es ein wenig gedauert, bis ich mit diesen beiden Tracks warm wurde, aber irgendwie strahlen sie einen gewissen zynischen Charme aus und sind absolut nicht „drüber“. 

Mit der Coverversion des PUNGENT STENCH Klassikers „For God Your Soul“, hat die ostdeutsche Black/Dark/Death’n‘Gothic Formation auch wieder einen englisch-sprachigen Titel verwurstet und diesem ihren ganz persönlichen Stempel aufdrückt. Krank, schräg und bestialisch hat man den thrashigen Death Metal Song in seiner morbiden, diabolischen Grundausrichtung nunmehr im Abyss der krankhaften Besessenheit potenziert. Im Gegenzug dazu hat sich Martin Schirenc (ex-PUNGENT STENCH) an EISREGENs‘ „Mein Eichensarg“ vergangen, um seine eigene Perversion davon zu erzählen. Bis zur Unkenntlichkeit zerbrüllt, zerschranzt, zerkrischen und zerfetzt, ist das Original kaum wiederzuerkennen. Auf seine abgefuckte Old School Art klingt das Cover ein wenig wie eine uralte Böhse Onkelz Aufnahme, nur dass Martin Schirenc hier auf versoffenem österreichischen Dialekt singt, was ebenfalls ziemlich dreckig und psychopatisch rüberkommt. Martin hat aus „Mein Eichensarg“ eine schnelle, abgedrehte, groovy Nummer gemacht, die ordentlich knallt. Respekt! Als Rausschmeißer fungiert letztlich das Medley „13 russische Krebsschweine“, das mit „13“, „Meine tote russische Freundin“, „Krebskolonie“ und „Futter für die Schweine“ einen Ausschnitt der beiden Alben „Krebskolonie“, sowie „Farbenfinsternis“ reprografiert und dabei musikalisch, wie auch textlich passgenau zusammengeklebt wurde.

 

Satan liebt dich: 

 

Menschenmetzger Fritz (Transilvanian Beef Club):


Was man dem Tambacher Wechselbalg definitiv nicht nachsagen kann ist, dass er jemals auf der Stelle getreten wäre, denn nach zwölf Komplettalben und sechs EPs markiert das 28:42 Minuten wirbelnde 7-Track Mini-Album „Satan Liebt Dich“ den insgesamt neunzehnten offiziellen Release (Singleauskopplungen mal außen vor gelassen) der permanenten Metamorphose EISREGEN. Das nächste Album „Fegefeuer“ steht bereits in den Startlöchern (VÖ: 26.10.2018) und wird den weiteren Weg der Thüringer weisen. „Satan Liebt Dich“ wurde von Bassist Markus Stock (THE VISION BLEAK, EWIGHEIM, HELRUNA, EMPYRIUM) in der Klangschmiede Studio E in Mellrichstadt abgemischt und gemastert. Die Produktion hingegen übernahm Allrounder Yantit in den HcN-Studios zu Tambach-Dietharz. Durch die starke 7-Track EP „Satan liebt dich“, deren Stil sich hoffentlich auf dem „Fegefeuer“ Album fortführen möge, haben EISREGEN wieder eine Menge verlorenen Boden gut gemacht. Alles in allem ein Album, das verdammt viel Spaß macht. Hier haben die dunklen Herren der überfrierenden Nässe mal wieder alles richtig gemacht.

 

https://www.facebook.com/eisregen.official

 

Meine Wertung: 91/100

 

EISREGEN in der aktuellen Besetzung:

Michael “Blutkehle“ Roth – Vocals

Ronny „Yantit” Fimmel – Gitarren, Drums, Programming

Markus Stock – Bass

Frau N. Feind – Violine

 

Tracklist:

01. Fahlmondmörder

02. Satan liebt dich

03. Onkel Fritze

04. Menschenmetzger Fritz (Transilvanian Beef Club)

05. For God Your Soul

06. Mein Eichensarg (Schirenc plays Eisregen)

07. 13 russische Krebsschweine

 

TT: 28:42 Minuten

 

Anspieltipps: Fahlmondmörder; Satan liebt dich; Menschenmetzger Fritz (Transilvanian Beef Club); For God Your Soul; 13 russische Krebsschweine

 

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