FLESHGOD APOCALYPSE - King

(Nuclear Blast)

 

Knapp eine Stunde modernen, schnellen, extremen, technisch einwandfreien, orchestralen Death Metal, der äußerst bedrohlich, mächtig, pompös, dramatisch und mitreißend aus den Boxen föhnt, gilt es auf dem vierten full-length Album der fünf Mannen aus dem Stiefelland zu vernehmen. Die Fülle an Sounds schafft eine irrsinnige atmosphärische Dichte, für die die Italiener nicht erst seit zwei Tagen bekannt sind. Seit 2007 am Start, haben FLESHGOD APOCALYPSE stets innovative, experimentelle Schritte unternommen, eine wahnsinnige Weiterentwicklung durchgemacht und sind damit stets absolut up-to-date oder gar ihrer Zeit voraus gewesen. Das neue, wie auch der Vorgänger "Labyrinth" als Konzeptalbum aufgemachte, düster dystopische Meisterwerk „King“, macht hier keinerlei Ausnahme. Mit symphonischen, orchestralen Einschüben, welche neben dem herkömmlichen Handwerkszeug unter anderem diverse Arten von Schlag-, Blas-, Saiten- oder Tasteninstrument umfassen, werden die 12 technisch höchst anspruchsvollen, komplexen und facettenreich dargebrachten musikalischen Kleinode untermalt. Dieses kongeniale Zusammenwirken als musikalische Kunstform zu bezeichnen, halte ich für keinesfalls vermessen. Alles sitzt an seinem Platz, wie ein auf den Leib geschneiderter Anzug. Allein schon das knapp zwei-minütige, akustische Intro „Marche Royale“ klingt wahrhaftig wie aus einem Monumentalfilm, wenn der König einmarschiert. Alles ist wie bei einem Orchester bis ins kleinste Detail punktgenau durcharrangiert. "King" ist somit die etwas andere Seite der Oper. Düster, schnell, brutal, irritierend und verdammt Heavy Metal. Die Produktion ist nicht nur aufgeräumt, sondern klinisch rein, was allerdings dem Zusammenspiel der unterschiedlichen Sounds nur zuträglich sein kann, da ansonsten schnell ein ungewollter Soundmatch entstehen könnte. Obschon bereits die beiden Vorgängeralben "Agony", sowie "Labyrinth" ausgereifte Produktionen waren, setzen FLESHGOD APOCALYPSE hier nochmals gewaltig einen oben drauf und schrauben die Messlatte in schwindelerregende Höhen. Das muss ihnen erst mal einer nachmachen. Für mich steigen die Römer spätestens mit dem neuen Album „King“ in den göttlichen Metal Olymp auf und mausern sich zu den neuen Mozarts oder Beethovens des brutalen, technischen und orchestralen Death Metal. Es sind hier auch nicht so sehr die Hooklines, mit denen FLESHGOD APOCALYPSE bestechen, vielmehr sind es die schnell geschalteten, variablen Breaks, die fiesen Gitarrenläufe, der vielseitige Gesang und das perfekte Arrangement der überwiegend disharmonischen, diabolischen Symphonien. An Härte haben sie dabei nichts eingebüßt. „King“ ist allerdings wohl eher nichts für Puristen, die bei HOUR OF PENANCE, der ehemaligen Band von Felldrescher und Sänger Francesco Paoli besser aufgehoben sein dürften. Der brutale, dunkel dämonische Growlgesang von Fronter Tommaso Riccardi, der stets zackig auf den Punkt kommt, steht nach wie vor im Vordergrund und wird gelegentlich durch die verschiedenen Klargesangsparts von Cristiano Trionfera, Paolo Rossi und Francesco Paoli unterstützt. Viele Köche verderben den Brei könnte man meinen. Nicht aber im Fall von FLESHGOD APOCALPYSE, die wirklich verdammt gut „kochen“ können. Jeder versteht sich auf seinen Part und holt das Beste aus sich heraus. Bei jedem neuerlichen Durchgang gilt es Neues zu entdecken, so derart vielschichtig ist dieses Meisterwerk der harten Klänge. Schräge, pompöse, verstörende Arrangements sind die Grundfeste der fein aufgebauten Dramaturgie. Hier fehlt kein einziges Puzzlestück. Manche nennen es unpassender Weise Windhose, andere nennen es Tornado, wieder andere bezeichnen es als Taifun. Ich bezeichne es als apokalyptisches Inferno. Demgegenüber stehen allerdings auch so geniale Stücke, wie die von weiblichem Operngesang getragene, etwas gewagte, gleichwohl gelungene Ballade „Paramour (Die Leidenschaft Bringt Leiden)“, welche textlich ein Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe beleiht. Laut aufdrehen und einfach nur geil finden. Wobei gesagt werden muss, dass die Dame der deutschen Aussprache nicht unbedingt besonders mächtig ist, was allerdings auch einen gewissen Reiz ausmacht und einen zusätzlichen Charme versprüht. Auch das deftige „Mitra“, der klar durchstrukturierte, nicht minder harte dritte Track „Healing Through War“ oder die genial dramatische Hymne „Syphilis“ zeigen die Virtuosität der Italiener auf. Aufgrund der hyperkomplexen Strukturen wird es allerdings schwer die exzellenten Arrangements live rüberzubringen. Hier gilt es dann den Schwerpunkt auf die Aggressivität zu setzen. Das Cover Artwork von Eliran Kantor, (Hatebreed, Iced Earth, Sodom, Kataklysm, GWAR) der auch schon das geniale TESTAMENT-COVER „Roots Of The Earth“ schuf, zeigt einen alternden König in voller Herrschaftsmontur auf seinem Thron mit Schwert und Krone nebst seiner Hochwürden, der ein bisschen Ähnlichkeit zu Donald Sutherland aufweist und wie eine Marionette an Fäden „aufgehängt“ ist. Die Aufnahmen zu „King“ fanden vergangenen Sommer in den Kick Recording und 16th Cellar Studios in Rom statt. Mix und Mastering wurden vom weltbekannten Produzenten Jens Bogren (AMON AMARTH, AT THE GATES, ARCH ENEMY) in den Fascination Street Studios in Schweden vorgenommen. Im Digipak gibt's zusätzlich eine Bonus-Orchestral-CD mit zehn Tracks des neuen Albums "King" in rein orchestralen Versionen. The King is dead, long live the King!

 

www.facebook.com/fleshgodapocalypse

 

Meine Wertung: 94/100

 

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