ILLDISPOSED - Grey Sky Over Black Town

(Massacre Records)

 

25 Jahre auf dem Buckel und noch kein bisschen müde. Unsere nordeuropäischen Nachbarn ILLDISPOSED werfen dieser Tage ihr nunmehr 14. (!!!) Studiolangeisen, seit ihrem Debüt „Four Depressive Seasons“ aus dem Jahre 1993 auf den Markt. Ende 2015 enterte die Todes Fraktion einmal mehr das Antfarm Studio in ihrem Heimatort Aarhus in Dänemark. Dort produzierten, mischten und nahmen sie, gemeinsam mit Ihrem altbewährten Produzenten Tue Madsens, insgesamt 13 neue Tracks auf. Wie bei der Vermarktung im Metalbereich so üblich, sind die letzten drei der neuen Tracks allerdings reines Bonusmaterial und lediglich denen vorbehalten, die sich das Digipak zulegen. Dem Ergebnis, welches man auf den Namen "Grey Sky Over Black Town" taufte, hört man das Know-how der Band, wie auch das, des erfahrenen Weltklasse-Produzenten deutlich an. Die technischen Errungenschaften und Möglichkeiten, die einem eine professionelle Produktion ermöglicht, die Extrapower, die punktgenauen Sequenzen, der perfekt justierte Subwoofer, wie Growler Bo Summer von seinen Bandkollegen scherzhaft genannt wird, sind für die einen sicherlich ein Segen, den anderen wohl manchmal ein Graus. ILLDISPOSED arbeiten sehr präzise und effektiv mit Geschwindigkeitswechseln. Hierbei macht der, sich seit Dezember 2014 neu an den Drumfellen austobende Rasmus Schmidt, eine wahrhaft gute Figur. Die dunkle, brutale und oldschoollastige Atmosphäre, die sich überwiegend im mittleren bis oberen Bereich der Geschwindigkeitsskala einpendelt, entwickelt eine enorme Durchschlagskraft. Hier und da bedient man sich auch des ein oder anderen, sehr dezent eingesetzten elektronischen Stilmittels, um der musikalischen Kulisse mehr Tiefe und Kolorit zu verleihen. Auch werden immer mal wieder epische Breaks, viele midtempo Passagen mit teils feinen Gitarrenparts zugelassen, welche das musikalische Spektrum durchaus bereichern und breiter aufstellen. Laut, episch, gleichwohl brachial und extrem! Der kompromisslose, moderne Death Metal mit Black Metal Anleihen, bei dem melodische Elemente als schmückendes Beiwerk immer mal wieder durchsickern, springt einem, nicht zuletzt aufgrund der bestialischen, dämonischen Growls von Bo Summer direkt ins Gesicht. Unter anderem im letzten Drittel, des vergleichsweise gemächlichen "The After All" klingt Subwoofer schon mal wie John Tardy von Obituary. Echt geil! Hervorzuheben ist daneben aber noch so manch weiteres Highlight, wie das bestialisch böse und düstere "Your Darkest Son", oder auch der dritte Track "In Light Of The Moon ", welcher ein gelungener Mix der Dimensionen ist, der durchaus schon mal mit den Genres Black und Thrash Metal flirtet. "I Tried To Live", mit seinen undurchdringlich harten Gitarrenwänden hingegen brodelt und groovt derbe aus den Boxen. Ebenso das zwar vergleichsweise langsame, dafür aber übermächtige "You’re An Angel Of The Light", bei dem Bo Summers jahrelange, intensive Übung überdeutlich zur Geltung kommt. Gerade in diesen etwas langsameren Stücken hört man, was solch eine aggressive Stimme an Emotionen zu tragen weiß. Eine gewisse Depression mit Aufbruchsstimmung! Der mächtige bis majestätische Bonustrack "This Is The Ride", bezeichnet den krönenden Abschluss eines von vorne bis hinten ausgereiften Albums. Trotz dem, dass der Extrem Metal Fünfer ILLDISPOSED auf "Grey Sky Over Black Town" mächtig auf die Kacke haut, kann man dem neuen Material eine gewisse Eingängigkeit keinesfalls in Abrede stellen. Vom ureigenen Stil wird zwar nicht einen Millimeter abgewichen, dennoch bin ich der Meinung, dass das neue, knapp 58 Minuten wirkende Material durch seine innere Brillanz besticht und auch nach mehreren Durchgängen nicht langweilig wird.

 

 

www.illdisposed.dk

 

Meine Wertung: 83/100

 

Zum ILLDISPOSED Interview geht's hier: