Erscheinungsdatum: 20.10.2014 / Heyne Hardcore
Erscheinungsdatum: 20.10.2014 / Heyne Hardcore

James Lee Burke - Regengötter

(Heyne Hardcore)

 

- Eine Hetzjagd durch das geschundene Herz Amerikas -

 

Dass man James Lee Burke, einen der besten US-amerikanischen Schriftsteller hierzulande neu oder zum Teil erstmalig aufgelegt hat, ist ein wahrer Glücksgriff, sind seine Krimi/Thriller doch stets komplexe, authentische und spannungsgeladene Geschichten mit stark gezeichneten Charakteren, viel Lokalkolorit und einem ganz speziellen, lebendigen Flair. Burke lebt seine intelligent aufgebauten, sowie eingängig geschriebenen Geschichten und tritt beim Leser ein unmittelbar einsetzendes und fesselndes Kopfkino los. Der Autor ergeht sich nicht erst hunderte von Seiten in orgiastischem Geschwafel, legt gleich von Anfang an deftig los und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Das mag auch der Grund dafür sein, dass seine Romane in der Regel bei Heyne Hardcore erschienen sind.

 

Der, gerade soeben dem Jugendalter entwachsene Trinker und Irakveteran Pete Flores und seine Freundin Vikki Gaddis geraten in Schwierigkeiten als sich Pete auf einen Auftrag mit dem Sadisten Hugo Cistranos und seinen Psychopathen-Freunden einlässt. Cistranos, von dem Nachtclubbetreiber Nick Dolan beauftragt, seinem Konkurrenten Arthur Rooney ein wenig Kopfzerbrechen zu bereiten, übertreibt bei seinem Auftrag, aufgrund eines telefonischen Missverständnisses allerdings komplett. In einem brutalen Gewaltexzess jagen die kranken Bastarde den neun jungen, teilweise noch jugendlichen, asiatischen Prostituierten des Konkurrenten das komplette Magazin einer Thompson Maschinenpistole in den Körper und verscharren selbige anschließend hinter einer Kirche in Chapala Crossing, nahe der Tex-Mex Grenze. Pete, der einen der Wagen fahren sollte, macht sich währenddessen aus dem Staub, tätigt einen anonymen Anruf bei der Polizei und fällt nicht zuletzt dadurch in des Soziopathen Jack Collins‘ Ungnade. Mit dem Profi-Killer und religiösen Spinner Jack "Preacher" Collins, der sich seine Moral hinbiegt wie es ihm gerade in den Kram passt, halst er sich und Vikki ein noch viel größeres Problem auf. Schnell kommt den gesamten Beteiligten das ICE, das FBI und nicht zuletzt Sheriff Hackberry Holland auf die Spur. Eine Hetzjagd durch das geschundene Herz Amerikas ist die Folge und für Vikki und Pete tut sich die Hölle auf.

 

Der abgeklärte Kriegsveteran und Sheriff mit dem etwas sonderbaren Namen Hackberry Holland wird zum Tatort berufen und entdeckt die neun Leichen notdürftig unter ein bisschen Erde verscharrt und mit einer Planierraupe platt gewalzt. Holland ist ein straighter, hartnäckiger Typ, mit festen Prinzipien, der jedoch ständig mit sich und seiner Vergangenheit im Clinch liegt. Immer wieder holen ihn seine Nordkorea Kriegstraumata, sowie der Rest seiner nicht so rühmlichen Vergangenheit ein und er lebt ein Leben voller Vorwürfe. Der raubeinige Witwer, der bereits weit über den Zenit des Lebens hinaus blickt, ist vielleicht ab und an etwas roh und hart zu sich selbst, hat aber eine durchaus liebenswerte Ader und ist sympathisch gezeichnet. Sheriff Hackberry Holland und seine Kollegin Deputy Pam Tibbs begeben sich bei der Suche nach Vikki, Pete und den psychopathischen Killern immer wieder in höchste Gefahr.

 

©James Parker McDavid
©James Parker McDavid

Bei dem, 1936 in Louisiana geborenen James Lee Burke geht es normalerweise um brutale, ungeschönte Gewalt. Man spürt die drohende Gefahr, die brütende Hitze und die zermürbende Verzweiflung. Trotz der 662 Seiten starken Story, die im Jahre 2009 unter dem Titel "Rain Gods" erschien, handelt es sich bei „Regengötter“ um einen komplexen, in sich stimmigen Plot, der gerade aufgrund seiner Beschreibungen des Banalen so echt und lebendig wirkt. Allein die etwas unpassenden Aktionen des Profi-Killers und religiösen Wirrkopfs Jack "Preacher" Collins sind etwas grotesk. Burke neigt in der Beschreibung der Handlungen und Aussagen seiner Protagonisten zu leichten Übertreibungen, die zwar auf-, aber nicht weiter ins Gewicht fallen. Ansonsten auf durchgehend hohem Niveau angesiedelt, ist es ein, für das belletristische Genre vergleichsweise tiefgründiges Buch voller Sadismus, Gewalt und Tod. Mit seinen kaputten Charakteren zeugt das, hierzulande am 20.10.2014 erschienene "Regengötter" vom kranken, kalten Individualismus eines durch und durch verkommenen Landes. Burkes Beschreibungen der örtlichen Gegebenheiten, der Gefühle, Eindrücke und Gedankenwelten seiner Protagonisten, der jeweiligen Situationen in denen sie stecken, schaffen eine eindrückliche Atmosphäre, eine bildhafte Kulisse, sowie diese ganz spezielle, von Hitze und Gefahr geschwängerte Grundstimmung.

 

Meine Wertung: 84/100

 

Link zur Buchseite des Verlags: https://www.randomhouse.de/Autor/James-Lee-Burke/p3691.rhd

 

Aus dem Amerikanischen von Daniel Müller 

Originaltitel: Rain Gods

Originalverlag: Simon & Schuster

Paperback, Klappenbroschur, 672 Seiten, 13,5 x 20,6 cm, 1 s/w Abbildung

ISBN: 978-3-453-67681-7

€ 16,99 [D] | € 17,50 [A] | CHF 22,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Heyne Hardcore

Erschienen: 20.10.2014