Kambrium - The Elders' Realm

(NoiseArt Records)

 

Kann das funktionieren? Heroischen, symphonischen Power Metal mit Melodic Death Metal zu mixen? Im Falle der Helmstedter KAMBRIUM, welche sich im Jahre 2005 formierten und mit „The Elders' Realm“ ihr drittes Stück Todesblei am Start haben, bin ich mir da jedenfalls nicht so sicher. Das dargebotene Material ist zwar variabel und unkonventionell, jedoch bleibt die musikalische Ausrichtung im Allgemeinen einfach zu blass und unspektakulär, um aus dem Wust an Veröffentlichungen herauszustechen. Dies fängt bei den unterschiedlichen Gesängen an, die zwar gut aufgenommen sind, denen jedoch keinerlei seelische Tiefen innewohnen, zieht sich über die gesamten, relativ farblosen Instrumentalaufnahmen, bis hin zu den nur allzu gewöhnlichen Arrangements. KAMBRIUM sind da weder Fisch noch Fleisch und rasseln ihr Programm ziemlich uninspiriert und seelenlos herunter. Es wird hier und da ein wenig an den Gitarren gefrickelt, man versucht vergeblich Dramaturgie aufzubauen und scheitert Kläglich beim Versuch. Der Opener „Abyssal Streams“ beginnt mit einer, fast schon mainstreampoppigen, chorusbegleiteten Einleitung, wird im Laufe des Songs im Gesang variabel, es gesellt sich galoppierender Drumsound hinzu, die Instrumentalsektion wird von Chorus begleitet. Klargesang und Death Growls wechseln sich ab. Mal mehr, mal weniger dezenter, verspielter bis alberner Keyboardsound verschlimmbessert die ohnehin kaum vorhandene Struktur. Weiter geht es mit „Through Shades And Despair“, welches mit seiner, zur Schau gestellten Dramaturgie nur noch künstlich und unterdrückt wirkt. Das vergleichsweise starke „Conjure The Lost“ wartet leider mit unpassenden, deplatziert wirkenden Instrumentalwechseln auf. Der anschließende Titeltrack „The Elders‘ Realm“ (feat. Thomas Winkler von Gloryhammer), will nicht so recht in Gang kommen, nervt mit seinem übertrieben kratzigen Growlgesang und dem schwuchteligen Klargesang. Das sind am Boden zerschmetterte Illusionen, wie der darauffolgene Totalausfall „Shattered Illusions” korrekterweise besagt. Da kommt mir echt der Kaffee von der Konfirmation wieder hoch. Auch die, im sechsten Track „Colossus Of The Seas“ unangebrachten Höhenwechsel beim Gesang sind nur noch unangenehm. Das komplette Album wirkt synthetisch und gehemmt. Die gelegentlichen Ausbrüche sind an falschen Stellen angelegt und wirken störend auf das Gesamtkonzept ein. „The Elders‘ Realm” watet da wirklich durch extreme Höhen und Tiefen, aber leider überwiegend durch extreme Tiefen. Mal wieder kurz bergauf geht es mit dem achten Track „Season Of The Sea Witch“, welcher relativ gut arrangiert daherkommt, wenn nur dieses nervige Keyboardspiel am Schluss nicht wäre. Hierzu haben KAMBRIUM auch ein ziemlich hektisches Video abgedreht (https://www.youtube.com/watch?v=nDkRPN1qKhs). Von der musikalischen Ausrichtung vermischt man ein bisschen POWERWOLF mit BLIND GUARDIAN und EQUILIBRIUM. Kein Wunder, wurde ein Teil des Albums doch im Studio Greywolf von Charles Greywolf (Powerwolf) aufgenommen, der auch das Mastering des Albums übernahm. Für mich ist diese Futtschmuser Mucke jedenfalls kaum zu ertragen. Hier stimmt einfach die Schnittmenge zwischen den Stilen nicht. Dadurch werden KAMBRIUM - die „Powerwölfe“ des melodischen Power Death - auf Dauer erst so richtig nervig. Irgendwie ist mir „The Elders‘ Realm“ zu glatt gebügelt und unehrlich, was es mir nicht einfach macht, dieses Konzept überhaupt ernst nehmen. Musik darf, nein soll Spaß machen. Aber eine gewisse Ernsthaftigkeit gerade bei den Arrangements ist in meinen Ohren Pflicht. So richtig episches, orchestrales oder bombastisches konnte ich in den zehn neuen Tracks der Niedersachsen nicht entdecken. Immerhin weist „The Elders' Realm“ eine recht beachtliche Spielzeit von 62:28 Minuten auf. Das Kambrium bezeichnet übrigens die erdgeschichtliche Epoche des Zeitraums von etwa 541 bis 485,4 Millionen Jahren. In dieser Zeit, während der kambrischen Explosion entwickelten sich, aufgrund atmosphärischer Veränderungen nahezu alle heute existenten Tierstämme.

 

www.kambrium-band.de

 

Meine Wertung: 57/100