KATATONIA - Interview mit Drummer Daniel Moilanen vom  08.06.2016

 

- von Düsternis, Melancholie und Verlust -

 

Mit ihrem zehnten Studiolangeisen “The Fall Of Hearts” veröffentlichten KATATONIA kürzlich ein komplexes, filigranes Kleinod, das wie ein Konzeptalbum anmutet. Von Melancholie getragene progressive Strukturen, in verhaltene, sinnliche Depression getaucht. Feine, zarte Melodien, gemischt mit reiner, harter Power. Es sollte ihr bis dato erfolgreichstes Album in der 25-jährigen Bandgeschichte werden, was sie mit einem direkten Charteinstieg auf Platz 11 der offiziellen deutschen Albumcharts nachhaltig unterstrichen. Die Gründungsmitglieder und Arbeitstiere Jonas Renkse und Anders Nyström, die vom anfänglichen Doom/Death/Black Metal immer mehr zum Düster/Progressive Rock metamorphosierten, mussten sich gerade in der jüngsten Zeit immer mal wieder mit Besetzungswechseln herumschlagen. Daniel Moilanen, seit 2015 fester Mann am Schlagzeug, zusätzlich noch bei der schwedischen Doom/Death Metal Band HEAVYDEATH zugange, beantwortete Anfang Juni die Fragen des Totentanz Magazins rund um KATATONIA und ihr neues Meisterwerk „The Fall Of Hearts“.

Janko: Hallo, Daniel! Erst einmal herzlichen Glückwunsch zu eurem neuen Output “The Fall Of Hearts”! Als ich das neue Album zum ersten Mal hörte, lag ich gerade in der Badewanne. Das war die perfekte Gelegenheit, mir das neue Material anzuhören. Es löste eine enorme Tiefenentspannung in mir aus…ich bin froh, dass ich nicht ertrunken bin. Ich war voll drin in eurer wunderschönen Musik. Mit diesem Album wird euch die Anerkennung zu Teil werden, die ihr seit langem verdient habt. Meiner Meinung nach ist „The Fall Of Hearts“ ein sehr feines, filigranes, fragiles und emotionelles Album, dass das Leben ein wenig entschleunigt und mehr Hoffnung und Freude in sich birgt, dafür aber weniger Düsternis und Melancholie, als eure vorherigen Veröffentlichungen. Es ist wie eine Art Frischzellentherapie. Ich spüre auch eine dichter Komplexität und Vielseitigkeit innerhalb der Songs. Wie siehst du diese Aspekte?

 

Daniel: Hallo und vielen Dank, Janko. Deine Meinung zu „The Fall Of Hearts“ bringt es ziemlich genau auf den Punkt. Filigran und emotionell beschreibt genau wie ich das Album sehe. Allerdings ist die Meinung, dass dies ein hoffnungsvolleres Album ist (und ich habe mitbekommen, dass dies eine sehr „populäre“ Meinung ist, die sich ja durch irgendetwas erklären lassen muss), ein Aspekt den ich nicht wirklich sehe. Oder ich sehe es vielleicht in der Art, dass „The Fall Of Hearts“ nuancierter ist als die vorhergehenden Alben, was den Fokus selbstverständlich von der absoluten Düsternis der vorherigen Veröffentlichungen auf ein anderes Level hebt und das mag es insgesamt heller erscheinen lassen. Über den Wolken scheint immer die Sonne, sozusagen.

 

Janko: Das neue Album ist ein relativ ruhiges und atmosphärisches. Auf der anderen Seite hat es ein paar wirklich harte Passagen mit schönen, schweren Gitarren. Habt ihr im Vorfeld gedacht oder gar geplant, dass es darauf hinaus laufen würde? Sind dies in deinen Augen die Hauptunterschiede im Vergleich zu “Dead End Kings” oder siehst du andere wichtige und natürliche Entwicklungen?

 

Daniel: Die Entwicklung im Sound von der “Dead End Kings” klingt in meinen Ohren absolut natürlich. Das wird eigentlich sogar noch deutlicher, wenn man bedenkt, was danach in Form von “Dethroned & Uncrowned” und “Sanctitude” kam. Genauso normal, wie die Entwicklung im Sound von der „Brave Murder Day“ zur „Discouraged Ones“.

 

Janko: Was kommt dir in den Sinn, wenn du an die Herangehensweise zu dieser neuen Veröffentlichung denkst? In welcher Weise warst du in das Songwriting und die Produktion von “The Fall Of Hearts” integriert oder ist dies rein Jonas und Anders Job?

 

Daniel: Ich fühlte mich in den kreativen Prozess zur Entstehung des Albums absolut mit einbezogen. Es ist nicht so, dass ich tatsächlich Riffs oder Melodien beigesteuert habe, aber ich war während des gesamten Schreibprozesses präsent und ich denke, dass man sich all meine Einwürfe und Beiträge zu Herzen genommen hat. Ich wurde sehr früh in den Entstehungsprozess zum neuen Album integriert und habe Jonas und Anders klar gemacht, dass sie freie Hand haben zu schreiben, was auch immer ihnen in den Sinn kommt. Da sie für all die Arrangements und die Einstellungen rund ums Schlagzeug verantwortlich sind, hieß das auch, dass Einwände hinsichtlich der Drums nicht zur Debatte standen. Ich denke, das gab ihnen mehr Freiheit die verschiedensten Dinge beim Songwriting auszuprobieren und uns allen die Gelegenheit den Fokus auf die gesamten Tracks und nicht nur auf die Schlagzeugarbeit zu legen.

 

Janko: Hattet ihr euer Songmaterial komplett beisammen, als ihr das Studio geentert habt oder musstest ihr während der Produktion viel ändern und neu arrangieren und was kannst du mir hinsichtlich der Hilfe von außerhalb der Band sagen? Gab es einen helfenden Produzenten, Techniker oder so? Jonas und Anders haben das Album ja selbst produziert.

 

Daniel: Wir hatten das Material nahezu fertiggestellt, als wir ins Studio gingen. Es gibt immer vereinzelte Nacharbeiten von irgendwas oder irgendjemandem während den Aufnahmen, aber im Großen und Ganzen standen alle 16 Songs, als ich mit den Aufnahmen des Schlagzeugs begann. Jonas und Anders haben das Album selbst produziert. Sie stecken so tief im Schreib- und Produktionsprozess der Tracks, dass es eine Schande wäre, sie nicht das komplette Produkt realisieren zu lassen, wenn dies schon mal möglich ist. Sie spielen ja nicht nur Riffs zusammen, da schlummert ein weit tieferer Gedanke in ihnen, in Bezug auf all die Details des Albums. Ich bin mir nicht sicher, wie sehr KDL (Karl Daniel Lidén; Anm. d. Verf.) (der die gesamte Aufnahme technisch bearbeitet hat) in den Rest involviert war, aber als wir das Schlagzeug aufnahmen, war er ein absoluter Fels zum Anlehnen. Er ist selbst ein sehr guter Drummer, vielleicht mit einer etwas anderen Sicht in Bezug auf die Drum Sounds als vorherige Produzenten/Techniker, aber gerade als wir die Drums aufnahmen war sein Engagement extrem wichtig für mich.

 

Janko: Aufgrund der Komplexität der Songs, ist es gar nicht mal so einfach, sie beim ersten oder zweiten Durchgang so richtig zu greifen. Ist das euer Anspruch oder eure Intension Songs zu erschaffen, die so vielschichtig sind, dass man sie mehrfach hören muss, bis sie sich komplett entfalten? Ihr seid nicht so sehr auf charakteristische Melodieführungen, eingängige Refrains oder Massenkompatibilität aus, denke ich. Davon mal ganz abgesehen, wird „The Fall Of Hearts“ überwältigende Reaktionen hervorrufen. Da bin ich mir sicher. Wie entstehen die Songs in euren Köpfen oder wie unterstützt ihr euch gegenseitig, um neue Ideen zu verarbeiten?

 

Daniel: Ich denke, dass „The Fall Of Hearts“ vielleicht das „un-hookiest“ Album ist, das KATATONIA seit ihren Anfangstagen veröffentlicht haben. Für mich ist das ein „Gesamtes-Album-Erlebnis“, nicht zwangsläufig eine Track-zu-Track Erfahrung. Songs zu schreiben, die multi-dimensional und mit großen, offensichtlichen Hooks und vielen kleinen, versteckten Details gespickt sind, ist keine leichte Aufgabe, aber diese Begabung ist eine von KATATONIAs Markenzeichen. Wenn du dir die „Dead End Kings“ anhörst, ist es vielleicht eher ein Track-zu-Track Erleben, aber offensichtlich war es bei „Dethroned & Uncrowned“ weit mehr als das. Der Fokus liegt genauso sehr auf Hooks und ausgedehnten Refrains, wie darauf Raum für Luft und feine Nuancen zu schaffen. Mittlerweile ist der Ablauf des Songwritings einfacher denn je, aber selbstverständlich werden wir weiterhin auch neue Pfade beschreiten.

 

Janko: “The Fall Of Hearts” klingt in meinen Ohren wie ein Konzept Album. Denkt ihr das auch und war das eventuell sogar so beabsichtigt? Was sind die Hauptaussagen und Schlüsselbotschaften von „The Fall Of Hearts“? Ist hier die Kälte gemeint, die die Menschen heutzutage in ihren Herzen tragen, sowie die daraus resultierenden Probleme mit zwischenmenschlichen Kontakten oder Beziehungen?

 

Daniel: Es ist kein Konzept Album im herkömmlichen Sinne, aber wenn wir die Thematiken der menschlichen Emotionen als Konzept sehen, sicher. Für mich repräsentiert der Inhalt des Albums, wie auch der Titel ganz einfach den Verlust. Beides, den Verlust von Emotionen, also den Moment innerer Leere und den Verlust des Lebens, sprich die äußere Kälte in der wir jeden Tag aufs Neue erwachen. Ich denke, dass die Menschheit durchaus genug Wärme in ihren Herzen trägt, die Lebzeiten um Lebzeiten überdauern könnte, aber sie greifen nicht auf diese Wärme zurück. Die Menschen wissen einfach nicht wie sie das anstellen sollen. Anstatt uns permanent darüber im Klaren zu sein, scheinen wir wirklich nur emotions- und grundlos zu reagieren, es sei denn wir sind von einem Schicksalsschlag betroffen und zeigen irgendeine Art von Regung in unserem täglichen Kampf.

 

Janko: Welche Einflüsse würdest du für KATATONIA und das Soundspektrum nennen? In meinen Ohren gibt es ein paar spezifische Parallelen zu OPETH (speziell zu deren „Ghost Reveries“ Album), DEAD SOUL TRIBE und sogar TOOL…

 

Daniel: Ja, die immer präsenten OPETH Parallelen. Ich denke, dass die Einflüsse die die Leute hören, offensichtlich oberflächlicher sind als die tatsächlichen Einflüsse. TOOL hört man vielleicht im Riffing und darin wie sich bestimmte Elemente in ostinatorischen Mustern wiederholen. OPETH ist vielleicht das was man in der folkigen Art der Prog Landschaften hört, die hier und da vorhanden sind. Ich bin mir der Vergleiche durchaus bewusst und verstehe sie auch, auch wenn ich sie nicht direkt höre. Ich denke, dass Jonas und Anders ihre eigenen Einflüsse verarbeiten, wenn sie Musik schreiben und einige dieser Einflüsse blieben über all die Jahre konstant. Sachen wie THE CURE, FIELDS OF THE NEPHILIM und ähnliches, auch wenn sich dies nicht direkt im Riffing niederschlägt. Was meine Spielweise auf diesem Album besonders beeinflusst hat, würde man nicht unbedingt aus dem raushören, was ich momentan spiele. Das ist eben die Sache keinen Metal zu hören, während man Metal spielt.

Janko: Erzähl mir über deine damalige Gefühlswelt und was dir in den Sinn kommt, wenn du an den Anruf von KATATONIA zurückdenkst, in dem sie dich fragten, ob du Teil der Band (zuerst einmal als Live Drummer) sein willst.

 

Daniel: Als mich Jonas bezüglich ein paar Live Shows kontaktierte, war ich natürlich erst mal total aufgeregt. Als wir uns 2009 zum ersten Mal trafen (bei der Tour von PARADISE LOST, KATATONIA und ENGEL, bei denen Daniel Moilanen bis 2010 am Schlagzeug saß; Anm. d. Verf.), fand ich es wirklich klasse, die Jungs kennen zulernen. Offensichtlich waren wir auf einer Wellenlänge, denn fünf Jahre später sitze ich mit Jonas und Anders im Proberaum, obwohl sie nichts mehr von dem gehört haben, was ich in den letzten Jahren gemacht habe, seit wir das letzte Mal zusammen auf der Bühne waren.

 

Janko: Dann haben sie dich gefragt, ob du vollwertiges Mitglied der Band werden willst. Was hast du in dem Moment gedacht und wie denkst du heute darüber?

 

Daniel: Nach dieser ersten Probe lief alles so glatt, dass ich nicht wirklich überrascht war, als ich die Offerte bekam, dauerhaft in die Band einzusteigen. Wir wollten aber auch mit der offiziellen Verkündung warten, um größtmögliches Aufsehen zu erregen. Ein neuer Schlagzeuger bei KATATONIA ist ja nichts Alltägliches. Das deckte sich dann mit dem Zeitpunkt, als ich für die Aufnahmen zum neuen Album ins Studio ging. Ich denke da heute nicht wirklich drüber nach, Dinge passieren und die Welt dreht sich weiter, aber wenn ich mal drüber nachdenke, bin ich natürlich stolz und immer noch ein wenig überwältigt. Und dann erinnere ich mich daran, dass dies genau der Punkt ist, wo ich im Leben stehen sollte und alles ist gut. Obwohl ich wirklich noch immer sehr stolz bin.

 

Janko: Roger Öjersson kam kürzlich als neuer Gitarrist in die Band. Wie weit wart ihr da mit den Arbeiten zu „The Fall Of Hearts“ und welchen Einfluss hatte er auf das neue Material? Er ist ja schwer mit TIAMAT beschäftigt. Wird er Teil eurer bevorstehenden Europa Tour sein und wie wirken sich diese Besetzungswechsel auf euren Arbeitsfluss aus?

 

Daniel: Das komplette Album war so gut wie fertig als uns klar wurde, dass wir Roger mit dabei haben wollten, somit blieb ihm in diesem Fall keine Zeit, um Ideen zum neuen Album beizusteuern. Natürlich haben uns seine Beiträge zum neuen Album beeinflusst, wie auch der Schwung, den er mit in die Band brachte. Roger wird auf jeden Fall Teil unserer bevorstehenden Tour und von jetzt an all unsere Aktivitäten begleiten. Ich denke TIAMAT ist im Moment nicht sonderlich aktiv. Nur ein paar ausgewählte Shows, somit würde das schon mal nicht im Wege stehen. Der Arbeitsfluss wurde von den angesprochenen Besetzungswechseln eher positiv beeinflusst. Da wir alle in der selben Stadt wohnen, finden auch die Proben regelmäßiger statt und mit neuen Mitgliedern gibt es neue Interpretationen der Songs, was die Arbeit durchaus herausfordernder und spaßiger gestaltet.

 

Janko: Niklas, kam glaube ich 2009 und du 2015 in die Band. Mit Rückblick auf 25 Jahre KATATONIA, wann hast du Notiz von dieser Band genommen, was dachtest du über sie und den Weg, den sie bis heute gegangen sind?

 

Daniel: Das erste Mal wurde ich kurz nach der Veröffentlichung der „Dance Of December Souls“ Anfang 1994 auf die Band aufmerksam. Es war ein frischer (letzter) Atemzug im unromantischen Black Metal Klima, in dem ich mich damals zu Hause fühlte und es wurde sofort eines meiner Lieblingsalben. Schön und düster, was auch in der Hauptsache den Weg beschreibt, den KATATONIA, egal in welchem Genre, bis heute eingeschlagen hat.

 

Janko: Ihr seid alle noch in weiteren Bands aktiv. Da ist Jonas, als Gründungsmitglied von BLOODBATH, er spielt auch noch bei WISDOM OF CROWDS, Anders ist ebenfalls Gründungsmitglied von BLOODBATH, du spielst noch bei  HEAVYDEATH, Niklas in AORIA, CHAOSYS, sowie LIK und Roger wie bereits erwähnt bei TIAMAT. Habe ich die eine oder andere Band vergessen? Wie kann das funktionieren, wenn man derart viele, verschiedene Betätigungsfelder hat?

 

Daniel: Das sind wirklich kleinere, logistische Probleme als du vielleicht denkst. Es gab ein paar wenige Hindernisse und wir sind verdammt gut darin, sie zu umgehen. Keine der Bands in denen ich spiele (HEAVYDEATH, MICK HOAK) ist, außer während den Aufnahmen, sonderlich aktiv. Die einzigen wirklich aktiven Livebands sind BLOODBATH, LIK und TIAMAT. Im Endeffekt ist momentan keine der Bands aufs Touren fokussiert.

 

Janko: Seid ihr in diesen Bands, weil ihr nicht wisst, wo ihr mit all eurer Kreativität hin sollt?  Habt ihr dann eigentlich noch ein Privatleben?

 

Daniel: Wenn man all unsere anderen Bands betrachtet, unterscheiden sie sich sehr von KATATONIA, also ja, es ist schon eine Möglichkeit seine Kreativität dort hin zu lenken, wo sie gebraucht wird. Privatleben? Ist das nicht das, was man so nennt, wenn man kein Rock Star ist? Nie davon gehört.

 

Janko: Was dachtest du, als du das erste Mal das Coverartwork von Travis Smith zu “The Fall Of Hearts” gesehen hast?

 

Daniel: Als ich das Cover des Albums zum ersten Mal sah, hat es mich fast umgehauen. KATATONIA hatte schon immer sehr ausdrucksstarke Cover, die zu ihren Veröffentlichungen und den jeweiligen Stimmungen passten, aber keines war derart eindrucksvoll, detailliert, aber gleichzeitig auch so leer, wie dieses. Meiner Meinung nach ist das Cover das perfekte Abbild für den Inhalt des Albums. Düster und tot mit sehr viel Tiefe und Seele.

Janko: Als ich am 25. Mai auf die deutsche Webseite von Amazon schaute, gab es bereits 11 Meinungen mit jeweils fünf Sternen. Das ist bis dato die volle Punktzahl. Wusstet ihr oder habt ihr erwartet, dass es für „The Fall Of Hearts“ so leicht werden würde, bevor euer Management, bzw. euer Label die ersten Promos verschickt hatte? Habt ihr schon von Charteinstiegen gehört? Ihr könnt sehr stolz auf eure Arbeit sein, denn sie wird in der Musikwelt einschlagen wie eine Bombe!

 

Daniel: Wir sind in der Tat sehr stolz auf unsere Arbeit! Die Rezensionen waren alle hervorragend und viele von ihnen waren sehr aufschlussreich und auch verständig was den Inhalt des Albums anbetrifft. Bevor die Promos verschickt wurden, wussten wir bereits wie die Reaktionen sein müssten, aber wir haben natürlich etwas anderes erwartet. Heutzutage ist jeder Produzent und es ist sehr einfach seiner Stimme Gehör zu verschaffen und ich weiß genau, wie ich auf Musik reagiere, auch wenn ich nicht den Drang verspüre, dass ich es dem Rest der Welt mitteilen muss, aber ich wusste nicht wirklich was ich erwarten sollte. Aber es war sicherlich nichts "easy" an irgendeiner dieser Erwartungshaltungen. Ich denke, das ist wie mit vorangegangenen KATATONIA Alben. Die volle Wirkung des Albums kann daran gemessen werden, wie es sich auf das musikalische Klima in den Nebengenres auswirkt und welche Interaktion es zwischen den Bands und den Genres gibt. Nicht, dass wir in irgendeiner Weise bahnbrechend wären, aber ich denke, die gelegentlichen Einflüsse sind offensichtlich. Ich denke, wir haben Platz 11 der deutschen Album-Charts erreicht, ein paar Zacken über ADELE, wenn das irgendwas bedeutet.

 

Janko: Im September und Oktober werdet ihr auf eine ausgedehnte Europa Tour gehen. Was kannst du mir hinsichtlich dieser Tour momentan schon sagen? Wisst ihr schon, wer euch supporten wird? Wie sieht es mit euren Erwartungen aus?

 

Daniel: Ja, die Tour ist ziemlich umfangreich und geht von Ende September bis Anfang November. Wer uns dieses Mal begleiten wird, wissen wir noch nicht. Das ist noch in der Mache. Vielleicht steht es ja fest, wenn das Interview veröffentlicht ist, aber im Moment kann ich da noch nichts bekannt geben. Unsere eigenen Erwartungen schießen in die Höhe. Wir sind sehr, sehr aufgeregt und wollen endlich „on the road“ mit unserem neuen Album und dem neuen Line-Up, um die Reaktionen der Massen aufzusaugen. Wir haben ein paar coole Sachen, die wir ebenfalls ausprobieren wollen, also würde ich sagen, das sind nicht die selben KATATONIA die du vorher gesehen hast, dafür aber eine Einheit, die perfekt zum Konzept von „The Fall Of Hearts“ passt.

 

Janko: Wo kommt der Bandname KATATONIA eigentlich her? O.k., ich weiß, dass der Bandname ein psychomotorisches Syndrom mit unterschiedlichen Krankheitsbildern beschreibt. Aber wie ist er in die Musik eingebunden oder wofür steht dieser Bandname, speziell nach all den Jahren? Und bitte schreib nicht: „Es ist nur ein Bandname!“ Seid ihr in eurem näheren Umfeld jemals mit dieser Störung konfrontiert worden? Es bedeutet, dass der Erkrankte unter Motorik Problemen, Spastiken, und Steifheit in Körper und Geist leidet. Das ist doch eine gewisse Art Gegensatz im Vergleich zu eurer Musik oder?

 

Daniel: Der Name KATATONIA entstammt dem katatonischen Zustand, der mit einer Vielzahl von psychiatrischen Erkrankungen und Störungen in Verbindung gebracht wird. Ein passender Name für ein paar Jugendliche mit einer Faszination für Tod und Verderben. Er wurde über die Jahre immer passender und ich denke, dass die Komplexität unserer Musik keinesfalls im Widerspruch zum Namen steht. Du hast erwähnt, dass du das Album als eine Art Frischzellentherapie empfunden hast und ich selbst fühle mich irrational ruhig, wenn ich extreme Musik höre. Den katatonischen Zustand also lediglich mit extremer Steifheit auch in Bezug auf die Musik zu assoziieren ist ebenfalls etwas widersprüchlich. Aber gleichzeitig ist es nur ein Bandname und ein weit aus besserer als Melancholium.

 

Janko: Vielen, herzlichen Dank für das Interview, Daniel! Viel Spaß und viel Glück für eure kommende Tour! Hast du noch ein paar letzte Worte für eure deutschen Fans?

 

Daniel: Ich hoffe, ich sehe euch alle diesen Herbst, wenn wir die “Fallen Hearts Over Europe” Tour starten. Es gibt eine ganze Menge Termine in Deutschland, also kann ich keinerlei Entschuldigungen für eure Abwesenheit akzeptieren.

Den lieb’ ich, der Unmögliches begehrt. (Daniels originaler Abschlusssatz in deutscher Sprache; Anm. d. Verf.)

 

Wie man kürzlich auf der KATATONIA Homepage nachlesen konnte, wird das Album weltweit gut angenommen, denn „The Fall Of Hearts“ brachte es immerhin auf Platzierungen in Finnland (6), Deutschland (11), Österreich (28), Schweden (31), Schweiz (48), Kanada (50), Italien (60) und den USA (62). Wer sich allerdings nicht nur per Tonträger vom Können der fünf Ausnahmemusiker überzeugen lassen will, hat wie bereits von Daniel angesprochen, auf einem der vielen deutschen Termine im Herbst 2016 livehaftig Gelegenheit dazu. Be there!!!

 

www.katatonia.com

 

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