Jack Ketchum - Evil

 

Die Einleitung zu dem 335-seitigen „Evil“ von Jack Ketchum, wies für mich enorm viele Parallelen zu „Es“ von Stephen King auf, sodass ich mir (auch aufgrund des Vorwortes, das selbiger verfasste) anfangs ziemlich sicher war, auf einen kurzweiligen Abklatsch dieses grandiosen Meisterwerks gestoßen zu sein. Hier nur einige Beispiele für diese Parallelen: Kinder; Rummelplatz; Wasserturm; Spiele am Fluss; Haystacks Calhoun; der böse Junge (Eddie), der von seinem Vater verprügelt wird; die Schlange, die nach jemanden geworfen wird…doch zunehmend entwickelte sich „Evil“ in eine völlig andere Richtung. Von einem mehr und mehr verstummenden Hilferuf einer Minderjährigen unter Spott und Hohn, hin zu dem grauenvollen Porträt einer geraubten, ja letztendlich zerstörten Jugend. Demütigung, Qual, und Schmerz, abgrundtiefer Schmerz, zugefügt von einer Runde verstörter, geisteskranker Kinder und einer ihrer Mütter, die sich von und durch ihre Eltern zu kleinen, abartigen „Monstern“ hochstilisieren, muss die Minderjährige Meg über sich ergehen lassen. Sie wird dabei auf grausamste Art und Weise gepeinigt und gefoltert. Hier wird die moralische Frage nach dem: „Was tut man als Kind in einer derartigen Situation?“ gestellt. Wie wird man mit dem Druck, den die anderen auf einen ausüben fertig? Wie mit dem eigenen, nagenden Gewissen? „Evil“ ist eine hundsgemeine, böse und kranke Geschichte, der jeglicher Lesegenuss abgeht. Dennoch ist „Evil“ auf seine unwirtliche Art und Weise grausam authentisch. Sicherlich ist das Beschriebene für einige einfach nur abartig und pervers, wiederum andere mögen dagegenhalten, dass Jack Ketchum lediglich das beschreibt, was in so vielen Familien weltweit leider immer wieder an der Tagesordnung steht und vor dem sich so viele gerne verschließen wollen (rein nach dem Motto: Irgendwer wird schon irgendwann einschreiten…nur wann?).

 

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