LEGAL HATE - Interview zum neuen Neo Death/Thrash Punch "Avoider", direkt aus dem Proberaum mit der kompletten Band v. 23.09.2016

 

- von Proben bei 85 % Luftfeuchtigkeit, der Frage, ob sie MOTÖRHEAD kennen, Speed Metal alter Schule und der Aufwertung der Band durch Alines Gesang -

 

 Es ist indes mehr als eine Dekade ins Land gezogen, seit ich durch meinen Kumpel Erik Müller (R.I.P.), der zuvor schon mit Gitarrist Micha bei SCROOGE zugange war, mit der Band LEGAL HATE in Verbindung kam. Erik war damals Schlagzeuger bei LEGAL HATE und OBSCURITY, die sich später aus rechtlichen Gründen in DOWNSCAPE umbenannten. Der brachiale Thrash Metal der ersten Tage hatte es mir gleich von Anfang an angetan und so verfolge ich den Werdegang dieser hessischen Brutalo Neo Death Thrasher bereits eine halbe Ewigkeit. Der größte Umbruch innerhalb des Soundspektrums der, in Spachbrücken angesiedelten Band, kam mit der Ablösung von Michael „Micha“ Hamela (g., ex-DISBELIEF) durch seine Ehefrau und ehemalige Bassistin Aline an den Vocals im Jahre 2013. Dadurch wurde der Brutalo Thrash mit einstigem männlichen Frontgekeife zu einem female fronted brutal Neo Death Thrash Hassbatzen. Mit dem, am 08.10.2016 erschienenen „Avoider“, gilt es sich nun also LEGAL HATE 4.0 zwischen die Lauscher zu drücken. Nachdem ich das neue Album unserer Lokalmatadoren direkt nach Abschluss des finalen Mixes aus dem Tonstudio erhielt, machte ich mich sogleich an das fällige Review für das Totentanz Magazin. Wem SLAYER zu einfach und MESHUGGAH zu kompliziert sind, der sollte unbedingt mal bei LEGAL HATE reinhören, denn „Avoider“ ist ein hartes, kompromissloses und schnörkelloses Album geworden, das ohne Umschweife direkt auf den Kernpunkt der Sache kommt, nämlich filigrane, versierte Technik, in ein kompaktes, dichtes  und hemmungsloses Powerbündel zu pressen, dabei aber der Musik den nötigen Flow und die Möglichkeit zur freien Entfaltung mit auf den Weg zu geben. Ende September machte ich mich auf den Weg ins LEGAL HATE Land und traf mich mit den Jungs und dem Mädel vor und zu deren Bandprobe bei „Kaffee und Kuchen" für einen locker flockigen und ausgiebigen Plausch...

Janko:  Erst einmal herzlichen Glückwunsch zu eurem neuen Output „Avoider“! Das Teil ist ja mal wieder ein übelst hartes Brett geworden, welches ohne Umschweife auf den Punkt kommt. Was könnt ihr mir über die Entstehung zum neuen Album sagen und gibt es schon erste Reaktionen?

 

Andreas: Es ist ja noch nicht veröffentlicht.

 

Janko: Ja, aber habt ihr außer meiner Kritik schon was gehört? Haben sich irgendwelche Leute schon zurück gemeldet? Was sagen zum Beispiel deine Eltern, Micha?

 

Micha: Hahaha...Wie bitte?

 

Janko: Was sagen deine Elten?

 

Micha: Meine Mutter...? War das jetzt ernst gemeint?

 

Janko: Ja klar.

 

Micha: Hahaha...die Mutter findet’s gut. Ja, klar. Das ist noch nicht einmal ein Witz. Die fand schon immer meine Musik super. Sie durfte es zwar vor ihrem Mann nie zugeben, aber der ist jetzt tot und deshalb...

 

Aline: Hey, nicht mal meinem Vater haben wir’s geschickt. Was ne Schande...total vergessen. Fällt mir jetzt erst mal ein.

 

Micha: Janko, du bist heißer als heiß, im Bezug auf „Avoider“. Du hast es tatsächlich direkt aus dem Tonstudio gekriegt. Es gab keinen, der es vor dir gehört hat. Das ist kein Witz. Wir haben bislang noch nichts unternommen. Wir haben jetzt erst mal geguckt, dass wir das Cover kriegen und die CDs unterwegs sind, weil wir das erst mal am 08.10. und  09.10. auf der Bühne als Release machen. Ja und dann sind wir beim Thema von vorhin: Computerarbeit. Dann hätte ich es erst mal zum Totentanz geschickt. Das ist mal spontan, was mir eingefallen wäre und dann hätte ich suchen müssen, wer da was macht...

 

Janko: Da seid ihr jetzt eh schon drin...

 

Aline: Ja, hahaha...aber die Frage ging ja auch um die Entstehung zum neuen Album...

 

Micha: Ja, der Thorsten kann mal was sagen...sonst red ich zu viel.

Thorsten: Nö, ich will nichts sagen!!!...hahaha...Entstehung ist zu viel. Es gibt keine Entstehungsgeschichte im eigentlichen Sinn. Die Songs sind entstanden, wie sie immer entstehen. Hier beim Proben. Einer spielt was vor...oah, hört sich gut an. Gutes Riff. Gucken wir mal, was man draus machen kann. Und so kommt eins zum Anderen. Oder es ist dann mal daheim ausgearbeitet worden oder der Uwe hat mal einen kompletten Song mitgebracht oder der Andreas...und angehört...jeder fand’s gut. Der Peter (LEGAL HATE nennen Aline in der Band Peter...die anderen haben alle Frauennamen) hat drauf gekrischen...

 

Janko: Das heißt, ihr seid alle in den Prozess mit eingebunden.

 

Micha:  Was Janko wissen muss, weil er LEGAL HATE von Anfang kennt....du kennst ja die One-Man-Show von mir. Das hatte ich mit dieser Band erledigt. Ich wollte das nicht mehr. Ich hatte zwar noch Restbestände von Riffs, die habe ich alle in einen Topf reingepackt. Nach dem Ja/Nein Prinzip. Gut/Schlecht, nach dem Aschenputtel Prinzip...die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Da hat Andreas mal ein paar Bass Riffs angeliefert, er kann natürlich auch Gitarre spielen. Uwe kann nur Bass, deswegen haben wir von ihm nur Bass Riffs. Das war natürlich ein Spaß. Er hat zum Beispiel das komplette „Blockheaded“ geschrieben.

 

Uwe: Ja, das war so ziemlich das Einzige. Alle anderen sind, wie Thorsten schon gesagt hatte  zusammen entstanden.

 

Thorsten: Was ich dazu gerne noch sagen würde ist, dass LEGAL HATE glaube ich kompromissloser geworden ist. Wir sind der Altbestand von UNDER SIEGE. Das sind wir drei (Uwe, Andreas und Torsten/Anm. d. Verf.). Wir machen schon eine Zeit lang zusammen Musik und wir mögen es eigentlich etwas schneller. Speedmetal alter Schule.

 

Janko: Darauf komme ich gleich noch mal zurück, denn ich denke, dass man die Musik durch ein paar verrückte, fiese Soli ein bisschen auflockern könnte. Weil es, wie du gerade gesagt hast schon sehr straight, für mich aber auch ein bisschen eindimensional ist. Man könnte es dadurch etwas breiter aufstellen.

 

Thorsten: Ja, richtig. Absolut!

 

Micha: Jetzt muss ich noch mal nachhaken. Die Solis fieser und exotischer und abgedrehter? Ich habe echt gedacht ich bin in die Richtung gegangen, denn die meiste Kritik lautet: „Was spielst du da?“ Ich hab nur zwei Fans. Eine von Alines Freeletics Account, irgend ne Amerikanerin und ich wollte ja gerade in der Hinsicht was machen...also von den Soli her müsste es krank sein.

 

Janko: Ja, das schon, aber ich mag es ein bisschen höher. Die sind mir zu tief gespielt.

 

Thorsten: Ich versteh was er meint.

 

Janko: Wenn die drei vier Oktaven höher wären.

 

Aline: Das geht doch gar nicht, da ist die Gitarre zu Ende. Die geht nur bis hier...

 

Micha: Du guckst dir das nachher mal an...

 

Janko: Ich bin kein Musiker.

 

Aline: Aha, daher...hahaha!

 

Janko: Das ist auch der Grund warum ich unter anderem Reviews und Interviews mache und ihr Musik.

 

Thorsten: Aber du bist Zuhörer.

 

Uwe: Ja, aber das sind doch interessante Anregungen.

 

Aline: Ja, daran denkt man gar nicht.

 

Micha: Hey Janko, keine Ängste, ich seh das alles positiv. Ich bin ja froh, mal Feedback zu bekommen.

 

Janko: Die Riffs sind geil, vor allem das schöne Geschranze. Deswegen hatte ich dich ja am Telefon gefragt, ob du meinst, dass „Avoider“ auch ein bisschen Richtung Djent geht.

 

Micha: Die Djent Riffs sind nicht nur Geschmacksache, die muss man auch spielen können. Wir hatten bei „Blind“ ansatzweise Stakkato Riffs am Anfang, wobei die binär, also gerade gespielt und eigentlich keine Djent Riffs sind. Du brauchst dazu die Leute, die so schräg abfahren wollen. Aber wir sind schneller geworden, was ja auch in meinem privaten Interesse war, weil Erik das nie wollte. Auf der einen Seite hat er sich da nichts sagen lassen, es gefiel ihm nicht, das habe ich ihm auch geglaubt und auf der anderen Seite hat er keine Kondition gehabt. Ich mein, so’n Drummer muss schon ein bisschen was drauf haben und der hat ja Minus Acht gemacht, was Fitness betroffen hat, obwohl wir mit LEGAL HATE zwei mal die Woche geprobt haben. Dann kam die Frage nach Ersatz auf. Wie geht es weiter? Wer soll bitte Eriks kranken Kram covern? (Erik spielte gerne mit Polyrhythmik, Cross-Rhythmen und schwierigen, zu den Saiteninstrumenten gegenläufigen „off-beat“ Schlagzeugparts/Anm. d. Verf.). Dann nach ihrem Bruder und der Manu, die für ne Frau super gut war, aber zum Schluss ihrer Sache als Frau keine Ehre gemacht hat...sie hat sich da wahrscheinlich selbst raus gehauen. Das fand ich ein bisschen Schade, weil die Punch hatte, war dabei, hat dahinter gestanden. Das waren vielleicht auch andere Gründe, aber das soll sie für sich selber beantworten. Dann hatten wir nen Techniker, das war Jonathan (Dörr bis 2013/Anm. d. Verf.). Er war mal ein ehemaliger Schüler von mir. Da bin ich auch sehr stolz drauf, aber ein Lehrer funktioniert nur gut, wenn der Schüler auch mitmacht, um nicht gleich die Lorbeeren wieder von mir wegzuwerfen. Der hat halt richtig Alarm gemacht. Er ist so ein bisschen der modernere Typ gewesen. IN FLAMES ist seine jüngste Band, wenn’s bei uns AC/DC und noch älter ist, war seine jüngste Band IN FLAMES. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Der hat in einer Probe mal gefragt, ob wir MOTÖRHEAD kennen würden.

 

Aline: Ja, das war das beste...hahaha.

 

Janko: Hahaha, das ist ja süß...

 

Aline: Ja, geil oder?

 

Thorsten: Da war er noch nicht geboren, da haben wir das gehört...hahaha.

 

Micha: Ich hab natürlich gleich ein Feuerwerk abgebrannt, ob er noch ganz dicht ist...hahaha. Und das merkte man auch an seinem Spielstil. Das war supergeil, was der gemacht hat und auch eher Joey Jordison-mäßig (ex-SLIPKNOT und jetziger SINSAENUM Drummer/Anm. d. Verf.). Aber er hat dann geheiratet und andere Prioritäten gesetzt, wie das halt so ist. Auf einmal war alles andere wichtig. 

 

Andreas: Er war halt jung.

 

Micha: Ja, die müssen alle erst nach Australien und sich angeblich selbst finden. Warum weiß ich bis heute nicht.

 

Janko: Das kann man doch in Spachbrücken auch...hahaha.

 

Micha: Ja, das ist ja meine Meinung. Aber die Jugend muss sich mit 19 angeblich schon wieder selber finden. Was das zu bedeuten hat, weiß ich nicht. Es waren auf jeden Fall viele Störfaktoren in der Band. Rein raus, rein raus und keine klaren Aussagen. Wo zum Beispiel auch der Tommy Fritsch eine große Rolle gespielt hat. Wir wollten dann das dritte mal was mit ihm zusammen machen. Er konnte sich da auch nicht entscheiden. Dann haben wir wieder dagehangen. Die drei Jahre mit Jonathan waren gut. Sehr gut sogar. Es waren auch von der Anzahl nur drei Leute. Da hast du keinen Zirkus. Null. Wir haben uns musikalisch verstanden. Dann wieder ein Bruch nach drei Jahren und wieder auf null. Wir haben zwar das Album „Disguise“ rausgebracht, welches ich auch vom Sound her super finde und dann hat sich das Schicksal mal erbarmt, mir ein bisschen schneller und besser zu Helfen als sonst. Und zwar war da der springende Punkt der Tommy Fritsch selber gewesen. Er hat Thorsten die „Disguise“ vorgespielt. Der hatte ja schon siebzehn Jahre nichts mehr gemacht...seit den UNDER SIEGE Zeiten. Er hatte auch mehrere Bands gehabt, wo teilweise auch hier die Bassfrau (Micha spricht von Basser Andreas/Anm. d. Verf.) dabei war und er fand das geil. Da geh ich mal hin und stell mich vor. Er ist in meinen Augen ein sehr guter Thrash Metal Drummer alter Schule. Da muss er mich nicht überzeugen, das mag ich halt. Dann hat er von seinem technischen Können, was mir persönlich gut gefällt, viel Dynamik und Leben in seinem Spiel und da braucht man mich nicht zwei mal zu fragen. Und dann fragte ich natürlich gleich mit meinem Schlappmaul: „Hast du auch noch einen Bassist, dass wir gleich weitermachen können?“ und dann kam sie (Bassist Andreas Vogel) eine Woche später dazu, ich war kurz im Keller gewesen und kam grad hoch. Ich ging gerade wieder in die Wohnung rein, da steht er plötzlich vor mir und sagt: „Ich geh grad auf die Toilette!“ Da hab ich gesagt: „Schlag mich bitte nicht!“

Aline: Steht da plötzlich so ein Riese vor einem rum...huuuh!

 

Micha: Da ich ihn ja auch schon ein, zwei mal gefragt hatte, um auch mal jemanden an meiner Seite zu haben, der mir was bringt, hat es sich für ihn auch ein bisschen einfacher gestaltet, wegen seiner alten Kumpels. Und dann habe ich gesagt: „Ok, da ich jetzt Leute am Start habe, die was können, machen wir jetzt wieder eine Band." Das wollte ich auch unbedingt. Ich wollte mich da komplett wieder rausnehmen. Bei mir soll jetzt nichts mehr haften bleiben, außer Gründungsmitglied...alles andere ist gelöscht. Das ist Geschichte. Wir legen jetzt neu los und dann wurde aus LEGAL HATE die „Avoider“. Das ist das Resultat. Das ist die ganze Geschichte, die für dich jetzt auch wichtig war, weil du LEGAL HATE von Anfang an kanntest und vieles miterlebt hast. Ja und ich hoffe, das war kurz genug. Das sind Jahre Männer, Jahre...hahaha!!!

 

Janko: Was war eigentlich der ausschlaggebende Punkt für den Wechsel von dir (Aline Hamela) vom Bass ans Mikro und was hat sich daraufhin am Sound geändert, außer der stimmlichen Gewalt?

 

Aline: Micha ist ja irgendwie aus der Not heraus Sänger geworden, weil er gesagt hatte, er macht jetzt seine eigene Band, er macht jetzt sein eigenes Ding. Er wollte aber eigentlich gar nicht unbedingt Sänger von einer Thrash Metal Band sein. Er hat’s gemacht und hat’s auch gut gemacht. Ich bin dann mit dem Bass eingestiegen und hab im Background immer mal mitgegrölt und viele haben gesagt, das klingt super gut, probier du doch auch mal zu singen. Ich wollte das aber ewig nicht, denn singen und gleichzeitig Instrument zu spielen ist unglaublich schwer. Man denkt das gar nicht, wie schwierig das ist. Schon im Background hab ich mich oft schwer getan, neben dem Bassspielen mitzusingen und dann habe ich gesagt, dann müsste ich ja das Bassspielen aufgeben, also zumindest in der Band und da hab ich mich lang mit schwer getan. Aber irgendwann haben sie so auf mich eingeprügelt, dass sie gesagt haben, sie wollen unbedingt, dass ich das mit dem Gesang mache, da habe ich halt irgendwann nachgegeben. 

Micha: Es wäre falsch gewesen das nicht zu machen, denn es hat die Band total aufgewertet, gegenüber meinem Gesang. Ich hatte dann auch nach der „Disguise“ gesagt, von mir kommt jetzt in dieser Hinsicht nichts mehr.

 

Aline: Was uns aber erst vor kurzem aufgefallen ist, dass ich früher bei den Background Vocals viel tiefer gegrowlt habe. Warum das so ist, kann ich dir gar nicht sagen.

 

Micha: Wir haben gekrischen, als du das in deinem Review angesprochen hast.

 

Aline: Aber das ist uns nicht aufgefallen. Wie du das gesagt hast, haben wir gedacht, ja stimmt...voll komisch. Oder als ich demletzt die alte CD gehört habe...hey krass, was ich eigentlich kann. Warum mach ich das eigentlich überhaupt nicht mehr.

 

Micha: Wir haben das vergessen. Wir haben das einfach vergessen.

 

Aline: Das Blöde ist, ich habe ja die alten Songs von Micha übernommen und habe sie im Prinzip so gesungen wie er. Dadurch war ich schon in dieser höheren Stimmlage und bin dann später auch gar nicht auf die Idee gekommen, die zu klonen.

 

Uwe: Wir brauchen für die nächste CD ja auch noch ein Steigerungspotential.

 

Janko: Stimmt und ich fände es gut, wenn die dunklen Sachen etwas langsamer sind...

 

Micha: Doomiger. Da sind wir zwei auch schon immer dabei. Das haben wir mit „Mass“ so ein bisschen gemacht...

 

Andreas: Ich muss ja dazu sagen, dass ich nur bei der Band geblieben bin, weil sie singt. Warum soll ich irgendwas machen, was mir nicht gefällt.

 

Micha: Dann wären es ja auch zwei Bassisten gewesen. Das wär ja sowieso sinnlos. Die alten LEGAL HATE Songs sind tiefer. Auf „B“ und die neuen sind jetzt auf „C“. Eigentlich auch die Höhe, die HATESPHERE spielt. PANTERA waren ja auch im Thrash Metal Bereich klar verständlich, weil Thrash Metal ja schnelle Gitarrenriffs bedeutet, auf „D“ ist das eigentlich besser. Das hatten wir auch zu Vitalis Zeiten mal probiert, aber das hat mit meiner Stimme nicht gepasst. Ich war dadurch einen halben Ton zu tief. Damit sind wir jetzt die ganze Zeit auf „C“ geblieben. Nicht zu tief und nicht zu hoch und trotzdem garstig. Ich freue mich jedesmal wieder, wenn ich anfange und denke mir: Ja doch, ist gut! Ich hatte mal ein paar Anwandlungen, auf „A“ zu stimmen. Da habe ich in der Musikschule mal runtergetunt und dachte: Oaaah, fett! Aber ich denke, das Hauptpotential für die nächste CD wird auf Alines Gesang ausgerichtet sein. Und da ist das, was Uwe gesagt hat eigentlich gar nicht so schlecht, dass wir es vergessen hatten, dass aber dadurch noch ne Steigerung möglich ist. 

Janko: Wie muss man sich eigentlich eine Produktion in deinem WAGWETZ Studio vorstellen und woher kommt eigentlich dieser eigenwillige Name?

 

Micha: Ich hatte einen Ziehsohn von Simone K. und als ich mit dem Tonstudio angefangen habe, suchte ich nach einem Namen. Ich wollte es nicht einfach Audio-, oder Sampletude Studio oder was weiß ich wie nennen und damals gab es eine Kindersendung auf Nickelodeon, die hießen „Die Rugrats“. Da sind so kleine Babies rum und er hat dazu immer Wagwetz gesagt. Das war super. WAGWETZ Tonstudio. Keine Sau weiß, was das ist und es ist auch mal was anderes. 

 

Janko: Ich kenne die Rugrats und habe die Parallele auch schon in Erwägung gezogen. Wenn man jedoch WAGWETZ bei Google eingibt, bekommt man eigentlich „nur“ dein Studio angezeigt, aber so soll es ja auch sein...hahaha.

 


Micha: Die Produktion läuft, wie in jedem anderen Studio auch, overdubbing-mäßig, nacheinander, erst Pilotspur, dann die Drums, mit Klick, ohne Klick, mit Brustwarzen, ohne Brustwarzen, dann die Gitarren. Die werden gedoppelt oder getrippelt und dann nehm ich den Bass und zum Schluss den Gesang und dann die Bläser und dann das Keyboard...hahaha!

Janko: Das wird dann übereinander gelegt, um einen voluminöseren Klang zu erhalten oder wie muss ich mir das vorstellen?

 

Micha: EXODUS sollen ihre Gitarren angeblich achtfach eingespielt haben. Vier rechts, vier links, um den Sound fetter zu machen. Du kannst diesen Sound nicht durch duplizieren oder irgendwelche Plug-Ins herbeiproduzieren, weil der Mensch immer noch der Mensch ist und da kannst du machen was du willst, da gibt es immer noch diese minimalsten Verzögerungen, Zuckungen und so weiter. Die eben dann dieses Voluminöse, Wuchtige erzeugen.

 

Janko: Wo was fehlt, wird dann wieder aufgefüllt...

 

Micha. Richtig. Das kannst du zumindest 2016 immer noch nicht künstlich herstellen. Wir haben jetzt vier Spuren pro Seite, aber zwei mal eingespielt. Also zwei Mikrophone, verschieden klingend, dass ich alle Frequenzbereiche abdecke und der Sound dadurch fett wird. Dann war da der Bass und das Geplärre, wobei mir das in meiner gesamten Laufbahn am besten gelungen ist. Das war immer ein Problem. Was natürlich schwierig ist, wenn du Bandmitglied und gleichzeitig Produzent bist, du bist zu nah an den Leuten und musst dann doch auf Wünsche eingehen, obwohl du sagst, du produzierst das. Ich hätte den Bass zum Beispiel ganz anders gemacht, mehr Klicker zum Beispiel. Aber wenn das Gesamtpaket stimmt und es nicht technisch zu bekloppt wird, was ja dann ein Fehler ist, dann ist es o.k. Dann wird gemixt und gemastert. Ich hatte vor Jahren mal bei Classen (Andy Classen - ex Gitarrist von HOLY MOSES und ex Mann von Sabina Classen/Sängerin bei HOLY MOSES/Produzent von u.a.: ASPHYX, BELPHEGOR, DESTRUCTION, DEW-SCENTED, DIE APO REITER, DISBELIEF, GRAVEWORM, KRISIUN, LEGION OF THE DAMNED, ROTTING CHRIST, SUIDAKRA, TANKARD; Anm. d. Verf.) angefragt, ob er mir das mixt und mastert. Als er mir was zurückgeschickt hat, habe ich gesagt, das kann ich auch. Ohne, dass es jetzt überheblich klingen soll. Er hatte das dann so erklärt, dass er lieber die ganze Band von vorne bis hinten produzieren will, weil er dann weiß, was er gemacht hat, was ich auch wiederum verstehen kann. Er hat mir da auch ein paar richtig gute Angebote gemacht. Aber wir haben ja alles hier.

Janko: Wenn ich deine jetzige Produktion höre, wüsste ich auch nicht, was es da jetzt großartig besser zu machen gäbe.

 

Micha: Ich momentan auch nicht. Mir gefällt die Produktion.

 

Janko: Ich hatte ja geschrieben, dass sich die Aufnahmen anhören wie Live Takes. Richtig fett. Ihr habt da nen richtig guten Sound eingefangen.

 

Micha: Wir finden, dass das was du geschrieben hast, richtig auf den Punkt gebracht ist. Auch wenn wir Kumpels sind, dass du stets sachlich bleibst und sagst, wie es ist.

 

Janko: Ich war auch ganz schön streng, denn ich möchte mir keinesfalls nachsagen lassen, dass ich Bonuspunkte verteile.

 

Micha: Aber das habe ich an dir immer gemocht. Ich glaube, du bist dir gar nicht bewusst, dass ich immer viel auf deine Meinung gegeben habe. Wir waren beide immer besoffen und haben darüber geredet und da habe ich dir schon immer gesagt, was ich an dir schätze ist, dass du es sagst, wie es ist. Ohne Schnörkel, wobei du auch ne Art hast, bei der man das auch nicht als Angriff sieht. Du bis musikinteressiert und du machst dir ernsthafte Gedanken und das will man dann halt auch. Man will eigentlich gar nicht die Kumpels, die sagen: Ach, ihr wart so geil...und du denkst, was für ein Scheiße heute Abend. Saite kaputt, ich hab überhaupt nicht gespielt oder ich war gar nicht da oder sonst was, aber geil war’s trotzdem...du warst so super. Als Christian Liebig mit uns auf der Bühne war, habe ich die Leute gefragt: Und? Wie fandest du unseren neuen Gitarrist? Da hieß es: „Was? Ihr hattet nen zweiten Gitarrist?“ Da waren Leute da, die haben den gar nicht wahrgenommen. Tatsache! Da hatten wir in Reichelsheim gespielt. 

Aline: Ja, der stand doch da vor den Leuten. „Ja, den haben wir gar nicht gesehen.“ Wie gemein....hahaha.

 

Uwe: Tarnkappe aufgesetzt. 

 

Janko: Wer schreibt bei euch die Songs und wer die Texte oder wird das demokratisch abgesprochen?

 

Micha: Hier herrscht Demokratie.

 

Aline: Ich schreib alle Texte. Es fragt auch keiner, um was die gehen. Das interessiert die Band eigentlich nicht so wirklich. Die wissen manchmal gar nicht, was sie da spielen, wenn ich was sing...hahaha. Nee, das wissen die schon, aber die Texte schreibe ich.

 

Janko: Und warum habt ihr diese One-Word-Tracks? Das hat ja eine gewisse Tradition.

 

Aline: Das wurde auferlegt, das muss anscheinend so sein. Ich persönlich würde das so nicht machen, aber da das immer so war und das witzig war, haben wir das beibehalten.

 

Micha: Der Hintergrund ist ziemlich banal. Ich habe mir mein Leben lang Gedanken gemacht, warum immer die anderen die guten Ideen hatten. Ich habe das dann einfach mal gemacht und auch schon viel Kritik dafür bekommen. „Was soll das eigentlich und überhaupt.“ Na ja, aber auch bei negativer Kritik bleibst du im Gespräch. Das war einfach mal ein Versuch. Du sitzt irgendwann einmal auf einer Party, hörst was und denkst: Oaaah, wie geil ist das denn! Als wir auf dem TRAFFIC JAM waren, habe ich zum Erik gesagt, lass uns mal Rap Gesang, mit fetten, tiefgestimmten Gitarren und Ultra-Beats reinbomben. Kennst du HACKTIVIST? Die haben achtsaitge Gitarren, zwei Sänger. Ein Schwarzer und ein Weißer, obwohl ich damit betonen will, dass der Schwarze nen geileren Slang hat. Die haben das einfach im Blut...der Soul. Fette Beats hinten dran, achtsaitige Gitarren, nen Bass und ne fette Bühnenshow. Die haben was gemacht, da habe ich gedacht: Das gibt’s doch gar nicht. Schon wieder ne Idee, die ich auch schon im Kopf, aber nie ausgeführt hatte. Die haben Layersounds dazu laufen lassen, ohne Keyboarder, ohne Sampler, einfach nur dazu laufen lassen. Brutalst fett. Der Bassist sieht aus wie ein Perser, der Drummer hat alles vermöbelt und die zwei Sänger haben 'de Aff' gemacht. Super, ich war sofort begeistert. Ich hab' die von draußen schon gehört und wenn mich da schon jemand kriegt...das war der Hammer und dann sind wir schon schneller gelaufen. Die waren wirklich fett bis zum Schluss. Wieder die anderen, die die besseren Ideen hatten. 

Janko: Na ja, du hattest sie ja auch, aber eben nicht umgesetzt.

 

Aline: Aber der Erik wollte das auch nicht oder?

 

Micha: Nee, Erik wollte das schon. Zu CLAWFINGER Zeiten. Wir hatten nur niemanden, der das konnte. Der Oliver Bauer hatte es probiert, der war dann bei DEEPAK und die haben gesagt, sag mal, singst du immer das selbe und dann war er draußen. 

Janko: Gibt es zu „Avoider“ eigentlich eine Kernaussage?

 

Aline: „Avoider“ birgt viel Gesellschaftskritik. Avoider ist ein Wort, dass ich selbst kreiert habe, das gibt es im Englischen nicht. To avoid heißt ja „vermeiden“ und der Avoider ist eben der „Vermeider“. Da geht es um alles was vermieden wird. Dinge, über die man nicht sprechen will, dass Leute es am Liebsten vermeiden, es gar nicht wahr haben wollen und die Augen verschließen vor allem was unangenehm oder nicht so passend für sie ist.

 

Janko: Es geht wohl auch darum, dass man in gewissen Situationen nicht so gerne die Wahrheit sagt. 

 

Micha: Ja genau. Alle sprechen davon, aber wenn du die Wahrheit sagst, bist du das Arschloch.

 

Aline: Es wird allgemein vermieden, über gewisse Themen in der Gesellschaft zu sprechen. Es wird nicht über den Tod gesprochen. Es wird nicht darüber gesprochen, was im Krieg passiert. Es wird alles totgeschwiegen. Wenn du dich damit wirklich beschäftigst, dann weißt du auch was passiert. Aber wenn nicht, dann weißt du es nun mal nicht. Ich wusste nicht, dass sich jeden Tag zweiundzwanzig Soldaten weltweit umbringen, weil sie es nicht hinkriegen, wenn sie aus dem Krieg kommen. Das wusste ich nicht, dass habe ich demletzt gelesen. Jeden Tag zweiundzwanzig Suizide von Soldaten...das weiß aber keiner. Es wird auch vermieden darüber zu reden, weil das Thema einfach weggedrängt wird, was meiner Meinung nach nicht in Ordnung ist. So etwas geht mir halt auf die Nerven. Oder wenn man den Kindern nicht die Wahrheit sagt, auch wenn sie die Wahrheit vertragen könnten. So etwas geht mir halt einfach auf den Sack, dass die Leute es einfach vermeiden, weil es nicht schön ist und das ist nicht richtig. Weil jeder das Recht hat zu entscheiden, was gut und was schlecht ist.

 

Janko: Das will halt keiner Hören. Die Leute wollen Spaß haben und ein fröhliches Leben führen.

 

Aline: Ja, aber auf Kosten anderer. Auf Kosten von anderen Menschen, auf Kosten der ganzen Welt, auf Kosten von Tieren. Das kotzt mich halt an und dass den Kindern nicht erklärt wird, wie es wirklich ist.

 

Janko: Lisa (meine Stieftochter) hatte mich mal gefragt, warum es den Menschen in Afrika so schlecht geht. Ich habe ihr darauf geantwortet: „Damit es uns gut geht"! Ich habe ihr danach aber auch erklärt, was ich damit meine.

 

Alnie: Aber genau das ist es, was Eltern leider viel zu selten machen. 

Janko: Worin seht ihr die hauptsächlichen Unterschiede und hauptsächlichen Fortschritte zu eurem Vorgänger „Disguise“?

 

Micha: Es ist wieder ein größerer Thrashanteil rein gekommen. Von der technischen Seite her war der Sound eine klare Steigerung. Man will ja auch einen fetten Sound haben und das ist kein einfaches Unterfangen. Und vom Riffing her habe ich mich total gefreut mit Uwe zusammenzuarbeiten, weil er mir richtig was bringt. Wir verstehen uns super und da gibt es kein höher, schlechter, tiefer oder sonstwas. Wir haben beide einen Riesenspaß Gitarre zu spielen. Da gibt es auch keine Rang- oder Hackordnung. Wenn er ein fettes Teil hat, sage ich: „Alle klar, nehmen wir!“ Umgedreht natürlich genauso. Wir passen so ein bisschen auf uns auf, dass zum Beispiel Fehler, die sich auf normalem Wege bei einer Probe einschleichen minimiert werden. Wir können uns positiv kontrollieren, ohne dass es einem der Andere krumm nimmt. Das ist im Endeffekt auch eine Bereicherung für den Druck, den wir live den Leuten anbieten können. Das heißt, die bekommen dann ein Setup, bei dem sich die Leute in der Band Gedanken gemacht haben, dass es richtig vorwärts geht...mit Sinn und Verstand.

 

Janko: Zwei Songs auf „Avoider“ sind vom „Disguise“, bzw. „Forlorn“ Album im neuen Aline-Style, wie ich es genannt habe. Warum habt ihr ausgerechnet „Powergreen“ und „Never“ gewählt? Du hattest ja mal angedeutet, das wäre wie neue Versionen, aber die anderen Songs wären ja sicherlich auch wie neue Versionen gewesen. Warum also speziell diese beiden Songs?

 

Micha: Das lässt sich ziemlich einfach erklären. Als wir in dieser Konstellation angefangen haben, habe ich zu unserem Drummer gesagt: „So hat sich das angehört. So haben wir das gespielt, aber ich lass dir die Freiheit es aufzuwerten.“ Und dann hat er aus „Never“ einen absoluten Brecher gemacht. Dann hat Andreas zu mir gesagt, bei „Powergreen“ wäre ein METALLICA Wimp-Pussy Teil drin, das geht nicht, der muss raus. Im Endeffekt waren diese zwei Songs so stark verändert, dass es unseres Erachtens nach komplett neue Songs geworden sind.

 

Aline: Da haben wir uns gesagt, wir nehmen die noch mal neu auf, weil die uns so gut gefallen haben.

 

Micha: „Never“ und „Powergreen“ sind jetzt definitiv anders. Da sind andere Parts drin. Auch bei „Never“. Nicht nur das Schlagzeug, sondern Uwe hat in der Mitte einen neuen Gitarrenpart gemacht. Alles in unserem Erachten zum Besseren. Da mehr als 50% verändert waren, galt das für uns als neues Lied, was man ja auch gerne vergleichen kann. 

Janko: Das Coverartwörk ist von dem legendären, The-One-And-Only...(die komplette Band lacht herzlich) Christopher „Stripe“ Schinzel (ANVIL, VICIOUS RUMOURS; Anm. d. Verf.) entworfen worden. Habt ihr ihm genau gesagt, was ihr haben wollt oder hat er eigene Ideen eingebracht?

 

Aline: Ich hatte ja das Thema mit dem Vermeiden und da kamen wir auf die "nichts hören, nichts sehen, nichts sagen“ Idee und das hat er dann mit den drei Totenköpfen umgesetzt.

 

Janko: Beim ersten Album waren es ja auch schon mal drei Totenköpfe. Hat das eine besondere Bewandtnis?

 

Aline: Das ist Zufall. Wir hatten ihm das mit den drei Totenköpfen gar nicht gesagt. Nur, dass das Thema mit den drei Affen doch ganz cool wäre.

 

Micha: Ich hatte dann wegen der drei Totenköpfe gesagt: „Scheiße, das hatten wir schon mal.“, aber die Band hat sich dafür entschieden und gesagt, das ist egal.

 

Janko: Ihr habt ja im November letzten Jahres ein Konzert mit EISREGEN, DEBAUCHERY und MILKING THE GOATMACHINE gespielt. Wie kam es dazu? Hat Chris Bunke (New Evil Music / Rock The Nation) euch den Slot organisiert?

 

Micha: Es war ein Platz frei und ich hatte ihn gefragt. Wir hatten eigentlich darüber gesprochen, wie teuer heute eigentlich Pay-To-Play ist (gängige Variante im Tourbereich: Eine oder mehrere unbekannte Bands zahlen, damit sie mit einer bekannteren Band auf Tour gehen und sich vor einem größeren Publikum präsentieren können; Anm. d. Verf.). Was ich überhaupt bezahlen müsste, um mal einen Slot zu bekommen, der anständig wäre. Er meinte, da gibt es alle Bereiche. Ich habe ihn immer mal gefragt, ob er mal wieder was für uns hat. Er mag ja selber LEGAL HATE und wenn mal was dabei ist, dann nimmt er uns auch mit rein, was ich supercool finde. Das war wider Erwarten so ein fettes Konzert für uns alle. Wir waren um 19:20 Uhr dran und haben gesagt, o.k., wir geben wahrscheinlich unsere 30-Mann Nummer und auf einmal hat es da sprichwörtlich einen Schlag getan. Die Leute sind rangeströmt und wir auf der Bühne dachten, nur stehen bleiben müssen sie jetzt. Dann haben wir gewonnen...und genauso war’s. Bis zur Theke, ein bisschen gespickt, aber Christian meinte 350 Leute dürfen rein und 340 Karten waren verkauft...und es war voll. Das war natürlich ein Megapush für uns. Das hat so richtig Laune gemacht. Mit richtig guter Resonanz von Fremden, was ja sehr wichtig ist.

 

Aline: Danach haben uns ne ganze Menge Leute angeschrieben. Das war echt cool. Also ganz fremde Leute, die total begeistert waren.

 

Micha: Da haben wir natürlich wieder das alte Thema. Da hast du so einen fetten Gig, bei dem du Wind machst und dann müsstest du eigentlich eine Woche und noch mal vierzehn Tage später wieder und wieder auftreten, damit du dich hochschaffen kannst. Und das ist natürlich...na ja, brauch ich dir ja nicht zu erzählen. So war das nach dem Colos-Saal auch. Da sind Leute zu uns gekommen, die meinten: „Fett, wir waren zwar wegen DISBELIEF da, aber ihr habt ja so einen Alarm gemacht. Das war klasse.“ Da waren wir noch zu dritt. Auch da gab es von Fremden wieder positives Feedback und dann wieder der Abbruch, weil wir keine Folgekonzerte hatten. Wir reden bei den vier Konzerte, die wir jetzt haben bereits von einer Tour...hahaha. Das muss man ja mal dazu sagen.

 

Janko: Ja, ich hab das auf eurer Facebook Seite gelesen.

 

Aline: Die kleine Hessentour...hahaha...oder Landreis Darmstadt/Dieburg Tour.

 

Thorsten: Wobei man auch dazusagen muss, dass zeitlich auch nicht viel mehr geht. 

Janko: Ist denn mittlerweile eigentlich mal ein Label in Sicht?

 

Micha: Wir hatten mal eins in New York , aber wollten denen wohl etwas zu viel im Vertrag ändern. Sie hatten es zwar bejaht, dass sie uns unter den Bedingungen nehmen wollen, aber dann ist das Label leider Pleite gegangen, vermute ich. Also nicht wegen uns...

 

Janko: Ich wärt deren Rettung gewesen...

 

Micha (zu seinen Bandmitgliedern): Ja, guckt mal, habt ihr das eben gehört? Das baut auf!

 

Janko: Die Amis hören doch genau solche Musik.

 

Micha: Also LEGAL HATE in Amerika wär der Brüller. Die rasten aus. Manuela Petri (ex-Schlagzeugerin) hatte da damals so ein bisschen was verteilt...und die Amis meinten alle, wie geil ist das denn. Das wäre ähnlich wie bei RAMMSTEIN. In Deutschland war nix gewesen, in Amerika haben sie abgeräumt und dann ging’s hier erst richtig los. So Musik in Amerika, da rasten alle aus. Es geht natürlich auch um Vitamin B und Geld. Wenn wir einen Millionär in der Band hätten, dann wären wir innerhalb von vier Wochen in allen Rotationen drin, weil du dich natürlich hochkaufen kannst. Dann gehst du mit SLAYER auf Tournee. Das kaufst du dir dann einfach, wenn du die Kohle hast.

 

Aline: Du kriegst ja auch Anfragen von mittelgroßen Bands, die ne Deutschlandtour machen.

 

Micha: SIX FEET UNDER wollten uns mal mitnehmen.

 

Aline:  Ja, da kannst du mitfahren, wenn du 6.000 Euro zahlst.

 

Micha: Das kennst du ja alles. Pay-To-Play, aber du hast halt einfach die Chance, wie es OBSCURITY, bzw. DOWNSCAPE (ex-Drummer Erik Müller’s damalige zweite Band ging Ende 2005 mit VITAL REMAINS auf Tour/Anm. d. Verf.) ja auch gemacht haben. That’s the way...

 

Aline: Die haben damals gesagt, machen wir den Spaß halt mal mit. Das war wie ein fetter, geiler, super Urlaub. Das würde bei uns aber von der Zeit her nicht gehen.

 

Micha: Ach hey komm, so schlimm ist das gar nicht.

 

Aline: Da müsste man halt Urlaub machen.

 

Andreas: Ja und dann müssten wir zur Physio und bräuchten nen Sauerstoffzelt und Krücken...

 

Thorsten: Ich will das gar nicht. Für mich ist das ein Hobby.

 

Andreas: Die Zeiten sind rum.

 

Aline: Aber es wäre halt schön, im Sommer ein paar mehr Festivalauftritte zu haben. Wir haben uns beim Summer Breeze, beim Ragnaröck und diversen anderen Festivals beworben und niemand hat reagiert.

 

Janko: Das ist natürlich Mist, aber deswegen würde ich erst recht nicht aufgeben. Was kann man in deiner Musikschule denn eigentlich alles lernen, Micha?

 

Micha: Schlagzeug, Keybord, Klavier, Bass, E-und A-Gitarre, Saxophon, Klarinette und Flöte. Mach doch mit der Leila heute Abend mal ein Buschen und wenn der dann zwischen zwei und fünf ist, kannst du ihn dann bei Aline zur musikalischen Früherziehung anmelden.

 

Aline: Wir decken eigentlich alles ab. Von 2 bis 99 Jahren.

 

Janko: Wenn ich mal alt bin, aber dann bist du ja auch alt, dann komme ich selbst noch mal auf dich zurück, denn es soll vorbeugend gegen Demenz sein, im Alter noch einmal ein Instrument zu lernen.

 

Micha: Ja, weil dein Gehirn so dermaßen gefordert wird...das ist das Beste was du machen kannst. 

Janko: Du hattest mir mal gesagt, dass ziemlich viel Kritik bezüglich des „Forlorn“ Albums kam.

 

Micha: Die „Forlorn“ ist aber auch verständlicherweise teilweise etwas zerrissen worden. Auch vom Soundpaket. Wir hatten die Drummerwechsel Geschichte. Der Vitali hat uns später noch mal die Drums vom Jonathan neu programmiert und geradegerückt. Wir hatten sogar noch mal eine Neuauflage. Das Lied „Forlorn“ sollte ja eigentlich noch mit dem Erik sein. Das hatten wir zu seinen Lebzeiten schon „Forlorn“ genannt und dann war er „Forlorn“ (verloren, einsam, trostlos), deswegen war das mit dem Titel klar. Die CD ist schon, vom Sound, vom Können vom alten Drummer und vom Gesang her, berechtigterweise zerrissen worden. In dem Album war einfach keine Ruhe drin. Ich meine NEVERMORE hatte auch solche Alben abgeliefert, die hatten ja noch schlechtere Sounds und haben das noch mal neu aufgenommen. Janko, das ist halt das Problem. Bist du irgendeine eine Null in Spachbrücken, bist du gleich immer Kritik Nummer eins, aber machen es die ganz Großen...nehmen wir mal das „St. Anger“ Album (METALLICA)...also wenn mir da einer sagt, die Snare geht ihm nicht auf den Sack, dann lügt er...(allgemeines Gelächter). Das ist halt der Bob Rock gewesen. Die hätten besser ihr Album bei mir gemacht.

 

Janko: Die Snare ist ja bei dir auch immer sehr präsent, aber gerade dieses mal finde ich alles gleichmäßig präsent. Es ist alles sehr harmonisch aufgenommen.

 

Micha: Das war auch mein Ziel. Beim Vormaster waren die Gitarren allerdings noch etwas wuchtiger gewesen.

 

Janko: Ich finde, dass der Gesang mit dem Instrumentalsektion sehr gut harmoniert. Weil du die Stimme gut hörst, du hörst auch die Aggressivität raus...bei manchen Bands, gerade wenn die Instrumentierung weit in den Hintergrund gerückt ist, baut sich da einfach kein Druck auf. Du hast Druck von den Drums, von den Gitarren, den Bass hört man gut. Ich finde es ist eine homogene Aufnahme.

 

Micha: Ja, das Wort habe ich auch des Öfteren Aline gegenüber geäußert. Das war mein Ziel. Ich wollte es tatsächlich genau so, wie es geworden ist.

 

Und genau aus diesem Grund solltet ihr euch „Avoider“ unbedingt besorgen. Gestandene Musiker, gestandener Produzent, verdammt geile Arrangements und was am allerwichtigsten ist: angemessene, aggressive Brutalität in technischer Perfektion.

 

Ich wohnte direkt im Anschluss an das Interview einer LEGAL HATE Bandprobe bei, die mit einer Luftfeuchtigkeit von ca. 60% begann und mit 85% endete. Nach meinem Privatkonzert wurde ich noch in absoluter LEGAL HATE Manier mit dem Vorgängeralbum "Disguise", welches mir noch als Original fehlte, um meine Sammlung zu komplettieren, einem LEGAL HATE T-Shirt und hochwertigen LEGAL HATE Ohrstöpseln in einem Metallcase bedacht. Die gesamte Band ist wirklich sehr zugänglich, sympathisch, äußerst routiniert und tiefenentspannt. Das einzig übrig gebliebene Gründungsmitglied Michael Hamela ist ein feiner Kerl, der über all die Jahre seine Faszination und Euphorie nicht im geringsten eingebüßt hat. Noch immer erzählt er enthusiastisch und voller Elan von seinem Baby LEGAL HATE. 

 

Am 03.12.2016 zerstören LEGAL HATE übrigens gemeinsam mit vier (!!!) weiteren Bands (PILOTS NOT FLYING, GODSKILL, BURNING WIRE und SECOND AID) das Jugencafé in Dieburg (Eintritt: läppische, aber verdammt gut angelegte 5,- Euro!!!). Wahrscheinlich die letzte Chance in diesem, sich dem Ende neigenden Jahr, LEGAL HATEs extreme Bühnen Performance zu genießen. So be there…or cry later!!!

 

 

LEGAL HATE in der aktuellen Besetzung:

Torsten Vollhardt – Schlagzeug (seit 2013)

Michael „Micha“ Hamela – Guitars (seit 2002)

Aline Hamela – Vocals (seit 2005)

Uwe Becker – Guitars (seit 2013)

Andreas Vogel – Bass (seit 2013)

 

www.legalhate.de

 

 

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