MICHAEL DIETRICH - Across Open Seas

(Eigenproduktion)

 

Es gibt sie also tatsächlich noch, die echten Singer/Songwriter, die mit Leichtigkeit aus einem weitläufigen Kreativitäts- und Qualitätspool schöpfen können, um sinnliche, charismatische und treibende Kompositionen zu erschaffen. Nach seinem Debüt „Down Empty Streets“, ist „Across Open Seas“ nun der zweite Output, des aus Karlsruhe stammenden Künstlers MICHAEL DIETRICH. Neben seiner Aktivität als Sänger und Gitarrist der Rock Band DEAD MAN’S BOOGIE, lebt er seine überbordende Kreativität zusätzlich als Komponist und musikalischer Leiter diverser Musicals, sowie in seinem Soloprojekt aus.

 

Mal ruhig balladesk, mal progressiv rockig, zelebriert MICHAEL DIETRICH, der eine klassische Ausbildung genossen hat, zusammen mit vier weiteren Musikern insgesamt zehn Tracks, die 50:09 Minuten lang zum Wegdriften in eigens kreierte Traumwelten einladen und beweist damit ein gutes Händchen für akustikbetonte, emotionale, gefühlvolle und eingängige Rock Nummern. 

Es sind diese sympathischen und einfühlsamen Kompositionen, mit ihren einprägsamen Melodien, die das musikalische, wie textliche Gedankengut in ihrer feinen, tiefgründigen und melancholischen Art ummanteln. Feine Keyboard Sound Layers und wundervolle Stereo- und Raumklang Effekte greifen mit Geschick und viel Liebe zum Detail an den richtigen Stellen in das musikalische Geschehen ein. Die, zwar nicht unbedingt außergewöhnliche, dafür aber warme, einfühlsame Klangfarbe seiner Stimme schmiegt sich perfekt an die akustischen Elemente der zauberhaft arrangierten Songs an. Zumeist schlägt der Komponist ruhige, bedächtige Töne an, die zu einem großen Teil Richtung Bon Jovi gehen. Die Stücke sind allerdings bei weitem nicht so effekthascherisch und poppig aufgebaut. Man bleibt auch wesentlich ernsthafter und authentischer, als der angesprochene Altrocker. 

 

Mit den unterschiedlichsten Country-, Blues und Folkanleihen, orientalischen Klängen, verschiedenen Perkussionsinstrumenten, Violine, Flöte, Cello, Harfe, ab und an einsetzenden weiblichen Gesangsperformances oder auch mal Chorus, was den Songs zusätzliches Volumen, Wärme und Tragkraft verleiht, schüttelt MICHAEL DIETRICH ganz lässig eine starke Nummer nach der anderen aus dem Ärmel. Mit Hoffnung spendender Leidenschaft und Gefühl transportierender, eigenständiger Atmosphäre untermalt der Künstler die glasklare Produktion, die genau das Richtige für audiophile Akustikliebhaber zu sein scheint. 

Wer sich auf anspruchsvolle, seichte und ruhige, akustikgestützte Musik einlassen will, kommt hier voll auf seine Kosten, denn „Across Open Seas“ atmet Freiheit, ist lebendige Natur und öffnet sich bereits nach wenigen Durchgängen wie eine Knospe zu einer herrlich farbenfrohen, wohlduftenden Blüte. Musik für Sommer und Sonnenuntergang am Lagerfeuer oder bei den momentan vorherrschenden Temperaturen wohl eher für schöne Stunden in wohliger Zweisamkeit vor dem flackernden Kamin. Modern interpretierte Rock Nummern der alten Schule eben, wobei der fünfte Track „The Open Sea“ beispielsweise starke Parallelen zum Überhit „Dust in the Wind“ der US-amerikanischen Rockband KANSAS aufweist oder das darauffolgende „Chasing The Morning Star“, mit seiner extravaganten Gesangslinien, eine leicht kranke Nummer mit verzerrtem Bass ist, die durchaus ein wenig an THE DOORS erinnert und zusätzlich die bereits angesprochenen orientalischen Klänge bietet. Auch URIAH HEEP, LED ZEPPELIN oder Ritchie Blackmore Anleihen kommen mir in den Sinn, beschreiten dabei zeitweise auch mal Pfade wie sie Tom Petty geebnet hat, sind dabei aber nicht so extrovertiert, sondern eher etwas ruhiger und introvertierter.

Des Weiteren möchte ich noch die bärenstarken Nummern „To The Farthest Shore“, „The Oneironaut“ und den Opener „Running Against The Wind“ besonders hervorheben. MICHAEL DIETRICH hat auf „Across Open Seas” wirklich farbenprächtige Klangwelten und lebhafte Gitarrensoli, wie zum Beispiel auf „Blind Leading The Blind“ eingefangen. Wäre der Künstler/Komponist gesangstechnisch zu etwas mehr Risiko bereit, könnte man ihn vielleicht irgendwann in den Rockolymp heben. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Streamen oder downloaden könnt ihr das Album über die üblichen Verdächtigen, wie Spotify oder Bandcamp. Bestellen könnt ihr das Digipak, mit dem wunderschönen und wie die Faust auf’s Auge passenden Artwork, für 10,- Euro exkl. Versand über unten stehende Webseite des Künstlers.

 

 

www.michaeldietrich.org

 

Meine Wertung: 85/100

 

 

 

Hier könnt ihr euch das Lyric Video zum "Across Open Seas" Opener "Running Against The Wind" reinziehen: