Streetdate: 17.03.2017 / Relapse Records
Streetdate: 17.03.2017 / Relapse Records

OBITUARY - Obituary

(Relapse Records)

 

Was soll man noch großartig über Floridas Death Metal Veteranen OBITUARY sagen, die dieser Tage, in ihrem 28. Lebensjahr ihren zehnten und selbstbetitelten Studiobratling herausbringen? Die US Boys sind sich in diesen fast drei Dekaden stets treu geblieben und kaum auch nur einen Millimeter von ihrem ureigenen, düsteren und schweren Death Metal Style abgewichen. Mit Sänger John Tardy, Schlagwerker Donald Tardy, sowie Gitarrist Trevor Peres tummeln sich noch immer drei Gründungsmitglieder in der Band, was in dieser Art sicherlich auch eher unüblich ist. Dennoch sind sie nie langweilig geworden und haben sich Album für Album neu erfunden oder zumindest kontinuierlich weiterentwickelt.

 

So auch auf dem neuesten Werk „Obituary“. Mir fehlen zwar dieses Mal etwas die tiefenverzerrten Knochensägen, dafür sind allerdings vermehrt schneidende Soli hinzugekommen, worunter die bedrohliche Dramaturgie, sowie die düstere Grundstimmung, die ich an OBI immer so geliebt habe etwas zu leiden haben. Mit den genialen OBI-Melancholie Gitarrensoli direkt aus der Gruft wurden die riffbetonten Florida Death Metal Monster jedoch in ein etwas schnelleres, thrashigeres Gewand gehüllt. Das mag zum einen daran liegen, dass Stimme und Gitarren nicht mehr ganz so tief und kraftvoll brummen, zum anderen aber auch daran, dass man sich auch ein wenig neu ausrichten möchte oder vielleicht sogar muss. Natürlich sind die Vokills immer noch unverkennbar und 100% John Tardy, allerdings umfassen sie längst nicht mehr die komplette Range der Anfangstage, wie sie es einstmals zu leisten vermochten (ich meine das, was beispielsweise im Mittelteil zu „Straight To Hell“ geboten wird). Aber John ist die Tage (am 15.03.2017) auch immerhin schon 49 Jahre alt geworden.

 

Die Songs auf „Obituary“ sind thrashiger geworden und mit einer stärker ausgeprägten Bleifussmentalität gesegnet, als man das von Floridas finest ansonsten gewohnt ist. Dadurch besitzen die Songs auch eine nicht mehr ganz so sinistere Atmosphäre. An Aggressivität, Identität und ihrer ganz persönlichen Note lassen es die Florida Death Metaller aber nach wie vor nicht missen, was unter dem Wust an Veröffentlichungen und neuen Bands ein gewisses Alleinstellungsmerkmal darstellt. Hört man einen OBI Songs, weiß man sofort, dass man es hier mit einer Aufnahme der Sonnenstaatler zu tun hat. "Obituary" beinhaltet zehn neue Songs, sowie den Titelsong vom "Ten Thousand Ways To Die" Live Album aus dem Oktober 2016. Derbes, gutturales Shouting, schräge, wabernde Soli, wüstes, zielstrebiges Drumming, aber leider auch relativ gewöhnlich Nummern schranzen die Oldschool Verfechter in 36:28 Minuten vom Leder. Als OBITUARY Fan der ersten Stunde hänge ich die Messlatte natürlich automatisch sehr hoch, muss jedoch zugeben, dass mich das neue Material auch ansonsten nicht so wirklich vom Hocker reißt. Da haben mir die Frühwerke doch deutlich besser gefallen, waren diese noch wesentlich innovativer und strotzten geradezu vor Leidenschaft. Dass sie es allerdings noch voll drauf haben, beweist der Nackenbrecher „End It Now“, der mit seinem Stakkatoriffing nicht ganz so schnell, dafür aber nicht minder deftig aus den Boxen stampft und mich doch endlich mal an die guten alten Zeiten erinnert. Auch das bereits angesprochene "Ten Thousand Ways To Die" ist ein ziemliches Brett, welches ich in meine OBI Alltime Faves Liste aufnehmen werde. Mit dem letzten Song und Deluxe Bonus Track „No Hope“ haben OBITUARY noch einen brachialen midtempo Kracher abgeliefert.

 

 

„Obituary“ ist ein durchaus gutes und solides Album geworden. Nicht mehr und nicht weniger. Die kaltschnäutzige Coolness und die einnehmende Frische von früher vermisse ich jedoch schmerzlich. Das Ganze klingt mir zu sehr nach business as usual. Wo sind bloß die Songs wie „Cause Of Death“, „Chopped In Half“ „Threatening Skies“,„Slowly We Rot”, „Turned Inside Out“, „Don’t Care“,„Intoxicated”, „Infected” oder das genial CELTIC FROST Cover „Circle Of The Tyrants” geblieben? Obwohl sich so einige Riffs wiederholen oder sich früheren Spielweisen ähneln, ist dieser ganz bestimmte OBI Flair in seiner damaligen Fülle einfach nicht mehr so präsent und prägnant wie früher. Eigentlich schade drum...aber andererseits auch immer noch gut genug für 85/100 Punkten!!!

 

www.obituary.cc

 

Meine Wertung: 85/100

 

OBITUARY in der aktuellen Besetzung:

John Tardy – Vocals

Donald Tardy – Drums

Trevor Peres – Guitars (rhythm)

Terry Butler – Bass

Kenny Andrews – Guitars (lead)

 

Tracklist:

1. Brave (02:14) 

2. Sentence Day (02:49)        

3. A Lesson in Vengeance (03:07)  

4. End It Now (04:02)

5. Kneel Before Me (03:04)   

6. It Lives (03:24)

7. Betrayed (03:01)      

8. Turned to Stone (04:13)

9. Straight to Hell (03:57)     

10. Ten Thousand Ways to Die (03:16)   

11. No Hope (03:21)

 

 

TT: 36:28 Minuten

 

Track Video zu "Sentence Day":

 

Lyric Video zu "Turned To Stone":

 

Zombie Comic Strip Video zu “Ten Thousand Ways To Die”: