Streetdate: 01.09.2017 / Nuclear Blast
Streetdate: 01.09.2017 / Nuclear Blast

PARADISE LOST- Medusa

(Nuclear Blast)

 

Die 1988 gegründeten und fast noch in ihrer Ursprünglichkeit agierenden Doom/Death Metal Pioniere PARADISE LOST, die mit ihrem zweiten (1991er) Album „Gothic“ Pate und als Namensgeber für ein gesamtes Genre standen, erweitern ihren ellenlangen Backkatalog um das 15. Studioalbum „Medusa“. Im Vorfeld hat die, aus Halifax in West Yorkshire, England stammende, zwischendurch zum Gothic/Pop/Dark/Rock Quintett avancierte Dark Metal Ikone PARADISE LOST angekündigt, dass sie ein wenig back to the roots gehen würde und das neue Material das härteste sein solle, was die Briten in den letzten 15 Jahren geschrieben haben. Dies stellte aber auch keine große Kunst dar und war die mehr oder minder logische Fortführung des Weges des Vorgängers „The Plague Within“, spielten PARADISE LOST doch stets „Bäumchen-Wechsel-Dich“ und evolutionierten ihren ureigenen Sound von Album zu Album wie kaum eine andere Band. Man stieß viele Fans der Anfangstage vor den Kopf, wobei ich ganz klar Stellung pro Kunst und Kontra Engstirnigkeit beziehen muss und vor allem die künstlerische Freiheit gerade in dem Rahmen, den die Briten für sich vereinnahmten nicht genügend würdigen kann. PARADISE LOST scheißten auf jegliche Koventionen und zogen stets straight ihr Ding durch. Letztlich gab ihnen ihr eigens eingeschlagener Weg recht und ebnete den Pfad zum Weltruhm ohne sich jemals das Klischee des Ausverkaufs anheften zu müssen.

Photo Credit: Danny Payne
Photo Credit: Danny Payne

Auch das, mit einem recht eigensinnigen, tiefenverzerrten, fast schon unterirdisch übersteuertem Gitarren- und Basssound versehene „Medusa“ wandelt auf diesem Pfad weit ab vom Mainstream, ist aber auf seine schizophrenische, düstermelancholische Art und Weise durchaus melodisch und eingängig gehalten. Nick Holmes’ - der auch bei BLOODBATH grölt – kratzig frostigen, halbverwaist grollenden Reibeisen-Vocals verweisen bereits im Opener „Fearless Sky“ auf die Sinnlosigkeit allen Seins und der unmoralischen Hingabe an jegliche irdischen Gelüste. Schon immer gefiel ihm der Ausdruck 'reichster Mann auf dem Friedhof’. „Es fasst so akkurat zusammen, was unser Leben eigentlich bedeutet, sobald all unsere materiellen Besitztümer verschwunden sind.“, so Holmes. Das Anfangs-Riff des vierten Tracks „The Longest Winter“ klingt zwar arg zusammengeklaut, aber durch den erstmalig wirklich starken und emotionalen Klargesang Holmes, sowie dem ab und an zwischengeschobenen, eher langgezogenen Death Gesang gewinnt die ganze Chose enorm an Tiefe und weckt dadurch starkes Interesse. Der darauffolgende Titeltrack „Medusa“ kommt wie ein schwarzweiß B-Movie Horror Soundtrack mit dem etwas besseren Sound daher. Es ist ein starker, einfühlsamer Song geworden, der die Klasse und Eigenständigkeit der Band zu unterstreichen weiß und mit seiner unaufdringlichen Aufdringlichkeit besticht. „No Passage For The Dead“ hingegen lässt ein wenig an Eingängigkeit missen und ist sicherlich auch nicht für die breite Masse bestimmt. Der Southern Sludge Doomfaktor ist in seiner Minimalistik stark in den Vordergrund gerückt, was in erster Linie für den Song spricht. Bei „Blood & Chaos“ kam mir sofort wieder der Gedanke „geklautes Riff“ in den Sinn. Neben den leicht thrashigen Nuancen birgt es einen leichten SISTERS OF MERCY Touch im Klargesang.

Photo Credit: Danny Payne
Photo Credit: Danny Payne

Es braucht schon mehrere Annäherungsversuche, um mit den nekrotisch kalten, etwas out of time daherkommenden, zähflüssigen Death/Doom Songs der Briten so richtig warm zu werden. Man sollte auch kein wahres Meisterwerk, sondern eher solides frösteln hervorrufendes, in die Post Moderne gerücktes, etwas eigensinniges bis extravagantes Material erwarten, das in dem kleinen, nebelverhangenen Örtchen Woburn im Vereinigten Königreich, gemeinsam mit Produzent Jaime Gomez Arellano (GHOST, ULVER, CATHEDRAL) in den Orgone Studios entstanden ist. Einflüsse von THE CURE, TIAMAT und den SISTERS OF MERCY schimmern immer mal wieder durch den pulsierenden und stets verzerrten 80ies/90ies Sound hindurch. Das Cover, welches vom Branca Studio kreiert wurde, ziert ein leicht abgewandeltes Abbild der Gorgone Medusa, bei deren Anblick ein jeder Mann zu Stein erstarren sollte. Auch ohne die Bonustracks „Frozen Illusion“, „Shrines“ und „Symbolic Virtue“, die mir für die Rezension leider nicht zur Verfügung gestellt wurden, ist das gotisch mittelalterlich anmutende PARADISE LOST 15.0 mit seinen knapp 42 Minuten doch eine recht runde Sache geworden. 

Photo Credit: Danny Payne
Photo Credit: Danny Payne

www.paradiselost.co.uk

www.facebook.com/paradiselostofficial

 

Meine Wertung: 84/100

 

PARADISE LOST in der aktuellen Besetzung:

Nick Holmes – Vocals

Gregor Mackintosh – Guitars (lead), Keyboards

Aaron Aedy – Guitars (rhythm)

Stephen Edmondson – Bass

Waltteri Väyrynen – Drums

 

Tracklist:

01. Fearless Sky (8:30)

02. Gods Of Ancient (5:50)

03. From The Gallows (3:42)

04. The Longest Winter (4:31)

05. Medusa (6:20)

06. No Passage For The Dead (4:16)

07. Blood & Chaos (3:51)

08. Until The Grave (5:41)

09. Frozen Illusion (5:45) (Bonus track)

10. Shrines (3:59) (Bonus track)

11. Symbolic Virtue (4:38) (Bonus track)

 

TT: 57:03 Minuten

 

Anspieltipps: Fearless Sky, The Longest Winter, Medusa, Blood & Chaos

 

Ab dem 27.09.2017 gehen dann gemeinsam mit ihren Labelkollegen, den US-amerikanischen Doom Metallern PALLBEARER und den Sludge/Doom/Post-Metallern SINISTRO aus Portugal auf große Europarundreise. Die entsprechenden Tourdates findet ihr hier: Klick!

 

Blood And Chaos

 

The Longest Winter