REFUSAL – We rot Within

(F.D.A. Rekotz)

 

Puuuh, erst mal tief durchatmen! Hier gilt es eine finnische Dosensuppe der Marke REFUSAL, mit rund 70 % Death Metal und 20 % Grindcore im Trockenanteil zu vertilgen. Ein extrem deftiges Schnellgericht aus dem Hause F.D.A. Rekotz! Ob sich diese ultrabrutale Kraftbrühe für den schnellen Verzehr zwischendurch eignet? Ich bezweifel es fast. Besser erst mal auf das relativ unappetitliche Etikett mit dem halb verwesten Kopf geguckt, und gelesen was da so steht! Aha, wusste ich es doch. Hier prangt nämlich schon der erste fette Warnhinweis: "We Rot Within"! Ob man solch skandinavisches Instant Food im Hinblick auf den Konsens überhaupt konsumieren kann? Hmm, haltbar scheint es auf jeden Fall noch zu sein. Wird man nach dem Genuss dieser Bouillon etwa von innen verrotten und kleinen Insektenstaaten als neues Domizil und künftige Vorratskammer dienen? Schimmel kann das feurige Fertiggericht bei der kompromisslosen Schärfe, die man ihm einverleibt hat, jedenfalls nicht ansetzen. Mal weiterlesen: Die Speisekarte behandelt die gesellschaftlichen Misstände der Welt, die Profitgier, die Ausbeutung, den Untergang und innerlichen, sozialen Verfall der menschlichen Rasse, sowie die ständige Unterdrückung der Gedanken und Gefühle eines jeden Individuums, nicht zuletzt durch das Internet. Wer beim Aufzählen der musikalischen Bestandteile am Anfang gut aufgepasst hat, fragt sich sicherlich schon, ob ich nicht bis 100 zählen kann. Doch, doch, denn die übrigen 10 % der Beilagen hat man jeweils mit einer Garnitur Thrash und Hardcore im Nachgang fein abgeschmeckt. Alle Zutaten sind somit aus traditionellem, nachhaltigem Anbau. Krasse, schräge Gitarrenwände, pumpende, alles zermalmende Knochenbrecher Drumparts, mit modernem Groove und oldschool Einflüssen aus Skandinavien und typischem US Death Metal versehen, lassen die Eingeweide im Takt zu diesem zweistimmigen Hassbrocken tanzen. Die gewaltige, omnipräsente Prise Groove, die man immer wieder punktgenau einzustreuen weiß, wirbelt die Geschmacksknospen mächtig durch und entwickelt sich zu einer durchschlagsstarken Mischung. Was einem hier serviert wird, findet auf höchstem Niveau statt. Die Finnen von REFUSAL verstehen ihr Handwerk. Blastbeatattacken wirken sich nachhaltig auf das vegetative Nervensystem aus. Hier ist definitiv Vorsicht geboten. Die ein oder andere Herzrhythmusstörung fest im Programm. Bereits mit dem Kredenzen des ersten Gangs "Dignity In Void", zu dem auch ein audiovisuelles, rein lyrisches Geschmackserlebnis abgedreht wurde, geht man äußerst brachial zur Werke. Die böse, tiefe und intensive "Kotzstimme" von Brüllwürfel Niikka Lius sorgt für einen durchgehend derben, aggressiven Beigeschmack. Bekömmlich ist diese finnische, scharf gewürzte Spezialität durchaus, man sollte aber daran gewöhnt sein, sich deftige, zermürbende Hausmannskost zu Gemühte zu führen. Auf REFUSAL, also 'Ablehnung' stößt das Ganze bei mir sicherlich nicht. Geile Breaks, dazu die schrarfen, sägenden Pepperoniriffs von Tero Pirhonen und Patrick Franck, die dem REFUSAL Sound den letzten Feinschliff geben...mmh, lecker...was will man also mehr? Mal wird der Feuertopf schneller, mal etwas langsamer gerührt oder eben geschlagen und erinnert beim Verzehr durchaus schon mal an BLOODBATH oder CANNIBAL CORPSE. Für Grindcore Verhältnisse zwar oftmals im Midtempo Bereich manifestiert, hauen REFUSAL freilich mächtig auf die Kacke. Klingt unappetitlich? Ist es aber nicht. Und langweilig schon mal gar nicht, wird hier der Mixer doch überwiegend auf Höchstleistung betrieben. "We Rot Within", das Debüt der fünf aus Helsinki stammenden brutalo Köche, verspricht ein nachhaltiges 9-Gänge-Menü, das mit etwas über einer halben Happyhour zu Buche schlägt, aber definitiv verheerende Nachwirkungen aufzeigt. Man wird nicht zuletzt aufgrund der relativen Kürze des Albums definitiv Nachschlag fordern müssen. Neben dem grandios pumpenden Opener würde ich als weitere Anspieltipps noch das völlig irre "Cannibal Instinct", das ausgeklügelte "Do Your Part" und als Abgang den titelgebenden neunten Track nennen. "We Rot Within" zählt somit zu meinen momentanen Leibspeisen, die ich Fans von BLOODBATH, SIX FEET UNDER, THY ART IS MURDER, AVERSIONS CROWN DEBAUCHERY oder CANNIBAL CORPSE nahezu uneingeschränkt empfehlen würde. REFUSAL, welche seit 2008 gemeinsam an morbiden Rezepten herumexperimentieren, haben bereits im Vorfeld zu diesem Release sieben (!!!) Demos veröffentlicht und sind anno 2016 einfach nur unersättlich, anspruchsvoll, effizient, facettenreich und voller explosiver Energie. Bleibt mir nurmehr: "Guten Appetit!!!" zu sagen...

 

 

www.refusalband.com

 

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