SAHG – Memento Mori

(Indie Recordings)

 

Um es gleich schon mal vorwegzunehmen, dieses Album ist grandios! „Memento Mori“ (zu deutsch: bedenke, dass du sterben musst) ist einerseits spirituell, mystisch, ruhig, einfühlsam, gar verletzlich, demgegenüber aber auch grob, derb, massig, wuchtig und schnell. Vor allem ist „Memento Mori“ jedoch eins: Ein Superlativ! Der Progressive Psychedelic Doom Space Rock, den die Norweger SAHG auf ihren fünften Silberling gebannt haben, ist auf einer höheren Ebene angesiedelt. Die atmosphärisch dichten Breitwandsounds dieses vielschichtigen Trip Rock Albums, mit seinen bewusstseinserweiternde Klangwelten und ihrer feingeistigen, abgeklärten emotionalen Tiefe, stehen den klassischen oder etablierten Rock Größen in nichts nach. „Memento Mori“ hat schon jetzt das Zeug zu einem Klassiker und zu einem meiner All-Time-Faves zu avancieren.

 

Psychedelische, zeitweise gar heulende Gitarrensounds wabern durch die Eingeweide dieses kontrastreichen Klangspektakels. Fronter Olav Iversen erinnert mich in manchen Tonlage von der Stimmfarbe her an Ozzy Osbourne. Im Übrigen müssen sich die Bergener, die sich 2004 zu SAHG vereinten, auch gar nicht vor BLACK SABBATH verstecken, denn sie bieten einen riffbetonten, zeitlosen, an den 70ies Rock angelegten, arschtight arrangierter, düsteren Soundmix, der eine unbeschreiblich gefühlvolle, spirituelle Empathie heraufbeschwört und den ureigenen Kosmos im Kopf aufgrund der tranceartigen Klangdimensionen beinahe zum Bersten bringt. „Memento Mori“ versprüht dadurch eine ganz eigenwillige, okkulte Aura. Durch ihre spacige Auslegung, die zwar überwiegend auf harmonische Melodieführungen setzt, sich ihr Flussbett aber stets selber sucht und durchaus auch mal daraus ausbrechen kann, erzielt das norwegische Quartett einen hohen Wiedererkennungswert und erreicht so eine gewisse Eigenständigkeit oder gar Einzigartigkeit. Bereits der Opener „Black Unicorn“ (zudem man auch ein Video abgedreht hat: https://vimeo.com/182773206), besticht durch seine harsche Extravaganz, seine treibenden Rhythmen, seinen filigranen Aufbau, seine feingliedrige Dramaturgie und nicht zuletzt durch die kontrastreichen, durchkonzipierten, modern aufgepeppten Arrangements. Auch der nachfolgende Song „Devilspeed“ birgt seinen Reiz in diesem vielschichtigen, stilistischen Konzept und bricht schon mal mit den üblichen Konventionen eines normalen Rock Songs. Auch das überragende „Take It to the Grave“ greift die angesprochenen Thematiken in eigens interpretierten Modifikationen auf und setzt sich mit seinen eingängigen Bridges und Refrains nachhaltig im Gehörgang fest. Es ist einfach nur gigantisch, was hier auf Datenträger verewigt wurde. Man lausche nur mal den Klängen des Megahits „Sanctimony“, mit seiner wuchtigen, gleichwohl epischen und machtbesessenen Präsenz oder denen des Rausschmeißers „Blood Of Oceans“ (der zum ersten Mal in der Bandgeschichte zum Teil mit norwegischen Texten aufwarten kann). Hierbei zeigt sich, dass SAHG aus ihren unkonventionellen, effektbeladenen Songstrukturen einwandfreie Soundgewebe knüpfen können. Spätestens nach zwei bis drei Durchgängen packt einen die Musik endgültig bei den Eiern und lässt einen nicht mehr los. 

 

„Memento Mori“ bettelt quasi darum, über Kopfhörer gehört zu werden und bietet sich aufgrund seiner extraordinären Soundlandschaften dafür geradezu an. Einfach nur gigantisch, was hier auf Datenträger verewigt wurde. Nach dem gelungenen „Sorceress“ von OPETH und vor allen Dingen dem absoluten Überalbum „The Fall Of Hearts“ von KATATONIA, gilt es nun erneut ein regelrechtes Prog Meisterwerk abzufeiern. Die treibende, komplexe, gar berauschend abgespacete Musik, die stets zum Träumen und Wegdriften animiert, entführt den geneigten Zuhörer in den vergeistigten Outer Space, verlangt allerdings nicht ganz so viel Aufmerksamkeit, wie die beiden vorgenannten Alben. Die wandlungsfähigen Stimmen von Olav Iversen und Tony Vetaas sind perfekt in das Geschehen eingebettet und auch die gesamte Instrumentierung knistert vor experimentell aufgeladener Energie. Innerhalb der natürlichen Entwicklungsprozesse haben die Skandinavier enormes Fingerspitzengefühl bewiesen und mit Hilfe des spezifischen SAHG Flows, einwandfreie Klangwelten mit hochsensibler Korrespondenz erschaffen, die viel Raum zum Extrahieren und Interpretieren bieten. Ihre Texte behandeln den Spiritualismus, die Fantasie und die Abstraktionen die das Universum birgt. Religiöse, wie materielle Werte werden verteufelt, die Vergänglichkeit ins Gewissen gerufen, der Fanatismus verflucht und die destruktiven Mächte, die unser tägliches Leben negativ beeinflussen an den Pranger gestellt. Mit Tagelharpa (Rosshaar Harfe), Piano und den verschiedensten Perkussionsinstrumenten, unterstreicht man die facettenreiche und dynamische Darbietung der Schnittmenge aus verschiedenen Genres. SAHG haben auf ihrem fünften Werk „Memento Mori“ acht Tracks mit einer Lauflänge von 44:31 Minuten gebannt, die Fans von BLACK SABBATH, ISOLE, KATATONIA, OPETH, ORCHID oder gar WOLFMOTHER äußerst geschmeidig reinlaufen dürfte.

www.sahgband.com

 

Meine Wertung: 90/100

 

SAHG in der aktuellen Besetzung:

Olav Iversen - vocals, guitars

Tony Vetaas - bass

Mads Lilletvedt - drums

 Ole Walaunet – guitars