FERDINAND VON SCHIRACH - Schuld

 

Ferdinand von Schirach, Strafverteidiger, Rechtsanwalt, Autor. Mit seinem zweiten Sachbuch über ungewöhnliche Fälle, die er in seiner 25-jährigen beruflichen Erfahrung gesammelt hat, geht er den Weg seines Erstlings "Verbrechen" konsequent weiter. Kein Sachbuch im eigentlichen Sinne, sondern eher die Erzählung der Geschichte in Romanform. Kurze Episoden, mit ein paar wenigen sachlichen und fachlichen Hintergründen gespickt. Wer den Vorgänger "Verbrechen" gelesen hat, weiß wie gut von Schirach beschreiben, umschreiben und erzählen kann. Kurze, prägnante Sätze, sachlich distanziert, dennoch hoch interessant vorgetragen. Es sind oftmals einfach nur dumme Zufälle, die Leben mit einem Schlag verändern oder beenden. Schlechtes Timing, schicksalhafte Begegnungen, zur falschen Zeit am falschen Ort, Mobbing, sich gehen lassen, tiefe geistige oder psychische Leere, einhergehend mit tiefen Depressionen, das sind zum Teil die Motive oder Beweggründe der einzelnen Protagonisten. Das hier Beschriebene ist teilweise echt ohne Worte. Was manche Menschen anderen antun und aus welcher Sinnlosigkeit heraus diese teils abscheulichen Taten begangen werden, ist wirklich unbegreiflich. Manchmal fragt man sich: „Was ist das nur für eine kranke Scheiße?“ Dabei ist es schon eine seltsame Faszination, die von diesen Fällen und ihren Beschreibungen ausgeht. Teils banal, teils brutal. Die ein oder andere Geschichte geht dabei wirklich an die Nieren und hat Nachwirkungen. Mit dem Hintergrund realer Taten, nimmt sich das ganze Ausmaß dieses Wahnsinns an. Tolles Buch, toll geschrieben. Wirklich lesenswert!

 

Meine Wertung: 95/100

 

www.schirach.de