TESTAMENT - Brotherhood Of The Snake

(Nuclear Blast)

 

Wer bei dem Gedanken an TESTAMENT nur nachdenklich die Stirn runzelt oder gar auf Opas Erbe spekuliert, der hat offensichtlich die letzten dreißig Jahre in irgendeinem verstaubten Krater hinterm Mond gehaust. Die Bay Area Thrasher der ersten Stunde, die sich offiziell im Jahre 1983, erstmal unter dem Bandnamen LEGACY formierten, sind seit über 30 Jahren eine feste und nicht mehr wegzudenkende Größe im Thrash Genre. Die, aus Oakland/California stammenden Dinosaurier agieren seit etwa zwei Jahren wieder in alter, erstarkter Starbesetzung mit Chuck Billy (seit 1986 am Gesang), den beiden Gründungsmitgliedern und Gitarristen Eric Peterson und Alex Skolnick, Bassist Steve DiGiorgio (stieß 2014 wieder zur Band) und Drummer Gene Hoglan (wieder seit 2012), die viele Generationen mit ihrem puren Ursprungs-Thrash geprägt hat. Nun hat die Wartezeit endlich ein Ende, denn vier Jahre nach der letzten Veröffentlichung „Dark Roots Of Earth“, hauen die Thrash Dinos mit „Brotherhood Of The Snake“ (was in den sumerischen Schriften die älteste, bekannte Geheimgesellschaft darstellt, die von dem Außerirdischen Enki ins Leben gerufen wurde) ihr elftes Langeisen raus.

 

Zehn neue Tracks und 45:27 Minuten Thrashgeballer der alten Schule erwarten die potentielle Hörerschaft. TESTAMENT selbst bezeichnen „Brotherhood Of The Snake“ als ihr wildestes und bissigstes Album. Das kann man so durchaus stehen lassen, denn der Bay Area Fünfer gibt hier mal wieder so richtig Gas und verteilt den erzeugten Schwung mit voller Breitseite. Die Tracks sind abwechslungsreicher denn je und werden hörbar ambitioniert runtergezockt. Der Sound ist glasklar, aber vielleicht auch ein wenig zu steril. Bei der raumfüllenden, akustischen Dichte ist ein reiner Sound aber mittlerweile wohl unerlässlich, denn ansonsten würden wohl so einige feine Elemente in TESTAMENTs musikalischem Spektrum gnadenlos untergehen. Mit „Brotherhood Of The Snake“ setzten sie vermehrt auf cooles vielseitiges Riffing, geile Gitarrensoli, fettes Drumming und Chucks kraftvoll und variabel eingesetzten Vocals. Das neue Material ist routiniert und ideenreich, braucht aber schon ein paar Durchgänge, um in seiner Gänze absorbiert werden zu können. Es gibt hier verdammt viel zu entdecken.

 

Wie man bereits mit dem schnellen und deftigen Opener und Titeltrack „Brotherhood of the Snake“ aufzeigt, kommt man ohne viel Gezeter auf den Punkt und lässt schon mal einen Schuss Death Metal in den modern interpretierten Oldschool Thrash einfließen. TESTAMENT können auch mal Richtung Speed Metal gehen oder Rock’n’Rollig spielen und schaffen zwischendurch immer wieder Erholungsphasen mit rauchigem Klargesang, gesprochenen Passagen oder wie man es von ihnen gewohnt ist, mit professionellen und künstlerisch wertvollen, instrumentalen Sequenzen. Auch das vergleichsweise langsame „Seven Seals“, mit seinem feinen Stakkato Riffing Mittelpart macht mächtig Spaß und geht nach vorne. Das nachfolgende „Born In A Rut“ erinnert mich vom Gesang her sogar ein klein wenig an "The Ballad". Das könnten Chuck und seine TESTAMENTler gerne öfters machen. Der Track ist eigentlich eher eine normale Heavy Metal Nummer mit coolem Refrain und dabei so richtig schön oldschool. Auch der deftige und wuchtige Rausschmeißer „The Number Game“ hat es gewaltig in sich und ist ein weiteres Aushängeschild der Band. Das “Limited Edition Book Box Set”, welches das komplette „Brotherhood Of The Snake" Album auf fünf braunen 7” EPs, ein überdimensioniertes 7” Booklet, eine 102 cm x 152 cm Posterflagge und einen Metallpin enthält, gibt es exclusiv bei Nuclear Blast.

 

www.testamentlegions.com

 

Meine Wertung: 83/100

 

Band in der aktuellen Besetzung:

Chuck Billy - Gesang

Eric Peterson - Gitarre 

Alex Skolnick - Gitarre 

Steve DiGiorgio - Bass

Gene Hoglan - Schlagzeug

 

Ein ausführliches "Hail or Kill" zu "Brotherhood Of The Snakegibt es auf www.totentanz-magazin.de: