WARPATH - Interview zum Comeback Meisterwerk "Bullets For A Desert Session" vom 19.12.2016 mit Sänger Dirk "Dicker" Weiss.

 

- von einer neuen Besetzung, einem Studio am See, keinerlei Hetze bei den Aufnahmen und stiller Post, inklusive Frauendrama -

 

Fast zwanzig Jahre haben wir nutzlos vor uns hin vegetiert. Ein sinnfreies Leben in vollkommener Leere und geistiger Armut geführt. Nun haben wir das alles hinter uns gelassen, die Wonne, die Erfüllung, den Geisteszustand der Vollkommenheit, ja das Nirwana erreicht, denn die Thrash Metal Mean Machine WARPATH ist mit geballter Ladung von den Toten auferstanden! Mit ihrer fünften Thrash Granate „Bullets For A Desert Session“ werden die Jungs von der Waterkant am 03.02.2017 ein wahres Feuerwerk auf die klägliche Menschheit abfeuern, was ihnen unter anderem einen Slot beim Wacken Open Air 2017 einbrachte. Was lag da also näher, als sich beim Hamburger Phönix aus der Asche nach dem momentanen Stand der Dinge umzuhören. Frontröhre Dirk „Dicker“ Weiss stellte sich kurz vor Weihnachten 2016 meinen, via E-Mail gestellten Fragen.

Janko: Zu allererst möchte ich euch zu eurem neuen Output „Bullets For A Desert Session“ gratulieren. Es ist ein richtig geiles, räudiges Album geworden, das neben ziemlich coolen Refrains, endfette, tiefergelegte und verzerrte Saiteninstrumente, eine abwechslungsreiche, groovende Schlagzeugarbeit und diese dunkel grollende, rauchverhangene und oberst lässige Gesangsperformance bietet. Ihr habt da eine unverkennbare Duftmarke mit hohem Wiedererkennungswert gesetzt! Was sagt ihr dazu und was könnt ihr mir zum neuen Album und dessen Entstehung sagen?

 

Dicker: Hallo Janko....vielen Dank erstmal. Es ist natürlich eine Freude deine Worte zu lesen und ein wahrer Genuss! Zu wissen, dass ein Album, an dem man über zwölf Monate gearbeitet hat, von einem Rezensenten wirklich gehört und detailliert beschrieben wird und man dann liest was es für einen Eindruck hinterlassen hat, dann ist das schon klasse und es bestätigt einen, dass man sich nicht umsonst den Arsch aufgerissen hat! Der Großteil der Songs ist von mir und Flint. Sie sind dann schlussendlich in Zusammenarbeit arrangiert worden! "No One Can Kill Us" ist noch in der Reunion Besetzung geschrieben worden. 

Streetdate: 03.02.2017
Streetdate: 03.02.2017

Aufgenommen haben wir in den Hamburger Absurd Studios von Schrödey und der Mix ist von Eike Freese in den Chameleon Studios gemacht worden. Eike hat der Band den Sound verpasst, wie wir ihn uns vorgestellt haben.......modern aber trotzdem ungeschliffen und lebendig.....ein fettes Brett mit ordentlich Punch und Dynamik!

 

Janko: Der VÖ Termin ist ja noch mal zwei Wochen nach hinten verlegt worden. Das ist doch gemein oder? Ich denke, ihr könnt den Release kaum noch erwarten. Woran lag die Verschiebung?

 

Dicker: Das hat sich leider durch den Mix der beiden Bonustracks fürs Digipak verschoben! Es nervt schon ein wenig, da wir unsere ersten Shows im Januar haben und wäre die CD am 13.01.17 raus gekommen, hätten wir zwei Wochen Vorlauf bis zu ersten Show gehabt! Deadline, Presswerke und Vertrieb haben Zahnräder die ineinander greifen .....da können wir letztendlich auch nichts ändern! Außerdem war der 13.01.17 ein Freitag....

 

Janko: WARPATH verbrachte knapp zwanzig Jahre lang im Winterschlaf. Was habt ihr in der Zwischenzeit gemacht?

 

Dicker: Ich habe, nachdem ich ´ 94 bei WARPATH raus bin, 1996 RICHTHOFEN mit ins Leben gerufen und hab bis 2000 mit der Band zwei Alben veröffentlicht und bin getourt und wir haben auf diversen Festivals gespielt. Danach war bei mir erstmal Funkstille! Ich bin Vater geworden und habe dann 2006 ein kurzes Zwischenspiel als Bassist bei den Holsteiner Death Metallern INCUBATOR gehabt. War dann noch in einer Death Grind Truppe namens THE CRESCENT am Bassen und bin dann 2010 auf nen alten Kollegen gestoßen und habe mir wieder das Mikrofon gegriffen. ALIEN LIMB SIGN hieß die Band. Hier habe ich auch Sören kennengelernt, den heutigen WARPATH Bassisten. Flint, unser Gitarrist ist bei seiner eigenen Band RAZORHEADS aktiv und unser Drummer Norman hat vorher in der Death Metal Band DAIMONOS gespielt. Das aber nur zu den Mitgliedern die seit Januar 2016 dabei sind. Die Reunion Truppe ist ja bis auf meine Person im November 2015 ausgestiegen, aus verschiedenen Gründen!

 

Janko: Was war letzten Endes der ausschlaggebende Punkt sich wieder neu zu formieren, um weiterzumachen und wie kam das alles zustande?

 

Dicker: Die Reunion ist mit auf meinen Mist gewachsen. Ich hab Maurer auf dem Elbriot (Festival) getroffen und nach ein paar Bier kam es auf das Thema WARPATH. Ich hab mir über die Jahre hinweg immer wieder die alten Alben von uns angehört und mir Gedanken darüber gemacht, was ich anders machen würde, wenn ich heute nochmal ein WARPATH Album schreiben oder mitkomponieren könnte! Irgendwie war die Band immer ein Teil von mir, der mir gefehlt hat. Wir haben uns dann im Dezember 2014 getroffen und ein bisschen rumgejamt mit den alten Songs und fünf Monate später die erste gemeinsame Show nach zwanzig Jahren gespielt!

 

Janko: Stand in den letzten zwanzig Jahren denn hin und wieder mal die Frage im Raum euer Baby zu reanimieren oder stand das eher nicht zur Debatte?

 

Dicker: Für mich schon, für die anderen eher nicht. Ich bin ja im Dezember ` 94, nach der Rückkehr von unserer Europa Tour mit GOREFEST und FORBIDDEN gemeinsam mit unserem Gitarristen aus der Band geflogen und mein Nachfolger hat dann mit den Jungs noch das Album "Kill Your Enemy“ veröffentlicht! ...Nach einer abgebrochenen Tour mit THE EXPLOITED und dem tragischen Versterben von Sänger Arnie, wurde die Band auf Eis gelegt und sie wollten ohne ihn eigentlich nicht weitermachen! Nach der Reunion haben dann aber auch, nach knapp zehn Monaten Maurer, Krid und Steve aus gesundheitlichen und finanziellen Gründen die Band wieder verlassen. Ich wollte nicht aufhören und habe das Ok bekommen, mit dem Namen und einer neuen Besetzung weiter zu machen.

 

Janko: Warum habt ihr dieses Mal nicht wieder mit Andy Classen produziert oder wolltet ihr einfach was, bzw. jemand anderes ausprobieren?

 

Dicker: Bei Andy war kein Termin mehr frei. Im LSD Studio auch nicht und da haben wir die Entscheidung getroffen bei Schrödey im Absurd Studio aufzunehmen, was eine weitere Erfahrung gewesen ist. Wir hatten viel mehr Zeit als wir es im Stage One (bei Andy Classen) gehabt hätten und wir konnten jeder noch unseren Jobs nachgehen! Wenns sich ergeben hat, haben wir auch schon mal bis zum Sonnenaufgang einen getrunken und alte Zeiten aufleben lassen. Es hat uns nicht wirklich jemand gedrängt, und das war gut so!

 

Janko: Habt ihr noch Kontakt und wann können wir endlich mit einer absolut überfälligen Reunion von RICHTHOFEN rechnen? Das Album „Seelenwalzer“ zählt heute noch zu meinen absoluten Faves!

 

Dicker: Ja, ich hab noch Kontakt zu Andy. Wir haben uns immer mal wieder getroffen und ich hab auch mit meiner zweiten Band EVIL RIOT im vergangen Dezember 2015 dort ein Album aufgenommen! Diese Reunion, die du eben angesprochen hast, findet ja gerade statt. Allerdings ohne mich! Es hat sich terminlich nicht so einrichten lassen, da Andy seinen Plan hat und ich mit WARPATH gerade am Produzieren war. 

 

Janko: Ich habe gelesen, dass ihr mit eurem ehemaligen Gitarristen Thomas "Schrödey" Schröder in den Absurd Studios in Hamburg aufgenommen habt. Wie war das und hattet ihr die ganze Zeit noch Kontakt?

 

Dicker: Da wir alle in Hamburg und Umgebung wohnen, laufen wir uns immer mal wieder über den Weg und ich weiß nicht mal mehr genau wie und wo, aber auf jeden Fall haben wir Schrödey angesprochen und der hat uns einen fairen Preis angesagt und das Studio ist für einen längeren Aufenthalt wie geschaffen. Es liegt direkt an einem See, ist groß und hat ne gemütliche Musikerwohnung. Was durchaus wichtige Voraussetzungen für einen drei bis vierwöchigen Studioaufenthalt sind! Die Atmosphäre war eigentlich immer gut. Natürlich musste man sich hier und da aufeinander einschießen, was daran lag, dass wir alle das erste Mal im Absurd Studio waren und auch das die Band das erste mal gemeinsam im Studio war und das mit Songmaterial, das ganz neu war oder noch im Studio fertig komponiert und arrangiert wurde!

 

Janko: Eike Freese (DARK AGE) zeigte sich in seinen „Chameleon Studios“ für Mix, Mastering und Co-Produktion verantwortlich. Der Name kam mir doch gleich so bekannt vor und da fiel mir irgendwann beim Googlen auf, dass ich ihn ja noch von früher her kenne. Das ist aber schon 15 Jahre her. Da hatte er auch noch lange Haare. Wie war es mit ihm zu arbeiten?

 

Dicker: Eike hatte sofort eine Vision davon, wie WARPATH klingen muss. Und die entsprach genau der unseren. Er kannte die Band noch von früher. Was besseres hätte uns gar nicht passieren können. Er hat sehr viel Bock auf die Songs gehabt und ist das eine oder andere Mal schwer am abbangen gewesen. Er ist ein unheimlich enthusiastischer Typ, der viel Spaß an seinem Job hat. Deswegen ist ihm auch oft das Wort "Zeit" völlig Banane!! Außerdem ist sein Schwager ein großer WARPATH Fan und der hat ihm ganz klar gesagt, das er den Mix nicht versauen darf!!! Ha ha. Ach ja, die Haare trägt er jetzt kurz!

 

Janko: Im November 2013 ist sein „altes“ Musikstudio „Hammer Studios“ abgebrannt. Hat man recherchieren können, was da genau passiert ist? Konnte er sein neues Studio schnell wieder aufbauen? Und hat euch das noch in irgendeiner Weise beeinflusst?

 

Dicker: Nein, hat es nicht. Der Brand ist lange her und Eike ist inzwischen in diesen neuen Studiokomplex eingezogen und ich glaube er fühlt sich da ganz wohl!

 

Janko: Ich habe gelesen, dass die damaligen Streitigkeiten innerhalb von WARPATH beinahe in eine Schlägerei ausgeartet wären. Worum ging es damals und warum hast du/solltest du die Band verlassen?

 

Dicker: Ach....das war viel privater Kram, stille Post inklusive Frauendrama. Eigentlich alles, woraus sich ein guter Film machen lassen würde. Aber das ist lange her und letztendlich ist das Leben viel zu kostbar als dass man sich auch noch mit dem alten Mist der Vergangenheit die Gegenwart oder Zukunft versaut!

 

Janko: Was ist mit eurem alten Ersatz-Sänger Arnie passiert? Ich habe gelesen, dass er leider in der Zwischenzeit verstorben ist.

 

Dicker: Arnie ist mit Ansage verstorben. Ich kannte ihn bevor er damals für mich in die Band kam und er war ein netter Kerl. Später, nach der Reunion haben mir nur die anderen erzählt, das er seinen Tod geahnt hat.

 

Janko: Wie kam es zu dem Deal mit Massacre Records?

 

Dicker: Thomas von Massacre Records war auf dem diesjährigen Bang Your Head Festival, auf dem wir auch gespielt haben. Wir haben uns Backstage getroffen und kennen uns noch von früher, aus Zeiten als er selber noch Musik mit BAPHOMET gemacht hat. Aber Massacre Records hatte er damals auch schon! Er hat sich die Show angesehen und mir hinterher seine Karte gegeben. Wir haben ihm dann einen Rough Mix cut out vom neuen Album zukommen lassen und er fand die Songs klasse und hat uns gesigned. 

 

Janko: Kaum wieder auf der Bildfläche habt ihr bereits auf dem Bang Your Head gespielt und werdet 2017 in Wacken auftreten. Das ist doch geil und beflügelt sicherlich enorm. Es gibt euch ja auch Recht, alles richtig gemacht zu haben. Was denkt ihr generell darüber...auch speziell hinsichtlich des Angebotes von Wacken?

 

Dicker: Klar, das mit dem Bang Your Head war schon enorm geil und auf dem Wacken Open Air 2017 dabei zu sein, ist auch nen großes Ding für uns! Es beflügelt, aber manchmal denkt man auch, warum da noch nicht mehr Shows auf den vielen Festivals gebooked werden konnten. Aber, bei der Masse an Bands heutzutage und dem Vorlauf von über zwölf Monaten Planung, ist es schon cool! Wir freuen uns schon darauf! Wir werden sehen wie das Album bei den Fans und Medien ankommt. Immerhin ist das noch immer der größte Garant dafür, dass eine Band auch öfters live zu sehen ist, da Veranstalter dann Interesse haben eine Band auch zu buchen!

 

Janko: Für ausgiebiges Touren werdet ihr aufgrund eurer Familienverhältnisse wohl eher nicht so viel Zeit haben oder ist da in Zukunft etwas geplant? Ein paar Dates habe ich ja bereits eurer Facebook Seite entnehmen können. 

 

Dicker: Wir spielen vereinzelt Wochenendshows und im Sommer auf diversen Festivals. Trotzdem werden wir eine kleine Tour im September machen. Mit wem wissen wir noch nicht, doch das ist jetzt schon sicher!

 

 

Mit dem endgeilen Brett "Bullets For A Desert Session" in der Tasche, wird es sicherlich nicht mehr allzu lange dauern, bis WARPATH sich vor Konzertangeboten kaum noch retten können!!! Zu gönnen wäre es ihnen in jedem Falle...

 

Dieses und weitere Interviews, sowie Berichte und CD Kritiken rund um den Metalbereich, könnt ihr demnächst im neuen Totentanz Magazin Nr. 28 lesen, dass im Februar 2017 erscheinen wird und für läppische 5,- Euro (inkl. Porto) unter www.totentanz-magazin.de erhältlich sein wird.

 

WARPATH in der aktuellen Besetzung:

Dirk "Dicker" Weiss – Vocals

Flint Razorhead – Guitars

Sören Meyer – Bass

Norman Rieck – Drums

 

www.facebook.com/WarpathHamburg

 

Hier geht's zum "Bullets For A Desert Session" Review: