Andreas Brandhorst - Oxygen-Welt ohne Sauerstoff

FISCHER Tor

- spannender, aber überfrachteter und utopischer Klima-Thriller -


Andreas Brandhorst - Oxygen-Welt ohne Sauerstoff
Erscheinungstermin: 22.02.2023 / FISCHER Tor

Mittelmeer, nordwestlich der italienischen Insel Pantelleria, in der näheren Zukunft. Die 42-jährige Meeresbiologin Dr. Laura Lombardi befindet sich auf dem Forschungsschiff Trieste. Die vorgenommenen Messungen der Meerestemperaturen ergeben für die Jahreszeit viel zu hohe Werte. Bei der Untersuchung des Phytoplanktons stellen sich obendrein erschreckende Unregelmäßigkeiten heraus. Die Ein- und Mehrzeller verschiedener Proben aus unterschiedlichen Meereszonen, produzieren keinen Sauerstoff mehr. Sehr zum Entsetzen der Ozeanografin weist das Phytoplankton, das 70 bis 80 Prozent des Sauerstoffs unserer Atmosphäre produziert, offensichtlich weltweit Zellschäden auf. Die Suche nach der Ursache und wie man diese aufhalten oder gar rückgängig machen kann, gestaltet sich als äußerst schwierig, hat aber oberste Priorität für Laura und ihr Forscherteam. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt...

 

In seinem brandaktuellen Klima-/Öko- und Wissenschafts-Thriller "Oxygen-Welt ohne Sauerstoff", entwirft Bestsellerautor Andreas Brandhorst, ein komplexes Schreckensszenario, das in diesen Ausmaßen hoffentlich niemals Anspruch auf Realität erheben wird. Die fiktiven Fakten und Ereignisse wurden von dem 66-jährigen norddeutschen Schriftsteller in eine, zunächst sehr interessante und eingängige Story eingebettet, welche sich auf internationalem Terrain bewegt und bisweilen an Marc Elsberg, Andreas Eschbach oder Uwe Laub erinnert.

 

Niemand nimmt Dr. Laura Lombardi oder ihr Institut ernst. Wirtschaftliche und weltpolitische Interessen, weitreichende Umweltsünden und kriminelle Machenschaften treten in den Vordergrund. Doch als die Mitarbeiter des astrophysikalischen Observatoriums von Catania herausfinden, was dem Phytoplankton und den Pflanzen die Möglichkeit zur Fotosynthese nimmt, ist es bereits zu spät. Das große Massensterben hat längst begonnen. 

 

Andreas Brandhorst führt im Laufe seines 608 Seiten umfassenden Romans "Oxygen-Welt ohne Sauerstoff" eine Unmenge an Protagonisten ein, woraufhin der Leser innerhalb der vielen verschiedenen Handlungsstränge allmählich den Überblick zu verlieren beginnt. Durch die häufigen und weit auseinanderliegenden Szenenwechsel kann man kaum Sympathien oder emotionale Bindungen zu dem üppigen Personal aufbauen, worunter Atmosphäre und Emotionalität leiden. Auch die wissenschaftliche Thematik, die in ihrem Kontext hinreichend und verständlich erläutert wird, ist mir innerhalb ihres konservativen, faktenbasierten Sprachrahmens, etwas zu trocken und nüchtern rübergebracht. Die Auseinandersetzung mit dem politischen Kalkül und der Klüngelei war mir in diesem Falle ebenfalls too much. Der Spannungsbogen wird zwar den gesamten Roman über straff gehalten, aber der Polit-, Agenten- und SciFi-Thriller wird mir persönlich ab der Hälfte etwas zu spekulativ. Hierdurch avanciert "Oxygen" zu einer Utopie, die leider arg konstruiert und gnadenlos überfrachtet wirkt.

 

Während mit Hochdruck an der Lösung des todbringenden Problems gearbeitet wird und sich der Sauerstoffanteil in der Atmosphäre von ca. 21 % nach und nach auf unter 16 % verringert, ächzen Flora und Fauna unter den widrigen Umständen. Bedauerlicherweise geht Andreas Brandhorst kaum auf die chemischen Zusammenhänge des Problems, wie auch seiner vermeintlichen Lösung ein. So fühlt man sich als Leser im Unklaren gelassen und vor vollendete Tatsachen gestellt, wodurch Ursache und Effekt an Glaubwürdigkeit verlieren. Brandhorst exerziert sein destruktives Gedankenkonstrukt bis zum bitteren Ende durch und zeigt dabei die Verrohung der Gesellschaft nur allzu deutlich auf. Naturgemäß erhält das apokalyptische Geschehen dabei einen tristen, aussichtslosen Anstrich. Ähnlich wie in Phillip P. Petersons Katastrophenthriller "Nano" oder Uwe Laubs "Dürre" geht der Autor hier auf die angestaute Wut der Bevölkerung, die gewalttätigen Demonstrationen und die Aufstände ein, die sich in einer explosiv entladenden Anarchie äußern. Irgendwann überschlagen sich jedoch die Ereignisse und Andreas Brandhorst überlädt sein durchaus interessantes Bild der fiktiven Zukunft einer sterbenden Welt, das für mich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr greifbar ist. Es entwickelt sich ein sprunghaftes hin und her, das nach einiger Zeit regelrecht anstrengend wird. Da hätte man sicherlich mehr draus machen können.

 

(Janko)

 

https://www.andreasbrandhorst.de/

https://www.facebook.com/andreas.brandhorst.autor/

https://www.instagram.com/andreas.brandhorst/

 

Andreas Brandhorst - Oxygen-Welt ohne Sauerstoff
Klappentext

Brutalität/Gewalt: 23/100

Spannung: 61/100

Action: 67/100

Unterhaltung: 73/100

Anspruch: 35/100

Atmosphäre: 52/100

Humor: 02/100

Emotionalität: 25/100

Sex/Obszönität: 03/100

 

LACK OF LIES - Wertung: 74/100

 

Andreas Brandhorst - Oxygen-Welt ohne Sauerstoff

FISCHER Tor

Klimathriller

ISBN: 978-3-596-70743-0

608 Seiten

Paperback

Erscheinungstermin: 22.02.2023

EUR 18,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

 

Weitere Formate:

ISBN eBook: 978-3-10-491592-0

Erscheinungstermin: 01.02.2023

EUR 16,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

 

"Oxygen-Welt ohne Sauerstoff" bei FISCHER Tor: https://www.fischerverlage.de/buch/andreas-brandhorst-oxygen-9783596707430




 

 

- Wir bitten von der Übersendung nicht angeforderter Rezensionsexemplare in physischer Form abzusehen, da Wir diese in der Regel nicht bearbeiten Können -