DIRK VAN VERSENDAAL - Die Engel warten nicht

 

Es ist schon ein merkwürdiges Buch, das ich hier in den Händen halte. Ein verwirrender Plot, zu viele Charaktere, zu sprunghafte Szenerien. Es ist wirklich schwer hier mitzukommen, einen gewissen Halt zu finden oder gar ein verfolgbares Konzept zu erahnen, denn vieles ist hier schlicht und einfach nicht nachzuvollziehen. Der Schreibstil bleibt dabei stets recht fern vom Mainstream. Im Groben geht es um das Beziehungsgeflecht mehrerer Personen, die samt und sonders in einen kriminellen Sumpf abdriften oder bereits knietief darin herumwaten. Es kann einfach nicht gesund sein, etwas zu entwenden, wenn man nicht überblickt, welche Mächte man da gegen sich aufbringt. Wenn sich dann noch Unvermögen und dummdreiste Idiotie dazugesellt, na dann haben ein paar Leute wohl mal so richtig mit den Vollen in die Scheiße gegrabscht. Davon bekommt der Leser allerdings bis zum letzten Viertel des Buches nicht allzu viel mit, ist doch vieles nur subtil umschrieben oder absichtlich blass und vage gehalten. Kaum Lokalkolorit, dürftige Charakterzeichnung, die angesprochenen Szenenwechsel. Da hat man wahrlich Schwierigkeiten, ein Bild der jeweiligen Situation vor Augen entstehen zu lassen. Der Schreibstil wirkt bisweilen störend über langweilig bis nervend. Man quält sich irgendwann nur noch durch die Seiten und sehnt sich dem Ende entgegen. Hier dreht Dirk van Versendaal allerdings noch mal ein wenig an der Actionschraube und ist kurzfristig dazu bereit, die aufgekommene Langeweile ein wenig in den Hintergrund zu drängen. So richtig rauszureißen vermag dies den festgefahrenen Plot, nicht zuletzt aufgrund der sinnlosen Aktionen der Akteure allerdings auch nicht mehr. Oftmals geht einem die Kenntnis ab, welche Person momentan überhaupt agiert und man peilt irgendwann überhaupt nichts mehr. Hier hat das Lektorat, wenn es denn überhaupt eines gab seinen ausgiebigen Winterschlaf abgehalten. Der Übersetzer, demgegenüber schon ein arges Mitgefühl aufkommt, muss einen Höllenjob gehabt haben. Er kann von Glück sagen, wenn er hierüber nicht in der Klapsmühle gelandet ist. Der Autor verlangt dem potentiellen Leser schon einiges ab, muss letzterer doch weit über 400 Seiten ausharren, bis ihn endlich die langersehnte Action erwartet. Empathie für die Protagonisten kann man dabei allerdings auch kaum entwickeln, dafür ist der gesamte Plot einfach viel zu emotionslos.

 

Meine Wertung: 59/100



 

 

- Wir bitten von der Übersendung nicht angeforderter Rezensionsexemplare in physischer Form abzusehen, da Wir diese in der Regel nicht bearbeiten Können -